Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 2 (1929-1930)
- Issue
- Heft 3 (August 1929)
- Date
- 1929-08-01
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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liehe Gesundheit, geistige Steigerung des Einzelnen, Kollektivleben, Leben der Freude und des Schaffens : das war nicht nur der Stil einer Jugendgruppe, sondern mußte umgestaltet werden zu dem Stil des Lebens in der Zukunft. Die nationale Renaissance und die sozialistische Gesellschaft waren nicht nur Losungen der Jugend, sondern Grundelemente der Lebensaufgabe, deren Verwirklichung durch die eigene Tat uns auferlegt war. Man hat uns oft vorgeworfen, daß wir uns abschließen. Das kommt daher, weil wir nicht imstande sind, die gesellschaftlichen Aufgaben in ihrer Gesamtheit zu bewältigen, vielmehr versuchen wir Schritt für Schritt, der Situation und unserem Können angemessen, immer neue Aufgaben in unsere Tätigkeit einzubeziehen. Jetzt ist nach der übereinstimmenden Meinung unserer Bewegung in Palästina und im Hechaluz die Zeit gekommen, sich der erzieherischen Aufgabe zuzuwenden. Der Wille zu einer breiten Erziehungstätigkeit innerhalb der jüdischen Gesellschaft der Galuth und die aktive Anteilnahme an dem Erziehungswerk der arbeitenden Gesellschaft in Palästina auf der einen Seite, auf der anderen Seite die Notwendigkeit einer realen Verbindung der Jungen in unserer Bewegung in der Galuth mit einem Erziehungsinstitut der Bewegung im Lande und ferner das positive Bedürfnis nach einer Erziehungsinstitution, welche gemeinsam von der Bewegung und vom Kibbuz Arzi getragen werden soll, ist zur Verwirklichung reif geworden. Diese Erziehungstinstitution, ihre Formen und Methoden, sollen in den Einzelheiten noch besprochen werden; fest steht nur das, daß es sich um eine arbeitende Kindergemeinschaft wird handeln müssen. In dem folgenden Aufsatz „Alijah der Kinder" führt M. Schenhabi den Gedanken aus, Schulkinder nach Palästina zu bringen und dort zu erziehen. Er weist darauf hin, daß vor dem Krieg Palästina immer mehr ein Zentrum der Erziehung wurde, wohin jüdische Eltern aus der Golah ihre Kinder schickten. Diese Entwicklung, die für das Wachstum Tel - Awiws auch von großer wirtschaftlicher Bedeutung war/ist durch den Krieg abgebrochen worden, und es gilt, sie in veränderter Form wieder aufzunehmen. Viele jüdische Eltern schicken ihre Kinder an auswärtige Schulen; der Schul auf enthalt ia Palästina braucht niebt teurer zu sein, und würde, im größeren Maßstab verwirklicht, abgesehen von den pädagogischen Auswirkungen auch für die Wirtschaft des Landes bedeutungsvoll werden können. Dazu kommen aber die pädagogischen und zionistischen Gesichtspunkte; die Kinder würden von Anfang an in die Arbeits atmosphäre Palästinas hineinwachsen, die plötzliche Umstellung, die der Chaluz vornehmen muß, bleibt ihnen erspart ebenso die besondere Hachscharah, die auf diese Weise auf die natürlichste und zweckmäßigste Art allmählich erfolgt. Bei der großen Masse der in der Jugendbewegung vereinigten Jüngeien mit dem Willen zur Ohaluziuth sei die Ueberführung einer möglichst großen Anzahl von ihnen nach Palästina und deren Einordnung in das Erziehungswerk des Kibuz in Palästina eine eminent praktische und dringende Aufgabe der Bewegung in der Galuth, der sie von nun ab ihre Kräfte widmet. In dem folgenden Aufsatz „Wege unserer Bildung" ersucht Zwi Soiiar eine Grundlegung der Unterrichtsmethoden in der arbeitenden „Kinder und Jugendgemeinde.u Das ihr gestellte Problem sei die Verhinderung der „Flucht vom Werk der Väter4*. Das ist kein speziell palästinensisches, sondern ein allgemeines Problem, für uns aber besonders aktuell, denn die Fortsetzung des Werkes durch die neue Generation entscheidet dessen Schicksal. Der Grund für die Flucht der Jugend von der Beschäftigung ihrer Väter wird, außer in den dahin gehenden Wirkungen der kapitalistischen Gesellschaftsordnung, in einem Grundfehler der Erziehungsmethoden gesehen, der von allen Vertretern der modernen Pädagogik hervorgehoben, und in dem Mißverhältnis zwischen der verabfolgten „Bildung" und den Anforderungen an Vorbildung und Erziehung, welches das Leben an den Berufstätigen stellt, gefunden wird. Mit Beispielen aus der Erziehungspraxis im Kibbuz wird dann die ausführliche Begründung der dort angewendeten und anzuwendenden Erziehungsmaximen versucht. 88