Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 2 (1852)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1852)
- Date
- 1852-01-01
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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22 Bücherschau. Seufzer war Jerusalem! — — Eine alte Sage meldet, Jener Sarazene sei müsse, sie weinen, und man am neunten Abh dicke Tropfen aus den Steinen stkern sehe, die gebrochenen Tempelsäulen wehklagen höre! Dichtersehnsucht, ahnend, träumend, erwachte da in seiner jungen Brust, bis er, sie das ganze Leben treu in sich bergend, im Alter erst die große Wallfahrt antrat, zu den Füßen seiner Liebsten, in dem berühmten Zionsliede, den letzten Gesang ausseuszte> und sein sterbend Haupt ruhte auf den Knieen Jerusalems — Also saß er und er sang, > In die Brust des armen Sängers Wie ein Seher aus der Vorzeit > Stieß er diesen Todesspeer, Anzuschaun — dem Grab entstiegen! Und er jagte rasch von dannen, Schien Jeremias, der Alte — 1 Wie ein Schattenbild beflügelt. Das Gevögel der Ruinen! Ruhig floß , das Blut des Rabbi, Zähmte schier der wilde Schmerzlaut > Ruhig seinen Sang zu Ende Des Gesanges, und die Geier j Sang er, und sein sterbeletzter Nahten horchend, fast mitleidig — Doch ein frecher Sarazene Kam desselben Wegs geritten. Hoch zu Roß, im Bug sich wiegend Gar kein böser Mensch gewesen, Und die blanke Lanze schwingend — i Sondern ein verkappter Engel, Der vom Himmel ward gesendet, Gottes Liebling zu entrücken Dieser Erde, und zu fördern OHne Qual ins Reich der Sel'gen. Möge auch dem Sänger dieser Romanzen das Scheiden von der Erde einst leicht werden, ihm, der in diesen Liedern die unzerstörbare Weihe, welche auch der irrenden Dichterseele noch eigen ist, so schön beurkundet! — In der vorletzten Romanze (IV) bietet der Dichter Schilderungen aus dem Leben anderer jüdisch-spanischen Dichter, namentlich Moses ben Esra's und Salomo Gabirol's. Er schildert ihr Geschick im Liede, ihr Mißgeschick im Leben. Hieß bringt ihn auf das „Schlemihlthum" der Dichter überhaupt, und mit übersprudelnder Laune gibt er uns die Deutung des Namens Schlehmil, die bekannte Sage des Talmuds *) dahin variirend, daß P i n h a s den S i m r i treffen wollte und einen ganz unschuldigen traf, den Schlemihl ben Zuri Schaddai. ») SsQQväriu 82,2.