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Der junge Jude · 1930-11-01 · Heft 6 (November 1930) · page 8

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Journal
Der junge Jude
Volume
3 (1930)
Issue
Heft 6 (November 1930)
Date
1930-11-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
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nicht eine Grenzscheide, sondern eine Brücke für die zwei Teile von Erez- Israel. Ein sehr wichtiger Punkt ist 'bis jetzt ein toter Buchstahe im Mandat geblieben: der Piunkt betreffend den Boden und die Bestimmung, wonadh die geschlossene jüdische Ansiedlung auf Regierungeboden und wüstem Land zu ermutigen und ihr zu helfen ist. Es ist falsch, zu behaupten, daß es die Pflicht der Mandatarmacht sei, das nationale Heim für das jüdische Volk aufzutauen. Bas ist die Aufgabe des jüdischen Volkes selbst. Aber es ist die Pflicht der Mandatarmacht, den Aufbau von Erez-Ierael zu ermutigen und zu erleichtern und solche politischen, ökonomischen und administrativen Bedingungen zu schaffen, die die Errichtung des nationalen Heimes sichern. Diese Pflicht hat die Mandatarmacht nicht immer und nicht in genügendem Maße erfüllt. Es ist nicht wahr — und darum auch nicht klug — zu behaupten, daß das Mandat nur ein Betrug sei. Unsere Kritik der Mandatarmacht gegenüber wird viel wirksamer und eindrucksvoller sein, wenn wir ehrlich und richtig die positiven Seiten abschätzen. Mit Hysterie macht man keine Politik. (Diejenigen, die 1918 glaubten, daß uns England einen Staat »schenken« würde, haben eich wirklich bitter getäuscht. Wir aber, die wir wußten, daß unsere Emanzipation eine Auto-Emanzipation sein müsse, und daß ein nationales Heim von uns allein geschaffen werden muß, haben auch jetzt, nach dem Edikt von Mai, keinen Grund zur Verzweiflung. Die englische Regierung kann uns zeitweilige Schwierigkeiten bereiten — aber der Wille des jüdischen Volkes, mit eigenen Mitteln, mit eigener Anstrengung und Opfern die nationale Selbständigkeit und das eigene Land wiederzugewinnen — hängt nicht ab von den iKiaprizen des Colonial-Office und auch nicht von vorübergeihenden Konjunkturen der britischen imperialistischen Politik. Ich möchte vor allem klarst eilen, welches der Schwerpunkt der zionistischen Außenpolitik ist. Es i s t d i e Frage unserer Beziehungen zum arabischen Volk. Der Kernpunkt des Problems der jüdischarabischen Beziehungen ist die Frage der Araber in Erez-Israel, doch handelt es sich nicht nur um die Frage unserer Beziehungen zu den Arabern von Erez-Israel — wenn dies auch der Ausgangspunkt sein muß. Darum ein Wort über 'die umfassenden Araber-Probleme: Erez-Israel bildet nur einen kleinen Bruchteil eines großen Blockes, der sich von der türkischen Grenze im Norden bis zu den beiden großen Flüssen F'umhmt und Tigris in Mesopotamien im Osten und bis (zum iSchilfmeer und indischen Ozean im Süden ausdehnt. Das ist ein Blocik, fast halb so groß wie ganz Buropa (ohne Rußland). Und in diesem Block leben 14—18 Millionen arabisch sprechende Völker. Wie sich das politische Schicksal dieses Blockes und seine Beziehungen izur europäischen Welt und zwischen diesen Völkern untereinander auch gestalten mag, es wird wahrscheinlich immer ein Block von arabisch sprechenden Völkern bleibc-n Wir wissen nicht, ob die Entwicklung in der Richtung der Schaffung eines arabischen-Staates ge*ht oder ob nicht als Folge der wirtschaftlichen, geographischen und religiösen Unterschiede unabhängige Staaten mit eigenartigen Kulturen entstehein werden. Syrien mit seiner großen christlichen Bevölkerung und starker französischer jesuitischer Erziehung, die arabische Halbinsel mit ihrem »primitiven absolutistischen wahabitischem Despotismus und ihrer Wüstenkultur, Mesopotamien mit seiner halb nomadenhaft lebenden und halb ansässigen Bevölkerung, die unter persischem Einfluß steht: eines ist klar, wir können unsere Augen von alledem nicht abwenden, wenn wir über das historische Schicksal von Erez- Israel sprechen. Wir können nicht einen Moment die Bedeutung dieses;<sroßen Hinterlandes vergessen, das von arabischen Stämmen bewohnt ist und das Erez-Israel von 3 Seiten umgibt. Und noch eine Vorbemerkung: Man spricht von einer Araberfrage in Erez-Israel, doch muß man sich fragen, ob es eine Araberfrage oder eine Judenfrage in Erez-Israel gibt. Es wird wohl keinem Juden einfallen, in Deutschland von einer Frage der Deutschen zu sprechen. Hier gibt es nur eine Judenfrage, ein Problem der Juden, die eine schwache Minderheit bil- 182

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