Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 2 (1852)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1852)
- Date
- 1852-01-01
- Page
- – (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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Heine's hebräische Melodieen. 23 Dieser nun, Schlemihl I., Ist der Ahnherr des Geschlechtes Derer von Schlemihl. Wir stammen Von Schlemihl ben Juri Schadday. Freilich keine Heldenthaten Meldet man von ihm, wir kennen Nur den Namen, und wir wissen Daß er ein Schlemihl gewesen. Doch geschähet wird ein Stammbaum Nicht ob seinen guten Früchten, Sondern nur ob seinem Alter — Drei Jahrtausend zählt der unsre! Jahre kommen und vergehen — Drei Jahrtausende verflossen. Seit gestorben unser Ahnherr, Herr Schlemihl ben Zur! Schadday. Längst ist auch der PinhaS tobt — Doch sein Speer hat fich erhalten, Und wir hören ihn beständig Ueber unsre Häupter schwirren. Und die besten Herzen trifft er — Wie Jehuda ben Halevy, Traf er Moses Iben Esra Und er traf auch den Gabirol — Den Gabirol, diesen treuen Gottgeweihten Minnesänger, Diese fromme Nachtigall, Deren Rose Gott gewesen — Diese Nachtigall, die zärtlich Ihre Liebeslieder sang In der Dunkelheit der gothisch Mittelalterlichen Nacht! Unerschrocken, unbekümmert Ob den Fratzen und Gespenstern, Ob dem Wust von Tod und Wahnsinn, Die gespuckt in jener Nacht — Sie, die Nachtigall, ste dachte Nur an ihren göttlich Liebsten, Dem sie ihre Liebe schluchzte, Den ihr Lobgesang verherrlicht! — Herrlich erzählt ist dann die Sage vom Tode Gabirol's, wie zu Corduba neben dem, schon zu dreißig Jahren weit berühmten Sänger ein Mohr gewohnt, gleichfalls ein Versemacher dem vor Neiv die Galle schwoll über des Dichters Ruhm, dessen süße Lieder Jenem zu bitterer Mermuth wurden. Da verlockte er den Verhaßten nächtlich in sein Haus, tödtete ihn und vergrub ihn hinter dem Hause im Garten. Aber, siehe da! aus demselben Boden, wo der Dichter verscharrt wurde, wuchs ein Feigenbaum empor von der wunderbarsten Schönheit. Seine Früchte waren von seltsam würzig und wer davon genoß, versank in ein träumerisch Entzücken. Der Chalif vernahm's, ließ nachforschen, und unter den Wurzeln des Wunderbaumes fand man die Leiche des vielbetrauerten Sängers. — Haben wir in den bisherigen Romanzen, des Dichters sinnige