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Der junge Jude · 1930-11-01 · Heft 6 (November 1930) · page 6

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Journal
Der junge Jude
Volume
3 (1930)
Issue
Heft 6 (November 1930)
Date
1930-11-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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damit 211 tun, <daß das jüdische Volk im Rahmen des völkerrechtlichen Systems rechtlos war, daß es keine Vertretung hatte und seinen VoLkswitlen und sein Volksbegehren auf einem legitimen, anerkannten Weg nicht zum Ausdruck «bringen konnte, his zu der »freiwilligen« Organisierung des jüdischem Volkes in der zionistischen Bewegung. In diesem Sinne hat der Zionismus einen großen Sieg erreicht. Das jüdische Volk ist jetzt in Erez- Israel ein völkerrechtlich anerkannter Organismus, der hestimimte öffentliche, international garantierte Rechte auf Erez-Israel besitzt. Es muß klaruntenstrichen werden: nicht die Juden in Erez-Israel, sondern das ganze jüdische Volk als eine nationale Einheit. Nicht Rechte i 11 Erez-Israel, sondern Rechte auf Erez-Israel. Ebenso wie man die zionistischen Errungenschaften nicht unterschätzet 'darf, so darf man sie auch nicht überschätzen. Was wir in den großen territorialen Umwälzungen am Ende des Weltkrieges erreicht haben, ist nicht dasselbe, was andere Völker, was die Polen in Bolen oder die Tschechen in der Tschechoslowakei hekommen hahen: nationale Unahhäto-r gigkeit. Weil uns die Substanz als Voraussetzung einer staatlichen Existenz fehlt; es fehlt uns das Volte im Lande. Wir haben nur bekommen können — und das hahen wir faktisch bekommen — einen Raum, den wir mit lehendigem Inhalt zu erfüllen hatten. Wir hahen eine Möglichkeit, eine Chance hekommen, die wir allein verwirklichen mußten. Bs muß gesagt werden: das jüdische Volk und die zionistische Bewegung hahen die ihnen gebotene Chance nicht in idem Maße, in dem es ihnen möglich war, ausgenützt. Vielleicht ist dies unvermeidlich: seit Jahrhunderten haben wir kein staatliches Leben gelebt. Und unsere staatlichen Instinkte waren verkümmert; unser Volkswillen ist beinahe paralysiert, worden. Ist es ein Wunder, daß wir nicht plötzlich zu 'der Größe der historischen Situation erwachsen sind? Es ist wirklich schwer, zu sagen, ob wir mehr zu bedauern haben, was wir in den vergangenen 10 Jahrein versäumt haben oder zu he wundern, was wir in dieser kurzen Zeit geleistet hahen. Zugleich mit unserer historisch »bedingten Unruhe und Ungeduld müssen wir auch unseren geschichtlichen Blick wahren. Mit anderen staatlichem Instinkten haben wir auch den Instinkt für das Maß 'verloren. Im Moment eines Sieges sind wir izu den wildesten Uehertreibungen, zu unbegrenzten Erwartungen aus diesem Siege bereit und wir sind ehenso imstande, hei einer politischen Niederlage zu unberechtigten Uehertreihungen nach der anderen Seite, zu unbegründetem Pessimismus und zur Depression. In einem Moment ist «die BaMour-Deklaration ein jüdischer Staat und die endgültige Erlösung für das jüdische Volk und in einem anderen Moment ist sie nur ein Bluff, ein Fetzen Papier. Bs gibt heute nichts Populäreres in zionistischen (Kreisen, als all das, was wir auf politischem Gebiet von 1917 his heute erreicht hahen, verächtlich zu machen. Das ist ehenso unhegründet und falsch-, wie es närrisch und unbegründet war, zu glauben, daß man uns in der Balfour-Deklaration einen jüdischen Staat in Erex- Israel gegeben hätte. Was wir vor 10—12 Jahren unter außerordentlichen historischen Umständen, die sich nicht oft wiederholen, politisch erreicht haben, ist nicht bloß auf dem Papier geblieben. Der politische Sieg des Zionismus, das heißt der jüdischen Volkskräfte, die hinter der zionistischen Organisation gestanden haben, ist in den vergangenem 10 Jahren in 'bedeutenderem Maße verwirklicht worden. Die Rechte, die wir erworben haben, sind mit politischem, wirtschaftlichem und kulturellem Inhalt angefüllt worden. Jetzt in einer Zeit, in der man so leichtsinnig gegen »Mandate« spricht, muß man an 'einige (fundamentale Tatsachen erinnern: Wir hahen das Recht, unsere Stimme hören zu lassen, sowohl vor der Mandatarmacht, als beim Völkerbund; diese mögen noch sehr fehlerhafte Institutionen sein, vorläufig aher sind sie die einzigen, existierenden, die das Schicksal des Landes verwalten und hestimmen. Und wir hahen gerade jetzt gesehen, daß unsere vStimme nicht ganz eine Stimme in der Wüste ist, Erez-Israel ist das einzige Land, in dem die Siprache des jüdischen Volkes eine der Staatssprachen des Landes ist. Es ist das erste Mal in der 180

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