Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 2 (1929-1930)
- Issue
- Heft 3 (August 1929)
- Date
- 1929-08-01
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Beispiele für solches Realwerden notentieller Zustände und Energien liefert die geschichtliche Wirklichkeit ebenso wie z. B. die biologische. Ueberall ist die Entwicklung eine konstante, auch da, wo uns infolge unserer Unkenntnis der nichtmanifesten Zwischenstadien das jeweilige Resultat als Sprung erscheint. Die dialektische Theorie von der einfachen und doppelten „Negation" ist also kein Ablesen des wirklichen Geschehens, sondern nur eine willkürlich abstrakte Konstruktion, die letzten Endes zurückgeht auf die fälschliche Erklärung des Werdens als Durchdringung der Gegensätze Sein und Nicht-Sein. Eine wirkliche Erklärung des Werdens ist dagegen nur möglich durch die Einführung energetischer Kategorien, Welches ist also die Funktion der Dialektik, bezw. des sog. 2. Hauptsatzes der Dialektik: Nicht die abstrakte Gegenüberstellung willkürlich konstruierter „Zustände", sondern die Aufzeigung des Verbindenden: die Erklärung der Veränderung durch Zurückgehen auf das Nicht-Manifeste und die Feststellung der Realisationsgestze dieses Nicht-Manifesten. Neben diese erklärende Funktion tritt wiederum die klärende, die hier jedoch im Gegensatz zu der oben konstatierten .klärenden Funktion nicht darin besteht, die durch Benennung mit ein und demselben Wort erreichte fälschliche Identifakation zweier im Grunde verschiedener Fakten aufzuzeigen, sondern umgekehrt darin, die durch Benennung mit verschiedenen Worten erreichte fälschliche Unterscheidung zweier Fakten durch den Nachweis aufzuheben, daß es sich hier im Grunde um zwei verschiedene Erscheinungsweisen eines und desselben Faktums handelt. Die Anwendung dieser Erkenntnis auf die Geschichte ergibt: die historische Entwicklung wird uns nur verständlich durch die Kategorie des Tuns. xMan muß zweckmäßig negieren, damit ein Entwicklungsprozeß zustandekommt, sagt Th. (S. 125). Ich muß also die äußeren empirischen Bedingungen der Wirklichkeit oder des Wirklichkeitselements, dessen Entwicklung ich erklären will, kennen und muß Einblick haben in die innere Gesetzmäßigkeit dieses Elementes. AI s Naturwissenschaftler, als Biologe z. B. muß ich die Umwelt der Organismen, deren Entwicklung ich erklären (nicht nur beschreiben) will, ebenso gut kennen, wie die innere Gesetzmäßig kit nach der die Organismen aufgebaut sind. Oder als erklärender Historiker,und besonders als Geschichtsphilosoph muß ich die äußeren Bedingungen des Geschehens ebenso gut kennen, wie die innere Gesetzmäßigkeit, die das Tun des Menschen beherrscht, d. h. ich muß ebenso seht Psychologe sein, wie Historiker. Nur dann kann ich „zweckmäßig negieren", oder besser gesagt: nur dann kann ich sowohl praktisch] das Geschehen beeinflussen, als auch es theoretisch verstehen. Das wesentlichste Moment solcher Erklärung aber ist und bleibt die Unterscheidung manifester und nicht manifester Prozesse. Nur ganz kurz sei schließlich eine Perspektive angedeutet, die sich aus der umfassenden Anwendung des dialektischen Entwicklungsprinzips ergibt: m Hif Auch Th. stellt der Epoche des Urkommunismus die Enoche der Privatproduktion (als „Negation") gegenüber, die durch die kommende sozialistische Gesellschaft als Negation der Negation abgelöst werden wird. (125). Die Marxsche Darotel1ung, die wir eben zitierten (indiv. — kap. Privateigentum — Sozialismus) widerspricht dieser natürlich nicht; der Unter- 78