Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 3 (1930)
- Issue
- Heft 6 (November 1930)
- Date
- 1930-11-01
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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Zusammenschluß des Kibuz Cheruth mit der in der Nähe von Rechowoth lebenden Plugah des Kibuz Hameuchad. Der Wille zum großen Kibuz, isowie die Erkenntnis von der Wichtigkeit einer Hilfswirtschaft beherrschte die Menschen der bestehenden Plugah. Nach Verlauf eines dreiviertel Jahres, in dem das Lager sich in der Mosehawah befand, zog man auf eigene Faust heraus und besetzte 200 Dunam Boden, die zwar dem K. K. L. gehörten, aber unbebaut und von Beduinen bewohnt waren. Schwer war der Kampf der Plugah, — entfernt vom Jischuw, — ohne Wasser, — Arbeitsunfähigkeit, — die Menschen von der schweren Zeit alle entkräftet. — Und doch dieser zähe. Wille, der sie sich in den Boden einkrallen ließ, dieses Nicht-weichen und nicht aufgeben wollen. — Nach einem Vierteljahr kamen dann die ersten Menschen des Kibuz Cheruth. Die Begegnung der beiden Gruppen entsprach auf beiden Seiten einem tiefen Bedürfnis. Hier wie da stärkstes Getricihtetsein auf den Andern. Bei den einen, weil man geschwächt war — man lebte in der tiefen Angst um die Fortsetzung des Werkes, — bei den andern, weil «sie jahrelang vor grausam verschlossenen Toren gestanden hatten, begierig, ihre jungen Kräfte dem Lande zu vermählen. Solche Freude des Zusammenschlusses mußte von vornherein einen günstigen Boden für die (spätere Arbeit und das „sich ineinanderleben" der beiden Gruppen schaffen, ßie mußte eine fruchtbare Atmosphäre zeitigen, wenngleich auch Probleme und Schwierigkeiten der Einzelnen und der Gruppe im Laufe der Zeit, — in dem Maße beinahe, in dem man sich näher kam, — sich enthüllten. Wir gingen an die Arbeit. Beteiligung an allen Institutionen der Plugah, Anteilnahme an der Tarbutharbeit, Interesse und Sorge für Ausbau der (selbständigen Wirtschaft. Zwei unserer Menschen traten der Hanhalah (Leitung) bei, ein Chawer beteiligte sich am Sidur haawodaih (Arbeitsverteilung); auch in den Waad "haspaka.h (VeTsorgungsamlt) trat einer unserer Jungen ein und in den Waad hatarbuth (Kulturausischuß). Auch die Arbeit des Chazran (Hofmeister) wurde von uns übernommen, und hierdurch schuf isich besondere Verbindung zwischen uns und der Hilfswirtschaft. — Von Seiten der Plugah wurde alles aufgeboten, um uns einzuführen, Bei der Arbeit, nach der Arbeit, — wir waren bald mit allen Fragen bekannt und vertraut und auch die Sorgen lernten wir bald kennen und mittragen. Die hebräische Arbeit wurde unter großer Anstrengung von den Chawerim durchgeführt. Da wir damals noch keinen besonderen Lehrer besaßen, mußten einige Chawerim nach Beendigung der Arbeitszeit den hebräischen Unterricht erteilen. Gleich in der ersten Zeit, als wir in der Plugah waren, wurde im Kibuz der Beschluß gefaßt, auch dem Meschek Ejn Charod neue Menschen zuzuführen. Auch dort war ja die allgemeine Krise im Lande und anderes Schweres innerhalb des Kibuz nicht spurlos vorübergegangen. Und da man die neue Alijah nicht direkt in den Meschek leiten konnte, war es Aufgabe aller Plugoth und Meschakim des Kibuz, Menschen nach Ejn Charod abzugeben. In der Zeit, in der es so ungeheuer auf jeden Einzelnen in den verschiedenen Punkten des Kibuz ankam, in dieser Zeit wurden vier Menschen aus unserer Plugah herausgezogen, die in vieler Hinsicht für uns wichtig und von Bedeutung waren. Etwas schwer und fremd war sie uns damals, diese Wirklichkeit der gegenseitigen Hilfe, aber wir haben viel daraus gelernt. Auf dieser Tat der gegenseitigen Hilfe beruht der ganze Sinn und die oft unbegreifliche vitale Kraft der großen Gemeinschaft. Im ersten Jahr noch bestand für ums nur die Außenarbeit, die Arbeit in der Mosehawah. Die eigene Wirtschaft war klein und es genügte, nach der Arbeit einige Stunden dem kleinen Garten und der Baumschule zuzuwenden. — Doch wir waren nicht ruhig, wir dachten immer an die Zukunft, wir wollten ein großer Kibuz sein. Und wir wußten, daß dieser Gedanke ohne eigenen Boden und Wirtschaft nicht Verwirklichung finden werde. Rastlos waren die Bemühungen, alle Möglichkeiten wurden erwogen und so ernst war es uns um die Dinge, so sehr beschäftigten sie uns, daß man in einer Unterhaltung bei uns schon heftig über den zweiten 200