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Der junge Jude · 1929-08-01 · Heft 3 (August 1929) · page 11

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der junge Jude
Volume
2 (1929-1930)
Issue
Heft 3 (August 1929)
Date
1929-08-01
Page
– (sequence 11)
Language
German
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der Lust ist, stellt sie in Wirklichkeit eine ebenso reale Größe dar. Die logische Negation besagt, daß irgend ein Faktum nicht ist, die reale Negation, daß auch das Gegenteil irgend eines Faktums mit ihm zugleich oder getrennt von ihm in der Wirklichkeit vorhanden ist. Die strenge Unterscheidung dieser beiden Negationsarten ist iür exakte Untersuchungen von größter Wichtigkeit. Man würde im Interesse der Klarheit gut tun, nicht das eine Wort „Negation" in dieser doppelten Bedeutung anzuwenden, sondern für üie Negation in der Wirklichkeit den Ausdruck „Entgegensetzung" zu gebrauchen. Manches Mißverständnis würde dadurch vermieden werden können. Eine zweite ebenso wichtige wie bekannte Unterscheidung bezieht sich auf das Anwendungsgebiet logischer und wirklicher Aussagen. Die Logik „gilt" nur für die abstrakten Begriffe, wodurch sie im Gegensatz steht zu jeder Wirklichkeitsbetrachtung (also auch zum historischen Materialismus), deren Inhalte eben die konkreten Fakten der Realität sind. Verbinden wir diesen anscheinend so banalen und doch sehr bedeutungsvollen Satz mit dem obigen, so ergibt sich: die Negation bezieht sich auf Begriffe, die Entgegensetzung auf die Wirklichkeit, oder anders ausgedrückt, nur Begriffe können negiert werden, die Wirklichkeit (z. B. die des historischen Geschehens) kann nicht in das Schema logischer Negation gepreßt werden. Gehen wir weiter: das Kennzeichen der logischen BegriffsDperationen ist die apriorische Notwendigkeit; d. h. die Urteile, daß ein Begriff sich selbst gleich ist (A gleich A), oder daß er nicht sein Gegenteil sein kann (A nicht gleich Nicht-A) sind unabhängig von aller Erfahrung (d. h. apriori) geltende, keines Beweises bedürfende (d. h. notwendige) Sätze. Das Kennzeichen der apriorischen Notwendigkeit kommt jedoch nicht einer Wirklichkeitsaussage zu. Sobald wir uns von dem Gebiet der Begriffe auf das Gebiet der Wirklichkeit begeben, können wir keine Aussage machen, der apriorische Notwendigkeit zukommt. Wir sind auf die Erfahrung angewiesen und die Gesetze, die wir finden, sind Erfahrungsgesetze, d. h. nicht im gleichen Sinne „notwendig" wie logische Urteile und Schlüsse. Aus der Erfahrung allein können wir nur die Erkenntnis mehr oder weniger gültiger Gesetzmäßigkeiten gewinnen. Angewandt auf den dialektischen Mat. ergibt dieser Satz, daß es nicht möglich ist, in der historischen Wirklichkeit ein Gesetz des Gesöhehens zu finden, dem die zwingende Notwendigkeit logischer Urteile und Schlüsse zukommt. Dies muß man im Auge behalfen, wenn man z. B. die primäre Abhängigkeit der verschiedenen in der Geschichte auftauchenden Weltanschauungen von der jeweiligen Produktionsweise und der jeweiligen Gesellschaftsform als „Gesetz" bezeichnet, oder wenn man von „Gesetzen der Dialektik" spricht. * Welches sind diese „Gesetze"? (Wir halten uns hierbei an Thalheimer). Den logischen Sätzen A gleich A und A nicht gleich Nicht-A steht der dialektische Satz von der Durchdringung, dem Zugleichsein der Gegensätze gegenüber. Dem Satz, daß eine Aussage nicht zugleich mit ihrem Gegenteil bestehen kann, weist die Dialektik nur abstrakte Gültigkeit zu: er gilt für sie nur da, wo man vo.n der wirklichen Veränderung des Dinges absieht, „Sobald ich die Dinge in ihrer Veränderung betrachte, ist A immer A und anderes; also ist A zugleich nicht A." 73

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