Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 3 (1930)
- Issue
- Heft 6 (November 1930)
- Date
- 1930-11-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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freie wirtschaftliche und soziale Entwicklung Palästinas gehindert, die wirtschaftliche und soziale Befreiung der Fellachen erschwert, der Einfluß der Effendis und des Klerus auf das arabische Volk gefördert. Was für eine Bedeutung aber haben diese Kleinigkeiten angesichts der großen Politik des englischen Imperialismus? Die zionistische Bewegung hat schon schlimmere Zeiten unter der türkischen Herrschaft erlebt. Auch damals wurde uns aus der Sorge für das Land und seiner Bewohner der Bodenkauf verboten, die Einwanderung behindert. Dennoch sind Tausende Meschen ins Land gekommen und es sind neue Kolonien erbaut worden. Wir werden auch die gegenwärtigen Schwierigkeiten überwinden. Wir werden uns, gemäß der neuen Bedingungen, umstellen. Die englische Arbeiterregierung aber steht in diesem Moment nicht nur vor dem Gericht des jüdischem Volkes. Die britische Arbeiterbewegung, der internationale Sozialismus wiird über ihre Tat zu richten »haben. BEN GURION : DIE AUSSENPOLITIK DES JÜDISCHEN VOLKES. (Aus einem Referat auf dem Weltkongreß für «Las arbeitende Palästina.) Auf 'der Tagesordnung1 unseres Kongresses steht die Außenpolitik des jüdischen Volkes. Hat denn das jüdische Volk, das kein eigenes Staatswesen bat und über die ganze Welt verstreut ist, eine eigene Außenpolitik? Praktisch waren Juden seit der Zerstörung ihres Staatswesens niemals Träger einer eigenen Politik; sie waren stets nur Objekte einer Politik. Als einzelne oder auch als Gruppen konnten Juden zwar in verschiedenen Ländern zu verschiedenen Zeiten eine politische Rolle spielen; sie haben große Staatsmänner gestellt, die nicht nur für ihr Land, sondern für ihre ganze Epoche eine bedeutende Rolle gespielt haben. Es genügt, an zwei Staatsmänner zu erinnern, an Disraeli und Trotzki. Doch waren das nicht jüdische Staatsmänner, die die Politik des jüdischen Volkes machten. Das jüdische Volk war nicht Subjekt von Staatsmöglichkeiten und Staatswillen. Jüdische Politik als kollektiver Willensausdruck und Zielsetzung des jüdischen Volkes, einer nationalen Einneit, begann erst mit der zionistischen Bewegung. Es gaib damals Kluge, die es als eine Utopie erklärten, daß Juden als ein Volk ohne Land Träger einer nationalen Politik werden könnten. Die Geschichte hat diese Klugen eines Besseren belehrt. Ebenso wie die Geschichte andere kluge Soziologen von vor 25 Jahren und unsere »linken« Poale-Zionisten von heute belehrt hat, die uns [predigten, daß unsere ganze Arbeit im Zionismus und im Jisohuw, unsere Tätigkeit auf wirtschaftlichem, isozialem und kulturellem Gebiet, unsere Chaluzbewegun.s' ftruchtlos, utopistisch, schädlich ist. Diese Arbeit ist jetzt der Schwerpunkt einer Weltbewegung geworden. Die Diskussion zwischen uns und den »Linken«, 'zwischen schöpferischer Kraft und steriler Phraseologie ist in Erez- Israel endgültig entschieden worden. Ebenso wurde auch die politische Voraussage der Antizionisten, daß ein Volk onne Staat kein politischer Faktor und Träger von Völkerrecht werden könne, von der Geschichte widerlegt. Die Utopie ist verwirklicht worden; das jüdische Volk ist völkerrechtlich als Träger von international garantierten Rechten auf Erez-Israel anerkannt worden. Die zionistische Organisation ist international legalisiert und anerkannt worden als die Vertretung des jüdischen Volkes für Erez-Israel. Die historische Verbindung des jüdischen Volkes mit Erez-Israel ist im internationalen Recht bestätigt worden und als Grundstein des Palästina-Mandates festgelegt worden. Es können bei uns über den dauernden Wert des jetzigen Völkerrechtes Meinungsverschiedenheiten bestehen; es kann verschiedene Meinungen über den bestehenden Staat überhaupt geben. Das alles hat aber nichts 179