Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 2 (1852)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1852)
- Date
- 1852-01-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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6 Die Religion hast, wie zündet in deinem Herzen gleich Feuer vom Himmel der Gedanke: das hat Gott gethan! wie durchglüht's dein Gemüth mit beglückender Dankbarkeit, „daßHerzund Fleisch lobsingen dem lebendigen Gott!" — Und wie mancher Mensch, von Natur kälteren Bluts, nur sich lebend, von den Regungen des Mitleids weniger bewegt, würde in noch eisigere Kälte verfallen, wenn nicht die Religion sein kaltes Herz berührte , ihm die Menschenpflicht als Gottes Gebot auferlegte, daß er wohlthue Andern, wenn's ihm auch Anfangs selbst wehe thut, bis die Freude am Guten auch die verschlossene Natur aufthaue! Das bewirkt die Religion! Sind wir ihr nicht Dank schuldig? stiftet sie nicht Heil, indem sie das Menschen- Herz erwärmt? indem sie die sanfteren Regungen desselben nährt und weckt? indem sie die Härten desselben erweicht, die wilden Ausbrüche zurückdrängt? indem sie veredelnd und erziehend auf den Menschen, auf die Menschheit einwirkt? — Ja, das bewirkt die Religion, die reine, klare Gottesreligion, wie sie, der Sonne gleich, vom Himmel aus die Erde erleuchtet, das Herz erwärmt, die Menschen in Liebe verbindet!— Was aber zu dieser lauteren Lehre aus Gott die Menschen hinzugethan haben, das verhält sich wie dumpfe Aimmerwärme, die uns von der Außenwelt abschließt, zu der . erweckenden Sonnenglnth, welche Alles mit den Banden des Lichtes umschlingt. Gottes Lehre verbindet, Menschensatzung trennt. Wie oft wird unter den Menschen die Liebe nach dem Glauben bemessen! Wie oft wird der Hilfesuchende abgewiesen, weil er in anderer Weise zu Gott betet! Ja, in der Mitte einer und derselben WaubenM oft macht der eWerzige Sinn bei den Wohlthaten, die geübt werden, zwischen denen, welche alle religiösen Gebräuche strenge ausüben, und denen, welche in der Dürftigkeit den Much einer freien Ueberzeugung bewahrt haben, einen das reinmenschliche Gefühl tiefverletzenden Unterschied! Diese dürfen verkümmern, Jene müssen doppelt unterstützt werden! S o macht der Mensch sich zum Richter der Gewissen an Gottes Statt — was sage ich: an Gottes Statt? nein! in Widerspruch mit Gott, der seine Sonne scheinen