Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 3 (1930)
- Issue
- Heft 6 (November 1930)
- Date
- 1930-11-01
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Bestand des Judentums zu geben. Wir wissen, daß auch Hermann Gierson den Vers-udh, den Bestand des Judentums durch ein auf einer eigenen Wirtsdhaft und Kultur beruhendes Volksleben in Palästina zu sichern, bejaht. Es ist aber schmerzlich, zu sehen, daß er gerade der werdenden Gesellschaft in Palästina, die ja einen großen Teil dessen verwirklicht, was Hermann Gerson als (neue Gemeinschaft i>e2föichnet, nicht schon desttialb einen neuen besonderen Eang innerhalb der Zielsetzungen seines Bundes zugestehen will. Wir brauchen nicht zu sagen, daß wohl in keinem Teile der Wielt die Sehnsucht nach neuem Leben und der Wunsdll nach einer Erfüllung des Judentums so starlk sind, wie im werdenden jüdischen Palästina. Wenn das von Hermann Gerson zugegeben werden sollte, so ist er uns eine Antwort darauf schuldig, warum diese einzigartige Möglichkeit nicht im Mittelpunkt eines nach Ermeuerung^ strebenden Lebens stehen soll. Zwei Antworten sind denkbar. Die eine würde sich darauf gründen, daß der völlige Umbruch, der von jedem Menschen verlangt wird, der den Weg nach Palästina gehen will, zu schwer ist. Vor dieser Antwort müßten wir uns beugen. Die andere Antwort könnte dahingehen, daß der Weg nach Palästina kein Ausweg aus der spezifischen deutsch-jüdischen Situation ist, in der die „Kameraden" stehen, daß eine Entscheidung nur für das jüdische Volk einen so großen Teil der geistigen Persönlichkeit deutsch-jüdischer Menschen brachlegen würde, daß der Rest für ein „richtiges Leben" (nicht mehr ausreichen würde. Wir sind uns der Sdhwere dieses Einwandes voll bewußt. Wir glauben aber, daß derjenige, der ihn erhebt, und der doch gleichzeitig ein Leben in neuer Gemeinschaft erstrebt, jüdisch ewig uneiiöst bleiben muß. Das entleerte jüdische Leben der Galuth kann nicht der Ort einer fruchtbaren neuen Menschlidhkeit werden, einfach deshalb, weil die Juden der Galuth in ihren wesentlichsten Beziehungen außerhalb der jüdischen Sphäre leben. Ueher diesen inneren Widerspruch hilft keine „Haltung" und audh feine noch so starke Sehnsucht nach neuem Leben hinweg. Wir glauben, daß, wenn jemand vor sich seihst Rechenschaft ablegt, er an diesen Fragen nicht vorbei kann. J. STEINBERG: TROTZKPS KAMPF GEGEN SICH SELBST.1) i. Jetzt, wo die Sensation über die Verbannung Trotzki's nach dem Auslande und über sein autobiographisches Buch fast verschwunden ist, ist es an der Zeit, über dieses sein Buch ein ruhiges Urteil abzugeben. Es soll kein ästhetisches Urteil über die künstlerischen Qualitäten des Buches, sondern ein politisch-moralisches Urteil über das sich hier abrollende Leben von Trotz k i sein. Merkwürdigerweise enthält dieses Buch auch nichts mehr .anderes, als die Geschichte der persönlichen Freuden und Leiden, Auf- und Abstiege, Aerger und Begeisterung von Trotzki selbst. Dieser, Autor, der die Worte von Klassen, Nationen, Armeen, Diktaturen fortwährend im Munde führt, kommt in seine** scheinbaren Bioigiraiphie der Re- *) L. Trotzki. Mein Leben. S, Fischer-Verlag 1930. Alle Zitate nach der deutschen Ausgabe. 188