Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 12 (1920)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1920)
- Date
- 1920-11-01
- Page
- Seite 89 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Rundschau: Frankfurt a. M. 89 Letzten 3a^rc haben hierin grundlegend Mandel geschaffen. Man hat gefühlt, daß hinter liberalem Judentum doch mehr steckt als die Kragen des Orgel-Gottesdienstes, der Verbindlichkeit der Speisegesetze und des Kahrens am Sabbat. Line Jugend wächst heran und greift in die Speichen, unseres Räderwerkes ein, die sich der unvergänglichen Ehre bewußt ist, die darin liegt, Träger der größten geistig-sittlichen Bewegung zu sein, die die Weltgeschichte kennt. Diese geistig-sittlichen Rräfte im Judentum auszugestalten, sie im Leben des einzelnen und in dem der Gesamtheit in die Tat umzusetzen, genügt ihr und ist ihr Lebensziel und Zweck geworden. Rein Hohm und kein spöttischer Zweifel wird sie davon abbringen, das große Ethos, das im Judentum liegt, für sich auszumünzen und sich als dauerndes Lebensgut zu sichern. Uyd nur darin wird sie den liberalen Tharakter ihres Judentums betonen, daß ihr die Formen unerheblich find, in denen sich die Ewigkeitsgedanken des Judentums ausprägen; sie stößt niemanden von sich dem die Form teuer ist; sie -weist niemanden ab, dem der Gedanke alles, die Form als unwesentliches Beiwerk erscheint. Merden wir vor der Melt wieder erkannt sein als Juden, nicht nur dem Namen, soin dern der Gesinnung und den Taten nach, so werden wir. auch daran gehen dürfen, uns unser Judentum auszugestalten nach unserer Kerzen Sehnen, damit es ein Judentum sei, das nicht nur vor den Vätern bestehen, sondern auch den Rindern etwas fein; kann, woran ihr Herz hängen, ihr Gemüt sich aufrichten und ihr Geist sich erheben darf. Gottesdienst, Missen und jüdische Tat im Leben des einzelnen und der Gemeinschaft wird aufblüben auf dem.Boden der neuerkannten und neuerfüllten ewig alten Mahrheit. Es wird nicht an Gegensätzen fehlen, in den eigenen' Reihen nicht und nicht in den Reihen, die von anderer vorstellungsweise her sich zum Ideal ihres Judentums durchringen. Mögen auch Rämpfe kommen, Israel war immer einig in Herzensdingen, viel gegliedert in Sachen des Geistes! Israel rüstet {in diesen Tagen zur Feier des Lichtfestes. Uns ist Thanukkah eine heilige Erinnerung an ein.Allergrößtes: den Sieg der Idee über die Macht der Masse! Möchte Loch auch uns liberalen Juden der Heldenkampf der Makkabäer eine dauernde Mahnung sein daran, daß nur Begeisterung, Opfermut, unermüdliche Tat ein Ideal zum Siegle führen kann. Auch für uns gilt heute mehr denn je das Prophetenwort des Thanukkahfestes: „Nicht durch Heeresmacht, nicht durch Stärke, sondern durch meinen Geist, spricht der Herr der Heerscharen!" Frankfurt a. M. Am 27. Dezember fand bei Anwesenheit des Vorsitzenden der Vereinigung für das liberale Judentum in Deutschland, des Herrn Rechtsanwalt H. Stern, eine zahlreich besuchte Sitzung des Vorstands und Ausschusses des freisinnigen Vereins .für jüdisches Gemeindeleben statt. Nachdem der Vorsitzende, Rechtsanwalt Dr. Rud. Geiger einen Bericht über das Ergebnis der GenMndewahlen in Frankfurt erstattet und den Vorsitzenden der Vereinigung begrüßt hatte, ergriff dieser selbst das Mort zu längeren programmatischen Ausführungen über Lne Aufgaben und Aussichten des liberalen Judentums. Er fordert eine rege Propagandatätigkeit, eine Heranziehung der Lauen und Indifferenten zu positiver jüdisch-religiösen Betätigung. Er betont die Notwendigkeit einer Stellungnahme zu den großen jüdischen Fragen der Gegenwart. Die Gemeindepolitik, die Organisation der Deutschen Juden, die Frage jüdischer Schulen, die großen internationalen jüdischen Probleme, Ostjudenftage, jüdische Manderungs- und Siedlungsfragen, der Aufbau Palästinas — alle diese neuen großen Aufgaben und Ziele, denen das heiße Interesse der jüdischen Gegenwart gilt, müßten in den Rreis der Interessen auch des liberalen Judentums gezogen und es müsse Stellung zu ihnen' genommen werden, vor allem sei es die Jugend, die eine Antwort des liberalen Judentums auf alle diese Fragen verlange. Diese in den liberalen Jugendvereinen zusammengefchlossene Jugend mit ihrer Initiative und Tatkraft, mit ihrem neu erwachenden religiösen Sehnen und verlangen, mit ihren jüdischen Herzen und jüdischem Selbstbewußtsein, sei die leuchtende Zukunftshoffnung unserer Bewegung. Ueberall, wo bberale vereine und Ortsgruppen bestehen, solche liberale Jugendvereine zu schaffen, anzukämpfen mit