Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 2 (1929-1930)
- Issue
- Heft 3 (August 1929)
- Date
- 1929-08-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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keineswegs eine einheitliche Meinung in den beiden Parteien besteht. Ich weiß nicht, ob es überhaupt angängig ist, durch Aussprachen oder gar Formulierungen und Vereinbarungen die Fragen der Jugendarbeit vor der Vereinigung der Parteien in einer endgültigen Weise entscheiden zu wollen. Jedenfalls handelt es sich hier um die wichtigste Angelegenheit der gemeinsamen zukünftigen Arbeit, jedenfalls scheinen hier die Differenzierungen erheblich zu sein, jedenfalls wird auf diesem Gebiet die Einigung sich zu bewähren, ihren Erfolg oder ihren Mißerfolg zu buchen haben. Georg Landauer. ZU DEN EREIGNISSEN IN PALAESTINA. Nach Fertigstellung dieser Nummer erreichten uns die Nachrichten von den Ereignissen in Palästina. Wir nehmen daher hier nur kurz zu der Situation Stellung und behalten uns vor, noch ausührli«her darauf zurückzukommen. Das durch diesen Verzug verursachte verspätete Erscheinen des vorliegenden Heftes bitten wir in Anbetracht dessen zu entschuldigen. Wir vernehmen die Kunde von den Ereignissen in Palästina und empfinden mit doppeltem Schmerz das Unheil, das uns betroffen. Unsere Bewegung, die zionistisch-sozialistischen Jugendverbände und der Hechaluz, ist am innigsten mit Erez Israal verbunden. Denn nicht mit dem Geist allein und mit einem Teil unseres täglichen Werkes, sondern mit unserem ganzen Leben haben wir uns dem Land verschrieben. Neben den Gedanken um das Wohl und Wehe des gesamten Aufbaues beschweren jeden von uns die Sorgen um das Leben unserer Chawerim, die bereits seit einiger Zeit im Lande arbeiten und mit denen uns mehr noch als Gesinnungsgemeinschaft und gleicher Kampfeswille verbindet: Persönliche Freundschaft. Der schwere Schlag, der den Jischuw getroffen hat, mündet für uns in die klare und einfache Forderung: Verstärkung seiner Position, freie Einwanderung, daß bald und schnell unsere Minorität wachse. Die Aiijahbereitschaft der Chaluzjugend geht aus dem Bangen um das Schicksal des jüdischen Volkes auf dem Boden Palästinas gestärkt hervor. Nicht allein unser politischer jüdischer Wille ist durch die Excesse in Palästina angegriffen, sondern das Leben uns persönlich verbundener Menschen steht auf dem Spiel. Daher werden wir umso eher unsere Besonnenheit zu bewähren haben, um mit klarem Kopf die Situation zu durchschauen und uns vor jeder Psychose zu hüten. Daß der Konflikt der beiden Nationen sich an der Klagemauer entzündet und auf das religiöse Gebiet übertragen wurde, erschwert die Lösung, da damit jene Region der menschlichen Seele attackiert wird, die am schwersten erkenntnismäßiger Einsicht zugängig und jeder Einflußnahme von anderem Standpunkt aus verschlossen ist. Unsere eigene Situation wird dadurch kompliziert, daß nicht allen Teilen unseres Volkes der Besitz der Klagemauer gleich bedeutungsvoll erscheint. Wenn wir uns der trügerischen Hoffnung hingeben dürften, daß dieser äußere Anlaß des Konfliktes sein innerer Kern wäre, und mit der Beilegung des Streites um die Klagernauer für immer der Frieden zwischen uns und den Arabern gestiftet werden könnte, so sollte es an uns nicht fehlen, und wir wären bereit, um unserer Zukunft willen ein Stück unserer Vergangenheit zu opfern. Doch wir wissen, daß wir hiermit dem Empfinden der überwiegenden Majorität der Juden nicht Rechnung tragen, und wir wissen ferner, daß der Konfliktstoff ganz wo anders zu suchen ist. 60