Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 3 (1930)
- Issue
- Heft 6 (November 1930)
- Date
- 1930-11-01
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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II. Die Reaktion kam durch die Pforte des Terrors, der sich bald auch gegen die Werktätigen, die Träger der Revolution, auf grausame Art auswirkte. T. war — neben Lenin — der Vater dieses Terrors. Im Sommer 1918 hat er — gegeto den Willen der Liniken Sozial-Revolutionäre — die erste „legale" Todesstrafe im Obersten Tribunal durchgesetzt. Mit dem Mittel dieser Todesstrafe ging er dann an den Ausbau der roten Armee. Aus ihrem Gefängnis heraus schrieb schon damals Maria Spiridonowa an Lenin1): „Eure Armee, das Verwaltungssystem Trotzki's, der die Todesstrafe nicht nur wie Kerenski an der Front eingeführt hat, sondern sie auch in (grauenhaftem Maße anwendet (was Kerenski noch nicht versucht hat) die alten Disziplinarstrafen bis zur körperlichen Züchtigung — was ist das alles, wenn nicht eine Zurückkehr zu der zaristischen Armee?" Nicht nur Sipiridonowa, auch die kommunistischen Mitarbeiter T. »klagten ihn — während des Bürgerkrieges — der Grausamkeit an. Der Kriegsrat der III. Armee machte im Oktober 1918 folgende Erklärung im Zentralkomitee: „Wir erheben kategorischen Protest igegen die äußerst leichtsinnige Beziehung von T. zu solchen Dingen wie Erschießung. Wenn er erfährt, daß in einem Regiment einige Offiziere zu den Weißen übergelaufen sind, verlangt er, daß man die Kommissäre des Regiments und der Division erschieße. Das haben wir selbstredend nicht gemacht. Dann müßte man aus demselben Grund auch eine Hälfte des Obersten Kriegsrates erschießen." (Der Text des Befehls von T. lautete folgendermaßen: „Aus der Permschen Division sind einige Offiziere übergelaufen. Ich verlangte die sofortige Verhaftung der Familien dieser Offiziere. Ebenso erwartete ich Antwort auf meine Anfrage, ob bereits die Kommissäre der Regimenter, die den Verrat der Kommandeure zugelassen haben, erschossen sind.") Wenn T. auf solche Weise kommunistische Kommissäre behandelt hat, ist es unschwer .zu erraten, wie er die Bauernmassen, die „Feldgrauen" behandeln mußte.2) Es ist charakteristisch, daß T. in seinem Buche die obigen Episoden gar nicht erwähnt. Er erwähnt nur eine ,n Fall (bei Swiaschsko, S. 451) von Erschießungen, der dazu geführt haben soll, daß Lenin ahm eine Blankovollmacht für die zukünftigen Erschießungen ausgestellt hat. T. rühmt sich dieses Vertrauens von Lenin «zu ihm; dias ändert aber nichts an der terroristischen Politik Trotzkrs. Ihren schärfsten Ausdruck fand sie im März 1921, während der Matrosenbewegung in Kronstadt. Bezeichnenderweise verschweigt T. diese tragische Episode der Revolution, 'die ein Wendepunkt geworden ist, ganz u n d g a r. Diese Bewegung trat im Namen der Oktoberrevolution, der ehrlichen Sowjetdemokratie auf, die während des Bürgerkrieges zerstampft worden ist. Gegen diese Bewegung kämpfte nun T. mit Verleumdung und Blut. Er (hat — gegen besseres Wissen — in die W'elt hinausposaunt, daß die Kronstädter Matrosen mit den Weißgardisten (General Karlowski) zusammen einen Aufstand gegen die Revolution erhoben hätten. Er hat sie daraufhin mit Feuer und Flamme niederkartätscht, er ließ später, nach dem „Sieg", Tausende von Matrosen durch die Tscheka erschießen. Aber vor ihrem Untergang schrieben die (revolutionären Matrosen in ihrem Organ: „Höre, Trotzki! Du kannst, solange du nicht vor dem Volksigericht stehst, ganze Haufen von Unschuldigen erschießen; die Wahrheit wirst du nicht erschießen können." Terror war für T, ein selbstverständliches Regierungsmittel. Nie hörte man von ihm, daß er irgend einen Gefangenen, selbst von den revolutionären Kreisen, aus dem Gefängnis oder vom Tode befreien ließ. Auch in *) „Offener Brief an das Z.-K. der bolschewistischen Partei." Moskau. 1919. 2) Mit brutaler Offenheit erklärt es auch T.: „Man kann nicht Menschenmassen in den Tod führen, 'Ohne im Arsenal des Kommandos die Todesstrafe >zu haben. Solange die auf die Technik stolzen, schwanzlosen Affen, die sich Menschen nennen, Armeen aufstellen und kämpfen, wird das Kommando dieser Armeen die Soldaten zwischen den wahrscheinlichen Tod vor und den unvermeidlichen Tod hinter der Front stellen müssen." (395) 192