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Liberales Judentum · 1920-09-01 · Heft 9-10 (September 1920) · p. Seite 79

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Journal
Liberales Judentum
Volume
12 (1920)
Issue
Heft 9-10 (September 1920)
Date
1920-09-01
Page
Seite 79 (sequence 15)
Language
German
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79 Professor Dt Gotthard Deutsch-Cincinnatt: Aus Urgroßvaters Tagen neueste Zeit bestanden hat und offenbar von Bewunderern des Rabbi fundiert war. Der Ruf des Wundertäters zieht Studenten an, und Salman Wolf wird zu ihm auf die Jeschibah geschickt. Der junge Mann, kaum mehr als zwanzig Jahre alt, wird verlobt und der Vater bereitet ihn auf seine ehelichen pflichten vor, indem er mit ihm den Traktat Niddah, der die Reinigungsgesetze der Frauen enthält, studiert. Das bloße verstehen des Textes. ist nicht genug, wenn der Student als Gelehrter gilt, muß er irgendwo im Text eine Schwierigkeit entdecken, eine „Kaschje fragen" können, vertrauensvoll wendet er sich an den Jugendlehrer, der inzwischen die hohe Stellung eines Rabbiners in Austerlitz erlangt hat, um Hilfe. Gleichzeitig hat er noch einen weiteren Ehrgeiz. Er möchte zu der bevorstehenden Hochzeit eine „Deraschah" und den ^,Lhower" - Titel von dem Landrabbiner erhalten. Nach der Maria-Theresianischen „General-polizev-prozeß- und Korn» merzial-Grdizung für die Iudenschaft in dem Marggraftum Mähren vom Jahre *75<*" stehet zwar dem Land-Rabbiner oder dessen Substitute privative zu, die unter dem Judentum gewöhnliche Namen und Titel, deren Reb") oder doppelten Reb 58) ausjuteUen". Diese würden bestanden noch vor etwa vierzig Jahren in Nikolsburg, wer sich der Aus'eichnung ' des Lhower - Titels nicht erfreute, wurde als Rabbi Iizchok Berabbi Awrohom znr Thorah gerufen; wer die Auszeichnung besaß, hieß Hechower Rabbi Iizchok. Nur ausnahmsweise wurde unverheirateten Leuten der Lhower-Titel verliehen;") hingegen besaßen ihn in der Regel die verheirateten Männer, die ihn anläßlich ihrer Verheiratung erhielten. Eine Rusine Meines Vaters, die etwa *8^0 geheiratet haben dürfte, erzählte mir, wie man sie, als sie verlobt war, mit den Worten beglückwünschte: „Dein Lassen > heißt Reb Schafe". Sehr geläufig war das sozialistisch angehauchte Sprichwort: „Mein Taäte hat ka Lhower. warum? Weil er Hot ka Geld." Salman Wolf starb übrigens als glücklicher Besitzer des Morenu - Titels, wie sein Grabstein beweist, wie er zu der M) Chower. . es) Morenu. '.. ■ ") Jonathan Ey'beschütz's Brief an Moses Mendelssohn in Kerem Ehemed, III, 225. Ehre eines „doppelten Reb" gekommen ist, weiß ich allerdings nicht, von seinen Urenkeln besitzt ihn außer mir keinerwie auch außer mir kaum einer von ihnen inr Stande sein dürste, die hinterlafseNen Dokumente des Ahnen zu lesen. Lbxnsowenig würde einer von ihnen einen Brief an die Eltern seiner Braut so schreiben, wie ihn Salman Wolf sicherlich in dem Bewußtsein ein stilistisches Meisterwerk geschaffen zu haben, am „Sonntag, den 2\. Menachem 537" (2$. August *777) schrieb. Er lautet in einer Uebersetzung, die leidev niemand, der nicht das wunderbare Talent eines Seligmann Heller besitzt, dem Originale anpassen kann. „An den tapferen Mann, den tatenreichen, dessen Worte ein Ergötzen sind wie der flüssige Honig, die er zu gießen und zu kneten versteht mit Gleichnissen aller Art. Er ist würdig aller Arten des Lobes. Seine Rede ist geläutert in öffentlicher Versammlung. Seine Taten sind Wohltätigkeit unds gute Werke, wenn die Stimme der Engeil erschallt Ln Ramah, möge es ihm beschert sein nach Zion zu wallen an den drei Festen. Mein geliebter „Mechuttan",") der mein Schwiegervater werden soll, der vortreffliche Rabbli,' Israels geistiger Führer und Rabbiner in (ßavat,61) der geehrte Rabbi Itzik, möge fein Licht strahlen wie das glänzende Licht und wie die selbstleuchtende Lampe^) und an seine Gattin, die bescheidenste und frömmste der Frauen, gesegnet sei sie unter den Frauen des 'Zeltes,«9) meine „Mechutteneth"«*) Frau Sorl, möge sie leben". Der Brief enthält nichts, was auf die Verhältnisse der Zeit ein Licht werfen könnte. Interessanter als Rulturbild, der Zeit ist ein Brief, den Salman Wolf an feine Braut gleichzeitig mit einen: an deren Eltern abgeschickten Briefe schreibt, und der vom Ausaange des Sabbat in den Zwischentagen des SuKoth-Festes, 538 (*8. Oktober *777) datiert ist. Der Brief, im Stile jener Zeit mit starker. Beimischung hebräischer. Phrasen geschrieben, soll mit Ausnahme der Adresse, die ganz : 60) Bezeichnet eine entfernte Verwandtschaft durch Verschwägerung. 6l) Ein mährisches Städtchen. . , «*) Anspielung auf eine talmud'sche Mrafe. s8) Anspielung auf Richter, V, 24. 88) Feminin von Mechuttcm.

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