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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1846-05-03 · Heft 18 (3.5.1846) · page 5

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 18 (3.5.1846)
Date
1846-05-03
Page
– (sequence 5)
Language
German
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141 oft Prediget Dr. Saalschütz mit einer Schrift (Haüptprincipien zur Entwerfung einer zeitgemäßen Liturgie (Königsberg, Gräfe und Unzer) hervor, die wahrlich von einem solchen liberalen Geiste weit entfernt ist. Aber die Cultusfrage ist nun einmal für unsere Zeit eine so hochwichtige, und hängt so tief mit der ganze» Auffassung des Iudenthums zusammen, daß Sie mir schon gestatten müssen, einige Augenbliö^ bei dieser Schrift zu verweilcu. Hr. S. steht in der erbaulichen Selbstthätizkeit der Gemeinde, da diese sehr viele Gebete selbst spricht, das Charakteristische des jüdischen Gottesdienstes und meint, man solle es mit dem einigen Geräusch, welches hiebei nicht vermieden werden könne, nicht so wichtig nehmen. Die Masse des Volkes, das fich um einen Fürsten versammle, um ihm begeisterte Gefühle des Dankes und der Ergebung auszudrücken, würde auch nicht in tooter Stille verharren. Es sei ferner der Nebelstand, daß der Gottesdienst in einer. Vielen unverständlichen Sprache, der hebräischen, abgehalten werde, nur ein scheinbarer; denn die Seele des Andächtigen werde den gesprochenen Klängen schon die im Allgemeinen entsprechenden Gedanken und Empfindungen unterlegen. Gleichwohl müsse der Wunsch auch Allen verständlichen Gebete einzuführen gerechtfertigt erscheinen, da die Religion fich nicht nur an das Gefühl, sondern auch an das klare Bewußtsein wende. Allein der Abschaffung des Hebräischen ständen die gewichtigsten Bedenken entgegen, wohin vorzüglich gehöre, daß Vielen, und namentlich denen, die regelmäßig den Gottesdienst besuchen, diese Sprache noch verständlich sei, die sonst herrschende Unwissenheit darin auch wieder schwinden, ja es selbst dahin kommen könne, daß in den Gymnafien auch das Hebräische ordentlich eingeführt werde; daß ferner die hebräischen Gebete und Bekenntnisse Orginale seien, welchen keine Uebersetzung gleichkomme und hier um so weniger, als fie der heiligen Schrift, der göttlichen Offenbarung, die in dieser Sprache und mit diesen Worten der Menschheit eröffnet worden, entnommen seien; daß jeder in der Gemeinde die gesetzliche Erlaubniß in jeder Sprache zu beten auch zu Gunsten der hebräischen in Anspruch nehmen könne, und daß die Einheit des israelitischen Gottesdienstes, welche vorzüglich darin bestehe, daß der Israelit, in welche Synagoge er auch trete, sich weder durch Form noch durch Sprache gehindert, in das „Hallelujah", oder ».Hosianna" seiner Brüder mischen könne, durch Einführung willkührlicher deutscher Gebete gestört werde.—Man habe ferner in solchen Gebetstücken, die den Wunsch einer Wiederkehr nach Palästina aussprechen, etwas Unpatriotisches finden wollen. Dieses sei aber falsch; denn die prophetische Verheißung jener Wiederkehr setzt die geistige Einigung und Wohlfahrt der Mensch heit, also einen Umschwung aller Verhältnisse voraus. Eben so habe man daS Barbarische des Opferdienstes übertrieben, da es doch wohl barbarischer sei, ein Thier, auf eine mitunter sehr grausame Weise zu tödteu und aufzueffen, als es schmerzlos zu tobten und fich symbolisch dabei der Dankbarkeit gegen Gott zu erinnern. — Hr. S. erklärt fich weiter gegen jede Vertauschung der bisherigen hebräischen Gebete mit neu einzuführenden deutschen Liedern und will die deutsche Sprache nur auf Wiederholung der von der Gemeinde bereits gesprochenen Gebete durch den Vorbeter und Uebersetzung und Erklärung der Thora-Abschnitte und HaphthoraS beschränkt haben, und gibt noch am Schlüsse seiner Schrift einige Umrisse der nach diesen Grundsätzen einzusührenden Liturgie. Was sagen Sie nun zu diesen sonderbaren Aeußernngen eines sehr achtbaren Gelehrten, nachdem die Verhandlungen der zweiten Rabbinerversammlung Alles. was fich nur irgend in dieser Weise als Wahrheit gelten machen will, auf das Siegreichste widerlegt hat? Mich hat — ich gestehe es — jene Schrift auf's Neue in der traurigen Ueberzeugung befestigt, daß auch für uns das Heil nimmermehr von den unselbstständigen Historikern, den einseitigen Theoretikern, oder den Neuromantikern — dem Talmud gegenüber, welchen fie nur aus dritter Quelle kennen, sondern daß diese immer und ewig der wahrhaften Erneuerung, der rechten und umfassenden Regeneration des Iudenthums entgegen sein werden, weil fie ewig in den Banden des Scholasticismus gefangen liegen, weil fie vor lauter fremdem Wissen nicht zu eigner Freiheit, zu selbstthMger Erhebung gekommen, weil fie vor lauter Liebe zur Vergangenheit und historischer Ermittelung nicht die Empfänglichkeit zum Verständniß der Gegenwart und dem was alle ihre klardenkenden und warmfühlenden Söhne fordern, ganz und gar eingebüßt haben. Wenn übrigens Ihre Leser durch das, was ich aus der Schrifr von Saalschütz angeführt, fich vom Lesen derselben würden abschrecken lassen, so würde ich das sehr beklagen; denn Alles, was ich noch von Saalschutz gelesen, bleibt, auch wenn man mit der Grunvanficht des Verfassers nicht übereinstimmen kann, doch durch den schönen idealen Zug, der durch seine ganze Darstellung geht, durch sein tiefes sittliches Gefühl, durch seine edle Sprache und durch die Belehrung, welche er im Einzelnen darbietet, im hohen Grade interessant, und ich wünschte dem Dresdener Oberrabbiner, mit welchem unser Verfasser in allen Grundfragen auf fast wunderbare Weise übereinstimmt, etwas von der großen Beschei-, denheit und dem durch und durch friedlichen Gemüthe desselben oder vielmehr, ich sollte, wenn das-nicht von meiner Seite lieb' los wäre, es ihm nicht wünschen, da er dann gewißlich mit seinem

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