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Der junge Jude · 1930-11-01 · Heft 6 (November 1930) · page 9

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Journal
Der junge Jude
Volume
3 (1930)
Issue
Heft 6 (November 1930)
Date
1930-11-01
Page
– (sequence 9)
Language
German
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den. Und es ist eine Frage, wie sich diese Minderheit erhalten kann, wie weit sie Gleichberechtigung genießen sali, ob sie ihre Eigentümlchkeit erhalten oder oh sie sich assimilieren soll, auf welche Weise sie sich vor Erniedrigung und Verfolgung schützen kann. Dieses Problem ist in Deutschland leider jetzt eine praktische Frage geworden, weil es nicht ausgeschlossen ist, daß in einem Jahre hier eine Regierung sich bilden wird, die die Juden als Fremde erklären und sie unter ein besonderes Fremdenregime wird stellen wollen. Wir in Erez-Israel sind ebenfalls eine Minderheit; wir bilden jetzt nur 20 Prozent der Landesbevölkerung. Woher also besitzen wir die Dreistigkeit, von »einer Araberfrage zu sprechen? In Erez-Israel ist jetzt und noch für eine gewisse Zeit in der nächsten Zukunft eine Judenfrage vorhanden. Es existiert das Problem eines jüdischen Jischuw, der heute eine Minorität bildet, die in allen anderen Ländern unterdrückt ist. Ich weiß, daß es nicht angenehm ist, etwas Derartiges zu hören und noch dazu von Menschen, die im tiefsten mit Erez-Israel verbunden sind und glauben, daß Erez-Israel für uns kein „Stiefland" sein wird. Doch reden wir von der jetzigen Wirklichkeit, wie sie ist. Und wenn jemand diese vergessen haben sollte, kamen die Ereignisse von 1929, um ihn peinlich und tragisch daran zu erinnern. Ich möchte damit nicht sagen, daß der jüdische Jischuw von heoite sich nicht schon jetzt von jüdischen Ansiedlungen in anderen Ländern unterscheidet. Es besteht ein tiefer wirtschaftlicher, sozialer, politischer und auch rein menschlicher Unterschied. Der Bau, die Struktur, das Wesen des Judentums in Erez-Israel sind grundsätzlich verschieden von den jüdischen Siedlungen der Diaspora. Doch ist dies nur qualitativ. Quantitativ sind wir vorläufig und für eine bestimmte Zeit werden wir es noch bleiben, eine Minderheit in Erez-Israel und als solche existiert für uns eine Judenfrage. Aber wir reden doch — und nicht ohne Grand — von einer Araberfrage, weil wir in Erez-Israel in historischen Zusammenhängen sehen. Es gibt für uns eine Araberfrage nur dann, wenn wir diesen Zusammenhang sehen. Hier ist der Punkt, der uns vom Brith-Schalom scheidet. In jenem Lager gibt es Menschen, wie Rabbi Benjamin, die ebenfalls umfassende Perspektiven für das jüdische Volk in Erez-Israel sehen, die daran glauben, daß Erez-Israel die Judenfrage radikal lösen muß und die, wie wir in der Verwirklichung des Zionismus die Konzentrierung des größten Teiles des jüdischen Volkes in Erez-Israel sehen. Es gibt im Brith-Schalom noch andere westeuropäische Persönlichkeiten, wie Dr. Ruppin, vor denen das Problem steht, izu welchem Zwecke wir unsere nationale Existenz erhalten sollen (ein Problem, das für uns niemals existieren kann, weil wir keine Rechtfertigung unserer Existenz suchen und brauchen) und auch Dr. Ruppin sieht, daß die Lage des jüdischen Volkes in Ereiz-Israel nicht die gleiche sein wird, wie die in anderen Ländern. Auch er sieht eine zionistische Lösung der Judenfrage in Erez-Israel. Doch jener Teil des Brith-Schalom, der glaubt, daß der einzige Weg zum Frieden in Erez-Israel der ist, im voraus auf (die Schaffung und Errichtung einer großen jüdischen Ansiedlung in Ereiz-Israel, die dem historischen Willen und der Not des jüdischen Volkes entspricht, zu verzichten und sich zu verpflichten, die jüdische Ansiedlung in Erez-Israel niemals so groß werden zu lassen, daß sie zahlenmäßig die arabische Bevölkerung übersteigt — diese Brith-Schalom-Menschen versperren den Weg zu einer Verständigung mit den Arabern. Denn so lange es einzelne Juden gibt, die dem arabischen Volk erklären: schließet mit uns Frieden, dafür wollen wir uns verpflichten, niemals in Erez-Israel mehr zu werden als ihr, so lange ein solcher Frieden gepredigt wird, so lange werden die Tore der Verständigung zwischen uns und den Arabern verschlossen bleiben. Denn selbst wenn der ganze jüdische Jischuw um des Friedens willen erklären würde, daß wir nach Erez-Israel nicht in einer größeren Anzahl kommen werden, als die heutige Bevölkerungszahl im Lande, werden die jüdischen Massen, für die das historische Schicksal des Volkes höher steht als die Gefahr, daß 10 oder 100 Juden in Pogromen erschlagen werden, das nicht anerkennen. 185

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