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Der junge Jude · 1929-08-01 · Heft 3 (August 1929) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der junge Jude
Volume
2 (1929-1930)
Issue
Heft 3 (August 1929)
Date
1929-08-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Es gibt zu denken Anlaß, daß der Ausbruch der Unruhen mit der Unterzeichnung des Agencypaktes zeitlich zusammenfällt, der einen neuen Kräftezuwachs für die Besiedlung des Landes garantiert. Und Hand in Hand mit der kolonisatorischen Entwicklung geht die des arabischen Fellachen zum klassenbewußten Proletarier. Durch den wirtschaftlichen Anschluß Palästinas an Europa und die damit verbundene Uebertragung kapitalistischer Produktionsverhältnisse werden die Klassengegensätze stärker und stärker, bis daß auch der Fellache seine Position durchschaut und sich nicht mehr zum Werkzeug des Effendi machen läßt, durch fanatische Verhetzung zur Verteidigung seiner angeblich verletzten Rechte und Heiligtümer aufgestachelt. Dann wird er rückblickend erkennen, daß jeder Poel im Lande sein Bestes zur sozial und menschlischen Befreiung des arabischen Arbeiters beigetragen, da sein eigenes Interesse ihn zwang und noch zwingt, den Fellachen aus seiner „verfluchten Bedürfnislosigkeit4' herauszureißen, um nicht der Konkurrenz seiner primitiven Lebensführung zu erliegen. Wir geben uns keiner Täuschung hin und sehen wohl, daß heute die gesamte moslemitische Bevölkerung gegen uns steht. Der arabische Arbeiter hat noch keinen Führer, der die Divergenz der Interessen zwischen Fellachen und Effendis erkennt. Bis die wirtschaftliche Entwicklung ihm diesen Führer geschenkt, ist es unsere schwere Aufgabe als Sozialisten auf unserem Standpunkt der friedlichen Verteidigung zu beharren und in steter Verhandlungsbereitschaft zu stehen. Nicht umsonst darf das jüdische Volk seine Geschichte erlebt und erlitten haben, daß wir jetzt nicht das nötige psychologische Verständnis aufbringen, um auch diese Krise zu überwinden. Wir sind tief von der Ueberzeugung durchdrun gen. mit dem arabischen Volke gemeinsam in Palästina leben zu können, und das Eecht zur Errichtung der nationalen Heimstätte auf den Boden Palästinas zu besitzen. Wir verdrängen nicht einen Araber, da wir neuen Boden fruchtbar machen und dem alten durch moderne Bewirtschaftung ein Mehrfaches seines Ertrages abringen. Unser Kampf um jüdische Arbeit hat ans vielmehr gezeigt, daß oftmals jüdisches Kapital nicht in entsprechendem gerechten Maße dem jüdischem Arbeiter Arbeit gegeben hat. Und die Regierung hat geradezu in Mißachtung des Mandates unbekümmert um den Prozentsatz der nicht in der Landwirtschaft untergebrachten jüdischen Arbeiter ohne Rücksicht auf den Beitrag des aus jüdischen Steuerquellen stammenden Geldes das Recht des jüdischen Arbeiters auf Arbeit ignoriert * Der Jischuw kann der palästinensischen Regierung die Verantwortung für die Ereignisse im Lande nicht absprechen. Mehrmals zur Zeit gewarnt, hat sie ihre Pflicht nicht erfüllt und durch Urlaub die Aemter trotz drohender Gefahr ihrer leitenden Persönlichkeiten beraubt. Dieser administrative Fehler ist ein einmaliges Versehen. Doch der Geist, in dem sie ständig Geschäfte geführt, ist aufs schärfste zu verurteilen. Wie das Kabinett Mac Donald in vielfacher Hinsicht das außenpolitische Erbe des'Kabinetts Baldwin zu liquidieren hat, so wird es auch in Palästina seine Autorität und seine Einsicht in die Verwicklungen bewähren können und müssen. Doch allzuviel erwarten wir auch von der Regierung nicht. „Nicht Dinge, sondern Bedingungen14 kann sie schaffen, unter denen wir zum Ausgleich mit den Arabern kommen und unser nationales Heim fördern, „Bedingungen" d. h. wir fordern Beamte auch in den niederen Stellungen, die gewillt sind, uns und unser Verständigungsbestreben zu fördern. Was zur Bine ausführliche Abhandlung hat hierüber J. Ben Zwi in „Palästina" Juni 1929 yeröffentlioht.4' 70

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