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Der junge Jude · 1929-08-01 · Heft 3 (August 1929) · page 27

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Journal
Der junge Jude
Volume
2 (1929-1930)
Issue
Heft 3 (August 1929)
Date
1929-08-01
Page
– (sequence 27)
Language
German
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NEUORIENTIERUNG DES SOZIALISTISCHEN ZIONISMUS. Es ist eine alte Erscheinung, daß ein Lob aus dem Munde eines Gegners dem politischen Menschen Veranlassung gibt, seinen Standpunkt zu überprüfen und evtl. zu revidieren. Ich gehörte bislang zu d e m Flügel der Poale-Zion, die den von Fritz Noack propagierten Eintritt in die Z. Y. f. D. ernstlich wünschte. Wenn also Noack auch nicht im allgemeinen als Gegner betrachtet werden kann, so hat er doch in seinem Artikel zu organisatorischen Fragen der P. Z. als Angehöriger einer anderen Fraktion Stellung genommen und dadurch die Ueberprüfung meines Standpunktes bewirkt. Ich will nun bei den folgenden Ausführurjgen absehen von ideellen Meinungsverschiedenheiten, sondern mich auf die organisatorischen Fragen beschranken, die Noack anschneidet. Noack erkennt sehr richtig an, daß die P. Z. durch Beschluß des Welt verband es gezwungen ist, den LandesOrganisationen fern zu bleiben und empfiehlt anstatt dessen in der Form des Territoiialverbandes eine Zusammenarbeit zwischen Z.V.f.D. und Poale-Zion zu schaffen. Er übersieht dabei, daß dies auf Grund eines Kongreß-Beschlusses sogar von allen Landesorganisationen der Zionistischen Organisation sowie der Sonderverbände gefordert wird. Er übersieht ferner, daß die P. Z. in Deutschland auf ihrer letzten Partei-Konferenz sich ausdrücklich auf den Boden dieses KoDgreß-Beschlusses gestellt hat, daß er aber bis jetzt nicht verwirklicht ist, liegt nicht an der P. Z. Selbst der außerordentlicheEinf hiß des Hapoel-Hazair, innerhalb der Z.V.f.D. hat diese unseren dahingehenden Forderangen nichtgeneigter gemacht. Gewiss —- ich spreche damit kein Geheimnis aus, — fürchtet man, daß die Ausführung des Kongreßbeschlusses die Beziehungen zu dem sakrosankten Misrachi, mit dem jetzt noch nähere Verbindungen als nur in einem Territoiialverbände bestehen, lockern würde. Man kann Verständnis für solche Befürchtungen haben, aber man höre endlich einmal damit auf, die P. Z. für die Nichteinhaltung eines Kongreßbeschlasses seitens der Z.V.f D. haftbar zu machen. Noack erscheint es unverständlich und unlogisch, warum eigentlich seitens der P. Z. jede organisatorische Verbindung mit der Z. V. f D. abgelehnt wird. Soweit dies nach dem vorher Gesagten den Tatsachen entspricht, mag er sich die Antwort hierauf bei seinen eignen Fraktionsgenossen in allen andern Ländern außerhalb Deutschlands holen, wo die organisatorische Stellung der Hitachduth (Hapoel - Hazair) die gleiche ist, wie die der P. Z. Die Ausführungen Noacks haben mich wie gesagt veranlaßt, meinen Noacks Wünschen entsprechenden Standpunkt bezüglich eines Eintritts der P. Z. in die Z.V.f.D» zu überprüfen und im folgendem die Gesichtspunkte hervorzuheben; die gegen diesen Standpunkt einzuwenden sind. Dies ist gerade im Hinblick auf eine Neuorientierung des sozialistischen Zionismus von allgemeinerem Interesse. Diese Neuorienüerung kann doch nur dann mehr als eine Fiktion sein, wenn sich die angebahnte Einigung der beiden sozialistischen Parteien vollzieht und für die geeinte Organisation oder Partei mögen diese Gesichtspunkte durchaus beachtlich sein. 1. Die Zionistische Landesorganisation muß als solche Landespolitik, zum mindesten innerjüdische Landespolitik betreiben. Daß ersteres im Rahmen einer Organisation mit den bürgerlichen Zionisten für eine sozialistische Partei nicht möglich ist, kann für alle Länder nachgewiesen werden, wo zionistische Landespolitik betrieben wird. In Deutschland gibt es so etwas nicht, doch innerjüdische Landespolitik gibt es und zwar vor allem innerhalb der Gemeindeverwaltungen. Wer nun die Politik der zionistischen Gemeinde- 89

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