Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 12 (1920)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1920)
- Date
- 1920-09-01
- Page
- Seite 77 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Professor Dr. Gotthard Deulsch-Cineinnaü: Aus Urgroßvaters Tagen 77 stoß, daß einer ihrer Führer, Markus (eigentlich Maier) Lehmann seinen Sohn Ascher Gskar (anlehnend an die deutsch-jüdische Ausisprache „Äscher") und seine Tochter Jentle, sogar ohne jede Rücksicht auf sprachlichen Anklang, Emma nannte, hingegen metamorphosierte sich ein anderer Sohn, der am (9- September (865 geborene, am Dezember verstorbene, Jonas, nach seinem Urgroßvater Ionah Bondi genannt, zuerst in einen Ion., und nach und, nach mit Weglassung des kritischen, diakritischen Punktes in einen Ion Lehmann. Der Urgroßvater, Rabbi Ionah, Schüler von Lzechiel Landau und Schwiegersohn des Mainzer Rabbiners Herz Scheuer, sowie des Letzteren Vater, Tebele, Rabbiner von Bamberg und Mainz, hatten ein solches Zivilisattonsbedürfnis ebensowenig als den Wunsch, deutsche Schriftsteller zu werden, gekannt. Somit sehen wir in diesen kleinen Zügen eine Illustratton zur modernen jüdischen Geschichte, ein Bild des Gegensatzes zwischen Urgroßvater und Urenkel. — 1 Zunächst etwas über Salme Wolfs Abdämmung. Der Familienname Deutsch, der chon bei seinem Großvater, dem Landesiltesten Josef Deutsch vorkommt, scheint auf Deutschland als Ursprungsland der Familie t^nzuweisen. Im dreißigjährigen Kriege sind vielfach Verschiebungen der jüdischen Bevölkerung vorgekommen, und in Wien finden wir am Ende des V?. Jahrhunderts die aus Worms stammenden Familien Dppenheimer und Wertheimer, ebenso wie die von dort stammende Rabbinerfamilie Bacharach. Josef Deutsch starb am (5. April (723, und wurde von seinem Schwiegervater, dem früheren Kanitzer, späteren wiener Rabbiner, Jakob Eliezer Brunschwig überlebt. Lin anderer Schwiegersohn des Jakob Lliefer war Msrdechai Rempner, der in den damals das europäische Rabbinat so erregenden Streit zwischen Jonathan Eybeschütz und Jakob Lmden eingegriffen hat.") Endlich getört der Familie ein weiterer 'Schwiegersohn, vetschlik aus Wannefried an, dessen Sohn ßeremias ebenfalls in dem Streite zwischen i Ernten und Eybeschütz erscheint.") Lin <9 Mübauer in: Monatsschrift, 1887, 280. der den Namen Mordechai Kempner, Schwiegersohn des R Eliezer Kunz statt Eliezer aus Kunitz (die indische . Schreibung für Kanitz) gelesen hat. ") Luchoth Eduth, Altona, 1755, S. 29, a. anderer Zweig der Familie, repräsenttert durch Moses Runitzer (gestorben am 2. Februar (837), war einer der wenigen Rabbinen des alten Schlages, die die Reformen im Hamburger Tempel guthießen.") Lr bediente sich dabei der Kriegslist, als Apologet der Kabbala aufzutreten, um die Widersprüche zwischen Mystizismus und Rabbinismus auf zudecken und so die Orthodoxen vor das Dilemma zu stellen, zwischen zwei Autoritäten, von denen sie keine aufgeben konnten, zu wählen. Sein Zeitgenosse und Vetter, unser Salman Wolf, kannte diese Probleme nicht. Lr lebte in. dem naiven Glauben, daß das Juden-- tum eine absolute Einheit sei, von dem höchstens der Line oder Andere individuell aus Unverstand abgewichen fein mochte. Seine Ambition ist es jedenfalls nicht gewesen eine neue Bewegung im Judentum einzuleiten. Anfangs Kislew 538 (etwa Dezember (777) schreibt er an Elias pirsch Istels, Rabbiner in Austerlitz««) in dem herkömmlichen schwülstigen Sttle der Zett, daß sein Hochzeitstag herannahte und er gerne, wie es gebrauch- Uch war, mtt einer Diskussion eines rabbinischen Themas hervortreten würde. Dazu gehört zunächst eine Text-Schwierigkeit, zu der man eine Lösung finden muß. Ganz nebenbei erbittet er sich die Verwendung des durch landsmannschaftliche oder verwandtschaftlich Beziehungen ihm verbundenen Rabbiners, bei dem Landesrabbiner, der damals gerade m Austerlitz weilte, damit er zur Hochzeit den Titel eines „Thaber" erhalte. Der Brief, der nur im Originale vollständig den Zettunterschied uns begreiflich machn könnte, ist interessant. Er beginnt mtt einer langen Adresse in gereimter Prosa nach dem Muster der mittelalterlichen Synagogal-Poesie, die damals als klassisch galt: „Fülle des Heils wie.Tau und Regenschauer, zu Tausenden und Myriaden meinem geliebten Lehrer und Meister, dem gefeierten, gelehrten, wett- ") Nogah Zedek, Dessau 1818, S. 27. Moses Kunitzer war, wie er in der Vorrede zu seinem Ben Jochai, Wien, 1815, angibt, ein Enkel, des Chananel und daher ein Urenkel des Jakob Eliezer. Jew. Ene. II, 318. Der Familienname, damals noch nicht gesetzlich sestgelegtwird nicht gebraucht. Aus dem Titelblatte eures Werkes, das Ich besitze, findet sich die Unterschrift in deutsche» Lettern: Elias Hirsch! Kanitz. - -