Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 18 (3.5.1846)
- Date
- 1846-05-03
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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144 Aufklärung: die Ueberzeugung, daß eine heilsame menschliche und bürgerliche Thätigkeit die Grundforderung des Judenthums bilde, mit Gewalt niederhielt. — Nun die Regierung hat bereits einen großen Schritt zum Bessern gethan, indem sie das Schutz - geld und andere mittelalterliche Beschränkungen aufgehoben und von der Wirksamkeit des neuen Landrabbinen in Hannover dürfen wir wenigstens Besseres hoffen. Zwar hat er einen schwierigen Stand, indem sein Vorgänger ihm nicht einmal den Boden gelockert hat, und wir dürfen daher auch nicht gleich im Anfang zu hohe Forderungen an ihn stellen. Er muß sich ja wohl der leider.' noch vorherrschenden obscuren Gesinnung akkomodiren; er kann nicht mit Entschiedenheit der ganzen Verkehrtheit des talmudischen Standpunktes entgegentteten, nicht mit Entschiedenheit schon jetzt für das höhere Bewußtsein der Zeit in die Schranken treten. Aber er wird schon sehr heilsam wirken und sich den Weg zu entschiedenen Fortschritten bahnen, wenn er nur der Zeit die Berechtigung zur Reform zugesteht und dabei im Cultus weiter geht als sein Vorgänger, der sich bei seinen Cultusverbefferungensichblos mitHerstellung äußererOrdnung begnügte, während im Innern die alte Unordnung oder vielmehr der größte Widerspruch mit den Gedanken und Gefiihlen der Betenden fortbestand. Aber immer wird die Hauptthätigkeit unsers Landrabbinen auf das Schul- und Erziehungswesen gerichtet sein müssen, das bei uns in einem schrecklich, verwahrlosten Zustande ist. Es war daher auch ein recht glücklicher Gedanke des neuen Land- Rabbinen, die Idee einer Schulleh/erbildungs-Anstalt anzuregen und eine sehr verdienstliche'Thal unserer Regierung, demselben in so edler Weise zu entsprechen und in die hiefür errichtete Commission auch ihre Beamten zu ernennen. Aber von dem wohlthätigen Sinn unserer Juden wird es abhängen, ob diese Anstalt ihrer Bestimmung Nachkomme. Sie müßten nicht nur dieselbe so dotiren, daß ein tüchtiges und hinreichendes Lehrcpersonal angestellt werden kann, sondern auch noch für die Subsistenz der Zöglinge sorgen, da doch bei uns „die Reichen nicht ins Himmelreich kommen", nämlich, kein einigermaßen vermögender Jüngling Lust bezeigt, sich in das Himmelreich der Schule aufnehmen zu lassen. Literarische Anzeigen. In der Andreäischen Buchhandlung in Frankfurt a. M ist zu haben: Herr Qbervorsteher Hellwitz und die Rabbiner- Versammlung. Beitrag zur Beurchcilung des Geistes und der Bestrebungen dieser Versammlung, von einem Unparteiischen, gr. 8. geh. 1846. 12 a/u. In dem neuen hebräischen Verlage von Gott lieb Hause Söhne in Prag sind erschienen unv erscheinen: Drei neue Ausgaben des Machsor om) sammtliche /tßgcbete und gotteabienßlidfe Dichtungen der Israeliten, in 9, 5 und 2 Bänden. Die Ausgabe iu 9 Bänden, hebräischer Text mit einer neuen deutschen Uebersetzung und einem ausführlichen neuen hebräischen Kommentar von vr. M. Letteris. Die Ausgabe in 5 Bänden, hebräischer Text mit einer neuen deutschen Uebersetzung von demselben Gelehrten und Die Ausgabe in 2 Bänden, hebräischer Text mit einer neuen deutschen Uebersetzung von eben demselben Gelehrten. Jede der drei Ausgaben des Machsor ist wieder auf drei verschiedene Papiergattungen gedruckt, um so auch das Bevürfniß der Unbemittelten befriedigen zu können. Wir haben, um vielfach an uns ergangenen Anforderungen zu genügen, den Subskriptions- und Pränumerationsweg eröffnet und können die Bände der drei Ausgaben demnach einzeln bezogen werden. Ein ausführlicher Prospektus besagt das Weitere darüber. Von der 9bänvigen Ausgabe des Machsor sind bis jetzt die drei ersten Bände, und von der Sbändigen ist der erste Band erschirmn. In Betreff der Gediegenheit der Uebersetzungen zu allen 3 Ausgaben und des Kommentars zur Ahriligen Ausgabe können wir uns um so mehr aller Anpreisungen enthalten, da die Befähigung des Herrn vr. M. Letteris zu solchen Arbeiten außer allem Zweifel steht. Die glänzenden Verdienste dieses Gelehrten um die jüdische Literatur sind nicht neu, sie sind in einer 20jährigen thätigen Wirksamkeit begründet und auch so vielfach rühmlichst anerkannt, daß man mit Sicherheit annehmen kann, diese seine neuesten Leistungen werden seine seltene, gelehrt Sachkenntniß und die besondere Vorliebe für Herstellung einer, in mehrfacher Hinsicht wünschenswerthen, neuen Ausgabe des ganzen Machsor zur Genüge beurkunden. Durch eigene, sorgfältige Ueberwachung des Satzes und selbst des Druckes hat der Herr Verfasser diesen Ausgaben noch einen weiteren Vorzug, den der möglichsten Correctheit, gegeben. Auch eine ausführliche Ankündigung unserer bereits erschienenen israelitischen Gebetbücher ist durch alle Buchhandlungen auf gefälliges Verlangen gratis zu erhalten. Prag, im Februar 1846. Gotttlieb Haase Söhne, Verlags - Expedition. Verlag ver I. C. Hermann'schen Buchhandlung in Frankfurt a. M. Druck von Krähe de May in Offenbach.