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Der junge Jude · 1930-11-01 · Heft 6 (November 1930) · page 27

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Journal
Der junge Jude
Volume
3 (1930)
Issue
Heft 6 (November 1930)
Date
1930-11-01
Page
– (sequence 27)
Language
German
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Brunnen diskutierte, als wir den ersten Brunnen noch nicht hatten. Und viele, uns anfangs selbst unvernünftig scheinenden Pläne fanden bald ihre Verwirklichung. Im Laufe von anderthalb Jahren stieg die Zahl unserer Chawerim von 30 bis auf 160. Von Deutschland kamen die Alijahkibuzim Beth und Gimmel ,zu uns, deren Einordnung keine deichte war, da diese Gruppen sich erst im leiteten Augenblick vor ihrer Alij ah als Kibuzim konstituiert hatten, und so faktisch Momente 'der gemeinsamen Vergangenheit und der daraus entstandenen Beziehungen und nicht zuletzt auch gewisse Erfahrungen des gemeinschaftlichen Lebens nicht zur Auswirkung kamen. Weiterhin nahmen wir von Deutschland den Kibuz AI Hamischmar auf, der leider durch die Beschränkung der Zertifikate nicht in seiner ganzen Stärke zu uns kommen konnte, sodaß dieser Kibuz, der ein in vieler Hinsicht einheitlicher und in sich geschlossener war, auseinandergerissen wurde. Auch für uns ergaben sich hieraus bestimmte Folgen. Die Perspektiven unserer Wirtschaft erforderten damals die Aufnahme einer solch großen Menschenzahl, wie sie im Kibuz AI Hamischmar ursprünglich vorhanden war. Wir haben dann viele Arbeitsmöglichkeiten dadurch eingebüßt, daß eben nur eine beschränkte Zahl Menschen, ungefähr 15 Chawerim und Chaweroth, zu uns kamen, und zudem deren Alijah sich um einige Monate verzögerte. — Ein weiterer beträchtlicher Teil unserer Chawerim kam aus Litauen zu uns. Giwath Brenner ist heute nicht nur Konzentrationspunkt für die deutsche Alijah, sondern auch die Alijah au« Litauen wird in besonderem Maße dorthin geleitet. Und endlich ist noch die Alijah aus dem Lande selbst, sowie aus den verschiedensten Ländern zu erwähnen, die uns auch einen nicht unbeträchtlichen Teil unserer Chawerim brachte. Die Zusammensetzung ist heute ungefähr folgendermaßen: 80 Chawerim aus Deutschland, 40 Chawerim aus Litauen, und der Rest setzt sich aus palästinensischer Jugend, Russen, Polen, Italienern, Amerikanern. Tschechen u. a. zusammen. Die Entwicklung unserer Wirtschaft, die bald von der Hilfswirtschaft zu selbständigen Anfängen einer groß angelegten und viel verzweigten Hauptwirtschaft führte, durchlief diesen Weg in märchenhafter Schnelligkeit. Der Gedanke, der zuerst grundlegend unsere Handlungen leitete, ging davon aus, daß wir in unserer Lebenshaltung nicht auf den Ankauf von außen angewiesen sein wollten. Dieses führte zur Anlage des Gartens, der uns Gemüse lieferte, — zur Haltung der ersten Kuh, die uns zumindest ein Minimum von frischer Milch täglich sicherte. Aus der gleichen Sorge heraus gründeten wir unsere Bäckerei, sodaß wir fürder nicht mehr so sehr unter Brotmangel zu leiden hatten. Ein Hühnerstall mit 400 Hühnern wurde gebaut, der uns ständig Eier lieferte, die wir isonst nur für bares Geld kaufen konnten. Der Uebergang zum Meschek ergab sich allmählich aus der Entwicklung. Nach und nach wurde das Hauptgewicht auf den Verkauf der Produkte und die Rentabilität der verschiedenen Wirtschaftszweige gelegt. Die Deckung des eigenen Bedarfes wurde zwar durchgeführt, aber vom wirtschaftlichen Standpunkt aus war ihr mehr die Rolle eines Regulators zuzumessen. Es gelang uns, 1150 Dunam, die an die bewohnten 200 Dunam angrenzten, vom K. K. L. zu erwerben und wenn wir auch noch keine Gelder von Keren-Hajessod. bekamen, so war es uns allen klar, — und wir sahen darin neben der wirtschaftlichen Bedeutung für uns gleichsam eine nationale Aufgabe, daß kein Dunam jüdischen Bodens ungenutzt und brach liegen zu lassen sei. Die brennendste Frage bildete der Wassermangel. Der benachbarte Pardeß lieferte uns zwar seinen Ueberfluß an Wasser, aber dieser reichte bei weitem nicht aus. Unter vieler Mühe, oft nur indem wir des Nachts bewässerten, gelang es uns trotzdem, den Garten in einem Umfange von ca. 30 Dunam zu bearbeiten, ferner eine Baumisehule für Orangen und Nadelhölzer, sowie neuerdings eine Obstbaumschule zu schaffen. Die weitaus größte Bedeutung für die Entwicklung der Wirtschaft liegt in der Pflanzung des 40 Dunam großen Pardeß. Die Mittel hierfür wie auch für alle anderen Aktionen wurden uns durch Anleihen zur Verfügung ge- 201

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