Mannheim
Compact Memory

Der junge Jude · 1929-08-01 · Heft 3 (August 1929) · page 24

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der junge Jude
Volume
2 (1929-1930)
Issue
Heft 3 (August 1929)
Date
1929-08-01
Page
– (sequence 24)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3497353-3497361-3497364--339-3521898
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

JUGEND UM UNS HERUM. Polififdie Wege und Ziele der deutschen Jugendbewegung. Eine Aussprache auf der Hauptversammlung des Reichsaussdiusses der deutschen Jugendbewegung. Es ist noch nicht allzu lange her, daß es als selbstverständlich für die Jugendbewegung galt, alles Politische streng aus ihren Bestrebungen und Veranstaltungren auszuschließen. In den letzten Jahren aber hat sich ein politisches Interesse der Jugend und ein politisches Interesse an der Jugend gebildet, das die junge Generation schnell zu einem politischen Faktor gemacht hat. Dem natürlichen Bestreben der bestehenden politischen Organisationen, sich Nachwuchs zu sichern, kam — bald freundlich, bald feindlich — ein Drang nach politischer Betätigung aus der Jugend selbst entgegen. Für die Jugendverbände aller Richtungen entstanden damit ernsthafte Probleme pädagogischer und organisatorischer Art. Ein verantwortlich denkender Bund kann seine jungen Menschen nicht unvorbereitet dem Werben der verschiedenen politischen Richtungen ausliefern. Er wird sich auch fragen müssen, ob und wie es möglich ist die in die politische Verantwortung hineinwachsenden Mitglieder dem Bunde zu erhalten Für die Politik aber ergibt sich die große Zukunftsfrage, ob das Eingreifen der Jugend einen Umbruch bedeutet, ob die alten Formen der scharfen Kritik des Nachwuchses standhalten, oder welche neuen. Gedanken und Formen die junge Generation mitbringt. Dieses letzte Problem wollte der Reichsausschuß der deutschen Jugendverbände zur Darstellung bringen. Es war von vornherein klar, daß Uebereinstimmungen zwischen den verschiedenen politischen Gruppierungen der Jugend weniger im Sachlichen als im Haltungsmäßigen liegen konnten. Fast allgemein wurden rein rational-zweckmäßige Gesichtspunkte als letzte Begründung politischen Handelns abgelehnt. Alle bekannten sich zu Glauben, Weltanschaung, Verantwortung als letzte Quelle ihrer Kraft. Einen anderen Ton mochte man allenfalls bei einem Führer der freigewerkschaftlichen Jugendgruppen und bei dem Leiter der volksparteilichen Hochschüler heraushören. Ein sehr vielgestaltiges Bild ergibt die Stellung der politischen Gruppen in der deutschen Jugend zu den ihnen jeweils entsprechenden Organisationen der alten Generation. Am wenigsten problematisch ist das Verhältnis zwischen den Generationen offensichtlich im Sozialismus. Hier fühlt die Jugend sich einfach als Glied der großen Arbeiterbewegung, mit der sie sich in Ziel und Methode identifiziert Folgerichtig wird hier jetzt auch die Erziehung der nächsten Generation, der Kinder, im sozialistischen Geiste und Willen von Jugend und Älter gemeinsam in die Hand genommen. Von diesem Sonderfall abgesehen, erfolgt die Eingliederung der Jugend in bestehend© Parteien, wo überhaupt, nur mit starken Vorbehalten. Die katholische Jugend etwa stellt sich bewußt auf den Boden des Zentrums; aber ihr Sprecher wollte das keineswegs als ein kritikloses Aufgehen in der Partei gewertet wissen, sondern als eine politische Entscheidung zur Durchkämpfung der besonderen Ziele gläubiger katholischer Jugend. Im Liberalismus ist heute die Entscheidung über die Stellungnahme der Jugend zu den bestehenden Parteien noch garnicht gefallen. Eine Richtung, als deren Exponenten die „ Front 1929" und die „Volksnationale Aktion" hervortreten, arbeitet auf die Gründung einer neuen Partei der Jungen hin. Eine zweite Richtung, die von dem „Februar-Klub" und einem bisher noch nicht an die Öffentlichkeit getretenen Zusammenschluß jüngerer volksparteilicher Politiker getragen wird, will zunächst eine Durchsetzung der jun^on Generation im Rahmen der deutschen Volkspartei versuchen. Noch weniger geklärt ist das Verhältnis der mannigfachen jungnationalen und jungkonservativen Gruppen zu den alten politischen Organisationen. Für die eigentliche Zielsetzung der politischen Jugend sind bei den verschiedenen Gruppierungen Erwägungen außenpolitischer, innenpolitischer und wirtschaftspolitischer Natur in verschiedener Stärke maßgebend. Das Primat der Außenpolitik erfocht am leidenschaftlichsten der Jungnationale Bund. Von der europäischen 86

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.