Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 2 (1929-1930)
- Issue
- Heft 3 (August 1929)
- Date
- 1929-08-01
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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fälschliche Identifikation zweier im Grunde verschiedener Fakten aufzuzeigen, bezw. die Perspektiven anzugeben, unter denen ein Faktum angesehen werden kann, wenn wir diese Funktion die rektifizierende oder die klärende nennen, so müssen wir die jetzt erwähnte Funktion tjie interpretierende oder erklärende nennen. Sie besteht darin, scheinbare Gegensätze als Aeußerungsweisen und Funktionen eines Dritten zu erklären und zwar eines Dritten, das stets etwas Dynamisches ist. ^) Eine Entwicklung kommt dadurch zustande, daß ein Faktum in Bezug auf eine bestimmte Eigenschaft, d. h. eine bestimmte Form des Faktums negiert wird. Dadurch entsteht ein relativ neues Faktum mit relativ neuen Gesetzmäßigkeiten, das sich jedoch mit dem überwundenen, d. /h. negierten Faiküum insofern deckt, als es die gleiche Basis besitzt. Ob individuelles oder kapitalistisches Privateigentum — die Basis (P r i v a teigentum), die das wesentlich bestimmende Moment darstellt, bleibt die gleiche. Erst durch Negation der Negation, d. h. durch Negation der Basis entsteht ein absolut neues Faktum mit absolut neuen Gesetzmäßigkeiten (in unserem Falle: das Kollektiveigentum, bezw. die sozialistische Gesellschaft.) Auf dieses absolut neue Faktum können dann natürlich auch die Kategorien des oder der vorangegangenen Fakten keine Anwendung mehr finden3). Mit dem absolut neuen Faktum entstehen auch neue Kategorien. Theoretisch besteht jedoch auch die Möglichkeit, daß ein in Bezug auf eine bestimmte Eigenschaft negiertes Faktum noch einmal oder mehrmals in einer anderen Hinsicht negiert wird, ohne daß durch diese zweite und die folgenden Negationen bereits ein absolut neues Faktum eintritt. Nur dann, wenn eine Eigenschaft in kontradiktorischem Gegensatz zu einer anderen steht, ist das Resultat ihrer Negation eindeutig bestimmt, nur dann, wenn die Basis (das Subjekt der Eigenschaft) in kontradiktorischem Gegensatz zu einer anderen steht, besteht die Möglichkeit einer Vorherbestimmung des Kommenden, das heißt der Negation der Negation. (Allerdings auch da nur unter der Voraussetzung, daß das Gesetz von der Entwicklung in Gegensätzen ein wirkliches für die Wirklichkeit notwendig geltendes Gesetz des Geschehens ist). Kontradiktorische Gegensätzlichkeit ist (nach Marx oder besser: in Konsequenz seiner Lehre) die Voraussetzung der dialektischen Entwicklungstheorie. Die „Logik der Tatsachen" soll sich nun darin zeigen, daß diese Kontradiktorik (die ja eigentlich nur für Begriffe gilt) in der historischen Entwicklung tatsächlich real ist und wirkt. Daher behauptet die dialektische Geschichtsauffassung von sich, sie sei das exakte theoretische Abbild der historischen Wirklichkeit, sie sei aus den Tatsachen der geschichtlichen Entwicklung abgelesen. 2) Weder die eine noch die andere Funktion steht im Gegensatz zur Logik, weil deren Funktion eine prinzipiell andere ist: Feststellung der Beziehungen zwischen Begriffen, und nicnt zwischen konkreten Wirklichkeitseleinenten). 3) Natürlich ist damit nicht gesagt, daß alle Elemente des alten Zustandes aufV:» hoben sind; ein großer Teil des Alten bleibt auch in dem absolut neuen Zustand bestehen, aber nichtsdestoweniger kann man die Wandlung absolut nennen, weil die andersartige Bezogenheit aller Einzelelemente auf das neue Zentrum, auf die neue Basis jedem eine andere Bedeutung und damit auch ein anderes Wesen sibt. Zugleich entstehen auch ganz neue Elemente, aber diese s-nd aus dem „negierten* Zustand nicht abzuleiten, sie sind nicht notwendig, also vorauszusehen, sondern hängen von der empirischen Entwicklung ab. 75