Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 3 (1930)
- Issue
- Heft 6 (November 1930)
- Date
- 1930-11-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Unserem Chawer Alfred van der Walde Vielfach sind die Opfer, die das Land von uns fordert: Die Umstellung zur harten, körperlichen Arbeit, die Hinwendung zu einer Sprache und Kultur, die, wenn auch gewollt und vielleicht geliebt, uns fremd ist und nichts birgt von den Erinnerungsschätzen der Kindheit und schließlich — die Gewöhnung an die Natur des Landes selbst, unseres Landes, aber eines „wilden Landes", das nicht zart mit dem Menschen umgeht. Denn dieses Land — es ist nicht nur die Landschaft, die den, der sie niemals sah, stumm macht, es ist nicht nur der ewigblaue Himmel des Mittelmeeres; die blühenden Orangenhaine und die Tarbenpracht eines unermeßlich reichen Blumenflors — es ist auch das Land der Sümpfe und des Fieberkeims. Jung ist die Geschichte unserer Verknüpfung mit dem Lande, zu jung, — so scheint es uns — als daß wir dieses schwerste Opfer an teuren Menschenleben tragen könnten. Mit grausamer Hand wählt das Geschick unter unseren Menschen die aus, auf denen unsere Hoffnung ruht, auf deren junge Kraft die Bewegung in der Golah wartet. — Ein Mensch der Bewegung — das war Alfred v. d. Walde. Er war es gewohnt, die härtesten Forderungen an sich selbst zu stellen und erfüllte sie, wie die schweren Gebote der Bewegung. Er war sich seines Weges bewußt, an dem Tag, an dem er zum ersten Mal zur Arbeit schritt, in der Zeit, in der ihn die Bewegung in die Stadt zurückgerufen hatte, als er dann von Neuem zur Arbeit ging, um endlich ins Land zu kommen. Aber auch dort durfte er nicht ungerufen den Weg gehen, den er so zuversichtlich in den bald zwei Jahren seines Lebens im Lande zu gehen begonnen hatte: zur hebräischen Sprache und hebräischen Kultur, zur Kenntnis der ArbeitergeSeilschaft und zum Wirken in ihr, zum palästinensischen Arbeiter. Noch einmal rief ihn die Bewegung in die Golah zurück, weil sie seiner Kraft bedurfte. Und auch dieses Mal verschloß er sich der Notwendigkeit nicht, wenn es ihn auch mit ungeheurer Kraft im Lande hielt, — heute will es uns scheinen, — mit der Kraft des Lebens. Noch einmal sah er das ganze Land von Jehuda bis zum Galil Eljon, nahm all die Schönheit und Kraft der schaffenden Natur in sich auf, um auch uns in der Golah davon mitzuteilen. Aber er konnte sie uns nicht mehr bringen. Die Krankheit warf ihn nieder, als er auf dem Wege zu uns war, und ließ ihn nicht mehr aufkommen. Neben all dem Leben, neben aller Kraft der Eigenart und Schönheit hatte ihm das Land wohl auch den Keim des Todes mitgegeben. Der Schmerz ist groß, weil die Liebe stark war. Der Verlust ist schmerzlich, weil die Kraft das Chawers fehlt. Alle die, deren Leben mit dem Weg des Chaluz verbunden ist, trauern in Alfred van der Walde um den treuen Führer, um den zuversichtlichen Chawer, um den lieben Weggenossen zu einer neuen, besseren Gesellschaft. 177