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Der junge Jude · 1930-11-01 · Heft 6 (November 1930) · page 7

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Journal
Der junge Jude
Volume
3 (1930)
Issue
Heft 6 (November 1930)
Date
1930-11-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
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jüdischen Geschichte, daß ein jüdischer Bürger seines Landes durch die ganze Welt mit einem Paß reisem kann, der auch in seiner Sprache ausgestellt ist. Das Gleiche gilt von dem Geld. Das sind zwar nur symbolische Werte, doch auch 'Symbole haben eine große Bedeutung. Wir wissen, wieviele Völker, Klassen umd Parteien um -die Aberkennung ihrer Symbole, Ihrer Fahne kämpfen. Ich möchte 'beinahe sagen, daß die meisten unserer Arbeitenparteien und Jugendorganisationen untereinander mehr um Symbole kämpfen, hinter denen sich kaum ein konkreter Inihalt verbirgt. Für uns aber sind •Symbole nicht mehr als Symbole. Von Lebenswichtigkeit sind die praktischen realen Errungenschaften und wir müssen offen und ehrlich bekennen, daß wir vor 10 Jahren viel mehr erwartet und gewollt haben. Bei weitem nicht alles (hat sich verwirklicht. Wir hatten schwere umd (bittere Enttäuschungen und wenn es wahr ist, daß in dem allgemeinen Leid schon ein halber Trost ist, dann können wir uns »trösten«: Viele große nationale, soziale, weltgeschichtliche Erwartungen sind im diesen 10 Jahren enttäuscht worden. Zusammen mit der ganzem Arbeiterklasse haben wir eine nahe soziale Erneuerung der Menschheit erwartet. Wir haben große Hoffnungen mit den Revolutionen in Deutschland und Rußland verbunden. Sie haben uns alle 'bitter enttäuscht. Alle, (natürlich außer die linken Poale-Zion, die auf allen Fronten gesiegt haben, sowohl in Moskau, als in Erez-Israel. Wenn nicht alles, was wir erwartet haben, umd was möglich war, sich im Laufe dieser 10 Jahre verwirklicht wurde, müssen wir weiter gestehen, daß in erster Reihe wir selber daran schuld sind. Die Möglichkeiten, die uns gegeben waren, sind nicht ausgenutzt und verwirklicht worden. Es 'hat uns keiner gestört, viel mehr Boden zu erwerben, viel mehr Menschen ins Land zu brimgen, viel mehr Kolonien zu schaffen, viel mehr industrielle Unternehmungen fzu errichten, eine viel größere Arbeit zu leistem. Wir könnten jetzt schon im Erez-Israel nicht 172.000, sondern 300— 400.000 sein. Keine äußere Madht hat dies verboten; gestört hat der Mangel an größerem Willen, stärkerem Ernst, vermehrten Mitteln, erhöhter Opfer- ^villigkeit und schöpferischer Ungeduld. Auch »die Regierung hat gestört und geschwächt. Die Verwaltung hat sehr wenig mitgeholfen und manchmal audh gestört. Die Verpflichtung der Mandatarmaoht, jüdische Einwanderung zu erleichtern, ist systematisch ignoriert umd mitunter in ihr Gegenteil verwandelt worden. Wenn trotzdem im Laufe der 10 Jahre 100.000 Juden in das Land übersiedelten, von denen sich ein bedeutender Teil auf dem Lande miedergelassen hat, eo ist dies gar keine so kleine Errungenschaft. Wenn ein so kleines umd armes Land wie Erez-Israel in einer verhältnismäßig kurzem Zeit eine neue Bevölkerung aufgenommen (hat, die V7 ibis Ys ihrer gesamten Bevölkerung ausmacht, so ist dies eine bedeutende Leistung. In diesem 10 Jahren wurden wir Besitzer zweier wirtschaftlicher Konzessionen, die in gewissem Maße den Schlüssel zur ökonomischen Zukunft des Landes bilden, der Bewässerungs- und Elektrifizierungs-Konzession ivoin Ruthenberg und der Toten-Meer-Konzession von »Novomejski. Wir sind faktisch die Erbauer des Landes in wahrem 'Slimne des Wortes geworden, im Sinne der Arbeit und der 'unternehmenden Initiative. In der Ruthemberg- Arbeit 'haben wir die vollste Möglichkeit, alle Wasserkräfte von Erez-Israel ^u bemutzen und fruchtbar zu madnen und das ganze Land (mit Ausnahme von Jerusalem) mit elektrischer Kraft und Licht zu 'versorgen. Ich zweifle daran, ob die zionistische Oeffentlichkeit die gewaltige Bedeutung, die mit der Rutheniberg-Arbeit verbunden ist, richtig eingeschätzt (hat. Das Gleiche gilt von der Toten-Meer-Konzession, die die reichstem Naturschätze des Landes ausnutzen soll. Es gibt MeinungsVerschiedenheiten über das Ausmaß dieser Naturschätze; doch schon haben jüdische Arbeit und jüdische Wissenschaft begonnen, das wüste Gebiet zu beleben, das im «den fremden Sprachen den ©ehrecklichen Namen »das Tote-Meergehiet« bekommen hat. Diese zwei Unternehmungen schaffen faktisch die künstliche und unwirtschaftliche Grenze ab, die zeitweilig zwischen Ost- und Westipalästina erlichtet worden ist. Die zwei Unternehmungen machen aus dem Jordan 181

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