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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1846-05-03 · Heft 18 (3.5.1846) · page 7

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 18 (3.5.1846)
Date
1846-05-03
Page
– (sequence 7)
Language
German
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143 Der Londoner Oberrabbiner. 6 (Frankfurt a. M., im März.) — Das in Nr. 11 Ihres geschätzten Blattes von London aus berichtete und auch anderweitig bestätigte Faktum, daß der dortige Rabbiner Adler die Einsegnung einer Ehe von der Unterwerfung der Brautleute unter sein kirchliches Regiment abhängig gemacht, und was noch merkwürdiger ist, die schriftliche Unterwerfung auch erhalten hat, erregt hier nicht geringes Aufsehen und manche ernstliche Bedenklichkeiten. So weit haben es diejenigen unserer deutschen Rabbinen, welche hierarchischen Gelüsten nicht unzugänglich geblieben, noch nicht gebracht. — Die Englischen haben demnach wirklich ihren wohlbestallten, wohlkonstituirten und kostümirten Bischof! Dazu muß man ihnen gratuliren! Was war denn aber auch so ein alter, wenn auch noch so frommer Rabbi! — Der ließ nach Vorlesung einer kaldäischen unverstandenen Formel der Braut den Ring an den Finger stecken und damit wae's gethan; sonst ließ er die Leute das ganze Jahr in Ruhe (?) Aber präsentabel war ein solcher Rabbi nicht im geringsten, und in einem Salon »Imost ehoking.— Ein solcher Rabbi, mit dem ganzen ungebundenen, oder wie es heutzutage heißen würde, unkirchlichen Zustand, mochte wohl unseren Vorfahren, armen Trödlern, wie sie fast alle waren, vollkommen genügen. Jetzt aber, wo ihre Nachkommen große Häuser, feste Comptoirs, Kutsch und Pferde u. s. w. besitzen und dazu noch so viel high life als möglich besitzen wollen, da muß auch ein hübsch ausstaffirter, mit geistlicher Macht bekleideter Oberrab. binrr die fromme Gemeinde repräsentiren. Ich sage die fromme Gemeinde, denn in England sind die vornehmen Leute fast alle fromm, folglich müssen es auch die Juden sein, oder wenigstens zu sein scheinen. Ob es die Leute wirklich sind, oder nur scheinen, danach hat freilich Keiner zu fragen, aber da ist nun der neue Oberrabbiner selbst, der fragt, wie man sieht, allerdings darnach, der versteht keinen Spaß. So ein wohlbestalltes Kirchenoberhaupt, welches, wie ihr's bedungen habt, nicht anders als in eigner Equipage fahren darf, läßt nicht mit sich scherzen. W:c könnt ihr euch, ihr verirrten Schafe, jetzt da ihr euren wachsamen Hirten habt, beifallen lassen, auf anderer Weide zu wandeln, als auf die sein Stab euch leitet? Nun wohl, er wird euch schon zurückzubringen wissen, er scheint ganz der Mann dazu zu sein. — Für den Anfang also haben sich von ihm eingesegnet fein wollende Brautleute schriftlich verbinden müssen, sich von der Neformgemeinde loszusagcn und fortan orthodor leben zu wollen. Um aber auch für das Heil der Nachkommenschaft zu sorgen, wird der Rabbi künftig vor der Trauung einen weiteren Revers abverlangen, wonach die Kinder nur von seinen geprüften Lehrern Religionsunterricht nehmen dürfen. In Kurzem werdet ihr, wie bereits von dorther gemeldet worden, ein wohleingerichtetes Seminarium erstehen und nach Verlauf einiger Jahre recht feine zelotische Jünger in genügender Zahl daraus hervorgehen sehen. Diese werden ihn in seinen frommen Werken unterstützen. Mit ihrer Hülfe wird er mit der Zeit euren Geist umwandeln; die christlichen Sitten, die ihr euch bisher so sehr zu eigen gemacht habt, wird er verdammen und von euch austreiben. und euch so viel in seinen Kräften steht, zu ächten talmudischen Juden umbilden. Hannoversche Zustände. (Aus dem Hannoverschen.) — Wenn Sie einmal zu uns kommen, mein werther Hr. Redakteur, so würden Sie von ver Bildung, die unter unseren Glaubensgenossen hier zu Lande herrscht, recht angenehm überrascht werden. Aber Ihre Freude würde sich bald legen, ja in eine recht schmerzliche Empfindung verwandeln, wenn Sie nur Ihren Blick auf die religiösen Zustände wendeten, die Ansichten und Gesinnungen, welche hier obwalten, untersuchten: da tritt Ihnen, wenige Ausnahmen abgerechnet, bei aller sonstigen Bildung doch noch ganz die alte Orthodoxie, oder das sogenannte Neumodischsein entgegen, wo man wohl faktisch dem Talmud eutgegengehanvelt, die lästigen Speisegesetze die übertriebenen Sabbarhsbeschränkungen u. a. m. Übertritt, aber .in der Idee noch ganz talinudischer Jude bleibt unv kein anderes Judenthum kennt, und keOem anderen ein Recht der Existenz zugesteht, als diesem. Dieser grelle Widerspruch zwischen allgemeiner Bildung und religiöser Aufklärung kann Ihnen aber nicht auffallen, wenn Sie bedenken, daß unsere Juden sich der elfteren, welche ein Eigenthum unseres Landes ist, nicht entziehen könnten, daß sie ihnen auf tausend Wegen und Kanälen des Verkehrs, der geselligen Verbindung u. s. w. Zuströmen mußte: daß hingegen die letztere, die religiöse Aufklärung, ihnen durch die Tätigkeit, oder vielmehr Unthätigkeit unseres nach London gesegelten Rabbinen ganz versperrt blieb. Wachte er ja ängstlich darüber, daß ja keine freie Ueberzeugung aufkam; entfernte er ja unbarmherzig jeden Lehrer, der es wagte, irgend eine bessere Richtung der Jugend einzuflößen, und setzte er seinen größten Ruhm darein, die armen Schächter zu peinigen und das Entfernungsuriheil gegen sie auszusprechen, wenn sie keine Virtuosen im Schleifen oder der Lungenbeschau waren. — Ein Tröstendes bei diesem betrübenden Zustande ist es noch, daß auch vie bisherige beschränkte Gesetzgebung ihren Antheil daran hat, daß sie durch idre äußere Abschleifung der Inden, durch ihre Versagung selbst des Namens von Bürgern, den mächtigsten Gedanken der

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