Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 3 (1930)
- Issue
- Heft 6 (November 1930)
- Date
- 1930-11-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Die jüdischen Massen werden niemals auf den leidenschaftlichen und hartnäckigen Willen verzichten, ein selbständiges Volk zu wenden, das imstande ist, sein eigenes Schicksal zu bestimmen, ebenso wie alle freien Völker, unabhängig vom guten oder schlechten Willen anderer. Da wird keine Versicherung helfen, die diese oder jene Gruppe abgeben wird. Das jüdische Volk wird diese Zusicherung ständig Lügien strafen. Der erste Schritt zu einer Verständigung ist, dem arabischein Volk die Wahrheit zu sagen: Es gibt ein jüdisches Volk von 17 Millionen Menschen, das im Interesse seiner menschlichen Würde und seiner nationalen Kultur, gezwungen durch die Lebensnöte seiner Massen, getrieben von Selbsterhaltungsinstinkt und historischer Leidenschaft, die größtmögliche Anzahl seiner Volksangiehörigen in Erez-Israel konzentrieren muß, um ein unabhängiges Volk zu werden. Das kann eine unangenehme, nicht sehr sympatische Tatsache für die Araber sein, die natürlich den Status quo von Ere'z-Israel zu erhalten wünschen, der einen ausgesprochen arabischen Charakter trägt. Wie unbedeutend auch dieses Erez-Israel für das arabische Volk sein mag, das große und sehr dünn bevölkerte Ländereien rings um Erez-Israel besitzt, wie sehr sich das arabische Volk und die arabische Kultur frei und ungestört ausbreiten und entwickeln können — so ist es doch natürlich, daß die Araber vom Erez-Israel die weitgehenden Aenderungen kultureller, wirtschaftlicher und sozialer Natur im Zusammenhang mit der jüdischen Rückwanderung nur scheel ansehen werden. Aber hinter dieser Rückwanderung steht die Lebeinsnot und der Leibemswille eines Millionen-Volkes, steht eine machtvolle notwendige eiserne Tatsache. Nur auf dem Boden der Anerkennung dieser Tatsache, der Anerkennung der historischen Notwendigkeit, hinter der ein Volk von 17 Millionen Menschen steht mit einer Martyriologie von 2000 Jahnein, ein Volk von einer eisernen Hartnäckigkeit, das auf sein historisches Schicksal nicht verzichten kann, kann eine Verständigung möglich sein. Und auf der -anderen Seite muß die Anerkennung einer zweiten historischen Tatsache stehen — ob sie auch für uns sehr unangenehm sein mag', — daß in Erez-Israel seit Jahrhunderten arabische Massen leben, deren Eltern und Ureltern dort geboren und gestorben sind und für welche Erez- Israel ihr Land ist, wo sie weiterleben wollen und weiterleben werden. Wir Juden müssen diese Tatsache anerkennen und sie in Liebe hinnehmen und aus ihr alle Konsequenzen ziehen. Dies ist die erste Bedingung einer wahren Verständigung, einer Völkerverständigung 'zwischen Juden und Arabern. Eine solche Verständigung, wie leidenschaftlich wir sie auch wünschen mögen, wird nicht heute oder morgen kommen und wird sicherlich nicht zuerst von arabischer Seite kommen. Was für uns beinahe eine Selbstverständlichkeit ist, das Bewußtsein von der eisernen Notwendigkeit für das jüdische Volk, ein »eigeneis Land zu haben und die Ueberzeugung, daß das jüdische Volk die Kraft besitzt, die Notwendigkeit zu verwirklichen — dies, sage ich, ist noch nicht eine solche selbstverständliche Tatsache für die Araber. Für sie gibt es nur die Tatsache von 170.000 Juden in Erez- Israel und es gibt Araber, die glauben, daß auch diese Tatsache kein Muß bedeutet, weil man eine solche Tatsache auch auslöschen und diese Juden in Erez-Israel loswerden könne, ebenso wie man vor nicht langer Zeit größere und stärkere Minderheiten losgeworden ist: Ueber eine Million Armenier hat man geschlachtet, Millionen Türken hat man aus Thrazien und Mazedonien vertrieben und Millionen Griechen aus Anatolien. Ja, bei gewissen Arabern ist auch eine so tragische Lösung der Judenfrage in Erez- Israel denkbar... Andere arabische Gruppen haben nichts gegen die Juden, die bereits in Erez-Israel leben. Aber sie wünschen, daß die 170.000 Juden die Schaitzjuden der arabischen Herren wenden, ebenso wie die 30.000 jeminitischen Juden die Schutzjuden der jeminitischen Herrscher sind. Wir dürfen uns keine Illusionen darüber machen, daß die Stellung der Araber zu uns sich schnell und radikal ändern würde. Nur durch unser Anwachsen wird das arabische Volk eine Beziehung von tiefem Verständnis für unsere Sache gewinnen und verstehen lernen, daß es nicht nur mit den 184