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Der junge Jude · 1930-11-01 · Heft 6 (November 1930) · page 16

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der junge Jude
Volume
3 (1930)
Issue
Heft 6 (November 1930)
Date
1930-11-01
Page
– (sequence 16)
Language
German
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peratur hoch, er kani naß bis auf die Knochen und legte sich zu Bett... So war die erste Etappe des Kampfes; ehe er nach außen drang/4 (S. 483.) „In Sucthuni" — erzählt T. — „besudhte micfh eine Delegation des Zentral- Komitees, um mit mir die Veränderungen im Kriegskommissariat zu besprechen. Das war die reinste Komödie. Die Erneuerung des Personalbestandes war hinter meinem Rücken in vollem Gang." (S. 495.) Warum hat T. diese Komödie schwächlich mitgespielt? Oder — anders ausgedrückt — wie ist es dazu gekommen, daß Stalin auf seiner Seite die größere Kraft gesammelt und organisiert hat? T. versucht oftmals dieser Tatsache recht naive Erklärungen zu geben. Er erzählt, wie sich schon während des Bürgerkrieges um Stalin alle die von T. Verletzten sammelten. „Meine militärische Tätigkeit hat mir nicht wenig Feinde geschaffen. Ich stieß mit dem Ellbogen oder trat in der Hast auf die Hühneraugen. Es gibt Menschen, die das alles fest im Gedächtnis behalten. Die Unzufriedenen und Beleidigten fanden leicht den W<e;g zu Stalin." (S. 430.) Mag sein, aber warum hat nicht T. dann um sich die Ergebenen, die Zufriedenen zu einer Kraft gesammelt? Gibt er doch eine vernichtende Kritik der Person Stalins, des Mannes „mit den gelben Augen", des brutalen und gesinnungslosen Demagogen, den auch Lenin fürchtete und bekämpfte. Nun, warum hat T. nicht um sich die besseren Elemente der Partei organisiert, einer Partei, die die Welt erlösen will und ja unterscheiden mußte zwischen einem Stalin und einem T.? Soll die Ursache darin stecken, daß T. — im t u eaien tragisciien ZiLiaä, wie er es erklären will —gerade krank geworden ist? Aber eine Weltrevolution kann nicht an der Temperatur und sei es des größten Führers hängen. Und warum hat nicht T. selbst vom Krankenbett aus „'seine" ergebenen und revolutionären Parteikaders zum Kampf gegen Stulln auf.yeron.iert/ T. meint, daß er noch im Jahre 1923 „durch einen offenen Angriff die Kommandoposition erobern könnte '. „Ich zweifle nicht dairan, wäre ich am Vorabend des XII. Parteitages gegen den Stalinschen Bürokratismus aufgetreten, ich hätte auch ohne die direkte Beteiligung Lenins am Kampfe einen Sieg errungen/' (S. 465.) Warum hat es T. nicht gemacht? Weil „mein Hervortreten hätte verstanden werden können als der persönliche Kampf um Lenins Platz in der Partei und im Staate". Ist das eine würdige Ausrede für einen Revolutionär in einer kritischen Stunde? Genügt eine solche Ausrede, um die Partei und den Staat in die Hände des Todfeindes Stalin auszuliefern? Wir müssen die Ursache der Niederlage T. anderswo suchen. Die Ursache liegt in nichts anderem, als in der bolschewistischen Entartung der Partei, des Staates und der Revolution. An Stelle der Revolution der freiheitlichen Massen, die im eigenen Ringen ihr Schicksal schmieden, trat der verheerende Apparat der Bürokratie und Parteidiktatur. Der Apparat schließt sich vor den lebendigen Massen ab und verwandelt sich in den Spitzen zu einer Herrschaft von rivalisierenden Cliquen. Herrschaft strebt hier zu der Alleinherrschaft. In diesem Kampfe gewinnt jene Clique, die weniger Rücksichten kennt, die mehr Charakterfeste und Brutalität besitzt. Diese Vorteile gegenüber T. besaß aber in vollem Maße Stalin. Denn T. schreckte immer vor einen) lristoriorlu i; riuuü zurück. „Ich war immer der Meinung, daß ihnen die leninsche Unbeugsamkeit und Unnachgiebigkeit fehlt"1) — schrieb Joffe in seinem letzten Brief an T. Darum war T. schwächer als Stalin. Innerhalb einer Parteidiktatur ist Jeder Kampf (ebenso wie an den monarchischen Höfen ), immer nur ein „Kampf" der Apparate. Und der Apparat T.'s erwies sich als untauglich. Es herrschte bei T. nicht nur diese Charakterschwäche allein. Denn man könnte sich fragen: wenn T. wirklich im Vergleich zum Stalinschen Apparat so schwach war, warum ist er nicht aus der verhängnisvollen Enge der Apparate hinausgegangen, warum hat er nicht an ... das P r o 1 e t ar i at appelliert? Da wäre doch erst jener Platz geschaffen, auf dem sich die lebendigen sozialen Kräfte der Revolution gegen den Verrat Stalinswehren könnten! ') (S. 522.) 190

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