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Der junge Jude · 1930-11-01 · Heft 6 (November 1930) · page 4

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Journal
Der junge Jude
Volume
3 (1930)
Issue
Heft 6 (November 1930)
Date
1930-11-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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JUNGE JUDE November 1930 3. Dahrg. Nr. 6 Cheschwan 5691 E. LIEBENSTEIN: DIE ARBEITERREGIERUNG ALS SACHWALTERIN DES BRITISCHEN IMPERIALISMUS. Die englische Arbeiterregierung hat die Erklärung über ihre künftige palästinensische Politik abgegeben. Man (kann sie kurz izusammenfassen: Die Juden können keinen neuen Bodefci erwerben. Der in Palästina .vorhandene Boden genügt nicht einmal für die arabischen Fellachen. Die zionistische Kolonisation, die auf Selbstarbeit und organisierter jüdischer Arbeit besiert, wird getadelt. Dagegen sind die Methoden der „Pica", die ihre Kolonien auf Grund von Ausbeutung billiger arabischer Arbeit geschaffen hat, vorbildlich. Der rationelle Bodenkauf durch den Nationalfonds, der den Boden den Händen des spekulativen Kapitals entzieht und in den Besitz des Volkes überführt, ist schädlich. So sagt eine Arbeiterregierung. Die jüdische Einwanderung soll auch von dem Vorhandensein arabischer Arbeitsloser abhängig gemacht werden. Das jüdische Volk ist verpflichtet, nicht nur für seine, sondern auch für die Arbeitslosen der palästinensischen Araber zu sorgen. So will es die Gerechtigkeit. Die bisherige Einwanderung ist zu tadeln, weil sie durch die allgemeine Arbeiterorganisaiton beeinflußt wurde. So verkündet eine sozialistische Regierung. Die Sorge um die Fellachen in diesem Dokument ist eine Heuchelei. Der Zionismus zeigt einen Weg, um den Fellachen ziu einer intensiven Wirtschaft zu bringen. Die Gelder, die die Fellachen durch den Verkauf eines Teiles ihres Bodens bekommen, ermöglichen ihnen die Errichtung einer intensiven und modernen Wirtschaft. Die arabischen Dörfer um Rechoboth und Neß-Zionah sind ein lebendiger Beweis dafür. Diesen Weg lehnt die Regierung ab. Sie ist aber nicht bereit, von sich aus irgendwelche Kapitalien in der arabischen Wirtschaft zu investieren. Die große Umstellung der arabischen Landwirtschaft soll aus dem ordentlichen palästinensischen Budget geschehen. Aus dem Budget, in dem die Mittel für ausreichende Gesundheitspflege und iSohulwerk nicht genügen. Die neue jüdische Ansiedlung wird hinausgeschoben, bis die arabische Landwirtschaft intensiviert ist. Das Land wird aber faktisch unter solche ökonomischen Bedingungen gestellt, daß die arabische Landwirtschaft sich nicht weiter entwickeln kann. Nicht die Sorge um den arabischen Fellachen hat diese Erklärung der Regierung verursacht. In Indien verbündet sich die Arbeiterregierung mit den reaktionären moslemischen Kreisen, um die Freiheitsbewegung der Inder niederzukämpfen. Itti Vorderasien wirbt der Foreign Office um die Gunst der arabischen Fürsten von Irak und Hedjas, um den Weg Bagdad-Haifa izu sichern. Es ist gut, bei solcher Gelegenheit als der Verteidiger der Interessen der Moslems in Palästina zu erscheinen. Es ist gut, für diese Politik auch die Zustimmung des Mufti von Jerusalem zu haben. Wohl wird dadurch Tausenden jüdischer Arbeiter und arbeitssuchenden Menschen ihre letzte Hoffnung genommen. Wohl wird dadurch die 178

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