Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 3 (1930)
- Issue
- Heft 6 (November 1930)
- Date
- 1930-11-01
- Page
- – (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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«teilt. — Der erfolgte Bau der beiden ersten Häuser, die Herstellung der Ziegelsteine, sowie die Fabrikation von ca. 600 m Zementrohren, die zur Anlage der „kalifornischen44 Bewässerung im Pardeß dienten, brauchten große Wassermengen. Die Erschließung unseres ersten Brunnens vor ungefähr 4 Wochen* der mit elektrischem Strom von Rutenberg betrieben wird, hat nicht nur dieser müheseligen Arbeit ein Ende gemacht, sondern hat uns auch endlich die Möglichkeit gegeben, einen weiteren Teil unseres Bodens intensiver Bewirtschaftung zuzuführen. In den letzten Monaten ist es uns gelungen, 7 Rassenmilchkübe zu erwerben, sodaß heute schon 10 Kühe in unserem Stalle stehen. Die Tiere sind einstweilen noch m einem großen Stall untergebracht, in dem auch unsere 6 Pferde stehen. Wenn demnächst der Bau unserer neuen Bäckerei zu Ende geführt sein wird, beginnen wir mit der Errichtung unseres Kunstalles. — In kurzer Zeit werden wir schon den ersten Schnitt vom Klee und der Esparsette nehmen können, die unter Bewässerung gezogen wird. Von größter Bedeutung für uns war der Kauf eines Traktors, ein „Kletrae" Raupenschlepper von 28 PS Motorstärke. Tag und Nacht lief der Traktor, Furche auf Furche schleppte er den Pflug über die weite Flur. Und langsam wuchs der braune Streifen von einem Ende des Landes her und fraß jeden Tag einen neuen Streifen des grauen und grünen Landes und fügte ein braunes Stück zur immer größer werdenden Fläche. Und nun endlich ist fast der ganze Boden umgeworfen und harrt der Bestellung. Der Boden darf natürlich nicht ungenutzt liegen bleiben, und bis er nicht intensiv bepflanzt sein wird, werden wir die weiten Flächen mit Getreide bebauen. Dieses Jahr bereiten wir ca 500 Dunam für Winitergetreide vor und im Frühjahr beabsichtigen wir, 600 Dunam Sommergetreide auszusäen. — Wir haben für unseren eigenen Gebrauch einen 5 Dunam großen Weinberg — nur Tafeltrauben — angelegt und in diesen Tagen werden weitere 5 Dunam gepflanzt. Auch den Anfang zu einem Wald haben wir gelegt, der hoffentlich später einmal sehr groß sein wird. Diesen Wald nannten wir den „Jaar Cheruth Auch die verschiedenen Handwerke sind vertreten. Wir haben sieben Tischler, die zum Teil in unserer eigenen Tischlerei arbeiten. Wir haben sogar schon Möbel auf Bestellung für Tel Aviv angefertigt. Wir wollen diesen Zweig ausbauen und eine mechanische Tischlerei einrichten. — In der Schusterei sind 3 Menschen beschäftigt und alles Schuhwerk, das bei uns getragen wird, ist schon eigenes Erzeugnis. Auch Schlosserei und Klempnerei sind bei uns vertreten. Wenngleich sie auch heute nur für den eigenen Bedarf arbeiten, so sind doch Feldschmiede, Bohrmaschinen u. a. auch hier der Anfang zu Ausbau und Verselbständigung dieser Wirtschaftszweige. In der Zeit vor unserer Einordnung im Lande sprach ein Chawer den Gedanken aus, daß eine eigene Siedlung besonderen Anreiz für den Bund in der Galuth habe und auch als Aufnahmereservoir dienen könne. Wir haben uns inzwischen davon überzeugt, daß alle die Möglichkeiten, die zu einer engen Verbindung zwischen Bund und seinen Chaluzim im Lande bestehen können, sowie ganz besonders die Fähigkeit, die Chaluzim des Bundes zu konzentrieren, — und das ist ja auch eine wirtschaftliche Frage, — gerade und nur innerhalb eines solchen Rahmens zu verwirklichen sind, wie er uns im Kibuz Hameuchad gegeben ist. Wenn bisher die Verbindung mit Deutschland nicht immer eine so starke gewesen ist, wie es wünschenswert schien, so sind die Gründe hierfür bestimmt nicht in den objektiven Gegebenheiten zu suchen, sondern ganz einfach die Folge menschlicher Unzulänglichkeit. Und doch kann Giwath Brenner von nicht zu ermessender Bedeutung für unsere Bewegung sein. Der wirtschaftliche Zustand der Plugah ermöglicht es, die nächsten Alijah aus dem Bunde aufzunehmen. Darüber hinaus — und das ist ihre größte Bedeutung — zeigt Giwath Brenner der Bewegung in Deutschland den Weg — vom Bund in der Golah zum jüdischen Arbeiterwerk und zur jüdischen Arbeiterbewegung in Erez Israel. Erfurt, Oktober 1930. 202