Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 12 (1920)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1920)
- Date
- 1920-11-01
- Page
- Seite 90 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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90 Rundschau: Frankfurt a. M. aller A lacht gegen die Versumpfung des religiös - liberalen Gedankens, die in neutralen Iugendvereinen das Heil erblickt, sei die dringendste Gegenwartsaufgabe des liberalen Indentun,s. Reicher Beifall folgte den Morten des Redners, an die sich eine außerordentlich interessante und lebhafte Aussprache anschloß. Die Aussprache ergab, daß die Ausführungen des Vorsitzenden die ungeteilte Zustimmung der Anwesenden fanden. Ginstimmig war der Wunsch, daß das Grgan der Vereinigung, die Monatsschrift: „Liberales.Judentum" wieder regelmäßig jeden Monat erscheine und eine grundlegende Umgestaltung erfahre. Beben den theoretischen, dogmatischen und literarischen Artikeln sollen regelmäßig Aufsätze gebracht werden, in denen zu den oben erwähnten problemen (Gemeindexolitik, Organisation der Deutschen Juden, Palästinaproblem, Ostjuden - frage ic.) Stellung genommen wird. Ferner sollen die wichtigsten Vorgänge des jüdischen Lebens in jeder Nummer übersichtlich zusammengeftellt werden, so daß unser Organ über alles Wichtige, was im Judentum vorgeht, orientiert. Endlich soll ein Modus gesucht werden, um die Monatsschrift „Liberales Judentum" mit den „Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft jüdisch-liberaler Iugendvereine Deutschlands" in irgend einer Form zu vereinigen. Dies entsprach insbesondere einem lvunsch der Vorstandsmitglieder des .jüdischlcheralen Iugendvereins in Frankfurt a. M. Daß 'bei vierwöchentlichem Erscheinen und Erweiterung des Inhalts die Monatsschrift, die bisher schon mehr als 8 Mark pro Kopf kostete, nicht mehr zu den alten Bedingungen geliefert werden könne, darüber herrschte Einstimmigkeit. Ebenso darüber, daß nicht zwei verschiedene Spezies von Mitgliedern der Vereinigung für das liberale Judentum, solchen, die einen erhöhten preis für Bezug der Monatsschrift und solchen, die den alten Mitgliedsbeitrag mit Verzicht auf die Monatsfrist bezahlten, geschaffen werden dürfe. Als Mindestbeitrag von Januar ab wird der für die heutige Zeit geringfügige Mindestbeitrag von 15 Mark in Aussicht genommen. Doch wird auch dieser Beitrag nur dann genügen, wenn eine außerordentlich lebhafte Werbetätigkeit aller Orten einsetzt, um die Zahl unserer Mitglieder beträchtlich zu erhöhen. Frankfurt a. M. Der jüdisch-liberale Jugend-Verein ernannte Herrn Rabbiner Dr. Seligmann anläßlich seines sechzigsten Geburtstages zu seine,n Ehrenmitglied und überreichte ihn, zu diesen, Anlaß eine von einem Mitglied des Frankfurter. I. L. I. selbst ausgeführte künstlerisch vollendete Adresse mit folgendem Wortlaut: hochverehrter Herr Rabbiner! Der jüdischliberale Ingendverein Frankfurt an, Main naht sich Ihnen heute, an Ihrem 60. Geburtstage, mit innigen Glückwünschen^ Als den, jüngsten Ihrer geistigen Gemeindekinder werden Sie es ihm nachsehn, wenn er den Lag, den Ihre Bescheidenheit in aller Stille begehen will, nach Rinderart sich zu einem Festtag macht. Nicht ziemt es seiner Jugend, in Ihnen den unermüdlichen und unerschrockenen Verteidiger, den begeisterten und hinreißenden Vorkämpfer des religiösen Liberalismus in Deutschland zu feiern. Nur ehrerbietigen Dank n,ächte er Ihnen darbringen für das, was Sie ihm als Vater und Freund durch Lehre und Beispiel gewesen sind unG bleibend sein werden. Das einzige, womit er Ihnen all Ihre Liebe zu danken verinag, ist heute noch ein bloßes versprechen, das versprechen, daß Ihr reinstes Streben in der jüdischen Jugend ewig sich verjüngend fortleben wird, so daß Sie selbst niemals altern können. Als ein geringes Zeichen seiner Dankbarkeit bittet Sie der jüdisch-liberale Iugendverein Frankfurt an, Alain die Ehrenmitgliedschaft anzunehmen; er weiß sich selber nicht besser zu ehren an diesem Tage. Mögen Sie, hochverehrter Herr Rabbiner, Ihrer Familie, Ihrer Gemeinde und dem unabsehbaren Rreise derer, die Ihnen als dem anerkannten geistigen Führer treueste Gefolgschaft leisten, noch ungezählte Jahre in voller Geistesfrische und Schaffensfreude erhalten bleiben. "Möge der Allgütige Sie, der gekommen ftt, „niederzureißen und auszuroden, um zu bauen und zu pflanzen", uns bleiben lassen „eine eiserne Säule und eine eherne Mauer." In tiefster Verehrung und Dankbarkeit der Jüdisch-liberale Iugendverein Frankfurt am Main, den \2. 20.