Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 2 (1929-1930)
- Issue
- Heft 3 (August 1929)
- Date
- 1929-08-01
- Page
- – (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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Vertreter in den letzten Jahren mit offenen Augen betrachtet hat, wird verstehen, daß es für eine sozialistische Organisation wenig anziehend ist, solche Politik, die sich mit halb und ganz konservativen Fraktionen auf Gedeih und Verderb zusammentut, zu decken. 2 Dank einer solchen Gemeindepolitik z.B. und nicht wegen irgend welcher poale-zionistischer Propaganda könnte heute jungen sozialistisch eingestellten Menschen der Zionismus als eine bourgeoise reaktionäre Angelegenheit erscheinen und sie dem Kommunismus in die Arme treiben Gerade die eigene Plattform der Poale-Zion bezw. einer geeinten sozialistischen Partei kann hier wirksam werden und ist es zum großen Teil schon gewesen. Nicht bekannt geworden ist dagegen, welchen Einfluß der Hapoel-Hazair z. B. auf die Gestaltung der berliner Gern ein destube unter der volksparteilich-konservativen Mehrheit ausgeübt hat. 3. Die Entwicklung, die der Hapoel-Hazair genommen hat, muß zu denken geben. Er ist, nachdem er eine führende Gruppe des deutschen Zionismus war, nach Noack heute schwach. Daß seine Führer und Chaluzim nach Palästina gegangen sind, ist kein alleiniger Grcnd hieifür. Er hat vielmehr keinen Nachwuchs aus den Kreisen der Jugend bekommen. Sollte die allzustarke Liierung mit der Z. V. f. D , die manchmal zur Verwischung der Grenzen führte, nicht einen wesent- ÜchenTeil Schuld daran haben? So genügsam kann inanfreilich als jugendlicher Sozialist Dicht sein, den Namen „Linkes" Zentrum für die seinerzeit arbeiterfeindliche Parteigründui) g anläßlich des vorletzten Kongresse s als „Erfolg" der durch den Hapoel-Hazair geschaffenen Tradition zu bucherj. 4. Auch in Bezug auf die Werbekraft gegenüber nichtzionistischen Sozialisten jnuß man durchaus Noacks Meinung, daß diese sich außerhalb der Z, V. f. D. verringert, widersprechen: Die Kenntnis innerzionistischer Probleme und Differenzierungen ist heute schon erheblich größer als früher und dürfte sich auch in Zukunft verstärken Es wird dann von eminenter Bedeutung sein für die Gewinnung nichtzionistischer Sozialisten, daß sich die sozialistische Arbeiterschaft von den „Nur a-Zionisten als Partei erkennbar abhebt. Ich habe mit Absicht nur einige Gründe angeführt, die gegen den Eintritt in die Z. V. f. D. sprechen. Ich kenne auch alle Gründe für diesen und neige trotzdem heute noch eher dazu, diese für schwerwiegender zu halten. Ich wollte nur darauf hinweisen, daß diese Frage von außen schwer zu entscheiden sein düifte und auch in einer geeinten zionistisch-sozialistischen Partei erörtert werden soll, ja, vielleicht gerade in ihr erörtert werden muß. Die Jugen d nämlich empfindet intuitiv sehr richtig, daß es sich hier nicht um Parteidogmatik handelt und daß der sozialistische Zionismus hierdu ch nicht geschwächt wird, sondern erkennt hierin die besondere Stärke der P. Z., die als Widerstand dient, um große Teile der jüdischen Jugend vor dem Kommunismus zu bewahren. Ueber Noacks Grundvoraussetzungen ist nicht zu spreohen. Jede Fraktion hat ein Interesse an der Stärkung der Landesorganisation und stets ist der Kampf sogar gegen das „Linke Zentrum" sachlich ausgetragen worden. Gegenüber Gegnern des Zionismus (und £ war auch konservativen) hat die Poale Zion nie versagt und darf auch eine etwa geeinte Partei nicht versagen. Es gilt bei dieser Neuorientierung des sozialistischen Zionismus nicht nur die Einheit des sozialistischen Zionismus auf alle Fälle zu schaffen, sondern sie auch bo zu gestalten, daß sie mit allen Formen der Eeaktion, heiße sie nun Sacher, Jabotinsky oder Expertenkommission, fertig wird. In solchen konkreten Kämpfen wird die Partei die Jugend an sich ketten, gleichgültig ob sie innerhalb der Landesorganisation steht oder außerhalb derselben. Eugen Samson, 90