Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 2 (1852)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1852)
- Date
- 1852-01-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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8 Die Religion desmenschen, ohneReligion, erziehet — ungerüstet und wehrlos gebt ihr sie dem Unglauben und der Sittenlosenkeit Preis, die verheerend das Land durchziehen. Und täuschet euch ja nicht, daß ihr, den Unglauben in eueren Häusern auffütternd, der Aufklärung einen Dienst erweiset, der Herrschaft der Vernunft unter den Menschen neue Stutzen gewährt! Thoren sind's, die Solches wähnen, in Wahrheit Feinde der Aufklärung und der menschlichen Wohlfahrt, die Solches üben! Denn die Religion, ein tiefes, unveräußerliches Bedürfniß unseres Geschlechtes, die angewiesen ist, auf Erden zu verweilen und bei den Menschen ihre Nahrung zu finden, ihr werdet sie, wenn ihr derselben die edlere Kost an euerem Tische versaget, nur veranlassen, ihre Nahrung in der Wildniß der Unvernunft zu suchen, im Köhlerhause des lauernden Dunkelglaubens, der mit höhnischer Freude sieht, wie ihr die Religion schnöde abweiset und die Heimathlos irrende verzweifelt in seine finstere Behausung drängt. — Sehet euch nur um in der gegenwärtigen Menschheit! Da die Aufklärung sich bis zur Verdüftelung alles Glaubens, oder zur achselzuckenden Gleichgültigkeit gegen alle Religion gesteigert hat, so haben die Finsterlinge das wohl benutzt, um das gottbedürftige Volk in ihre Fanggarne zu locken und ihm mit der Religion die alten Vorurtheile wieder in den Kauf zu geben. Irreligiosität führt in der Menschheit immer zu irrender Religiösttät; Unglauben führt zum Aberglauben. — Und ebenso auf der anderen Seite, wenn ihr euere Kinder zu Religionsschwärmern erziehet, ohne Vernunft, dann setzt ihr sie, wenn ihnen einst die Augen aufgehen, nackt und unbewaffnet den Angriffen des Zweifels und des Spottes aus, und der Gedanke, „was für unvernünftige Dinge hat mir mein Vater als Religion eingeprägt!" hat schon gar manches Kind strenggläubiger Eltern zur Abwerfung aller Religion verleitet. Sehet euch um im gegenwärtigen Israel! Was hat den großen Riß in unserer Mitte hervorgebracht? Das Stemmen gegen die Anforderungen der Vernunft! die Starrheit, die sich nicht bog, bis es brach! Sehet euch um in den Gemeinden, in den Familien! Nur Wenigen ist es gelungen, die Starrgläubigkeit auf die Jugend zu verpflanzen; und aus den Häusern der glühend-