Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 1 (1927-1928)
- Issue
- Heft 6 (November 1928)
- Date
- 1928-11-01
- Page
- Seite 197 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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und als Ersatz für direkte zionistische Arbeit hat nichts mit unserer Forderung zu tun. Kulturarbeit darf nur der Ausdruck zionistischer Stärke, ja eines gewissen Kräfteüberschusses sein. Ist sie das Gegenteil, so bleibt sie in der Tat besser ungetan. An der bloßen Füllung unserer zionistischen Versammlungssäle mit Hilfe „unanstößiger'* kultureller Themen sollte uns nichts gelegen sein. Denn es bedeutet für den zionistischen Fortschritt wenig, wenn Bildnngsideale als Selbstzweck verbreitet werden. Darüber hat uns die Aufklärungs- Epoche eine bittere Lektion erteilt. Entscheidung muß sein und muß gefordert werden. Der Streit geht hier nur um die Frage des Wann und des Wie. Ich bin der Ansicht, daß die Methode der „Ueberrumpelung" zum mindesten durch die der allmählichen Infiltration ergänzt werden sollte. Der Entscheidung muß eine Zeit der Ausreifung gelassen werden. Nichts ist der Beschleunigung des Ausreif ungspro zesses förderlicher als das Wissen um jüdische Tatbestände. Die iünt- Scheidung wird im allgemeinen umso wertvoller und zuverlässiger sein, je gründlicher dieses Wissen ist. Die Schule der jüdischen Jugend wird daher vom zionistischen Standpunkt doppelten Segen bringen: sie wird den Eintritt der Entscheidung beschleunigen und die Entscheidung selbst, wenn sie gefallen ist, vertiefen helfen. Auf eine Chance dieser Art kann keine kämpfende Bewegung verzichten* Max Mayer. DER BUNDESTAG DES 3. 3. W. B. Mehr als die Worte wirkte das Leben auf diesem Bundestag. Es konnte ja doch nichts neues gesagt werden. Wir, ein kleiner Kreis, nur innerhalb der zionistischen Welt, wir tappten im Dunklen. In Berlin tagte das A. C; Weizmann und die Exekutive waren zurückgetreten. Keiner konnte mit Gewißheit sagen, was geschehen würde. In diesem Augenblick wurde es umso stärker zum Bewußtsein geführt» wie eng wir mit dem Schicksal der Gesamtbewegung verbunden sind. Wer bis dahin noch daran zweifelte, wird es an der allgemeinen Depression gespürt haben, wie wir keinen Schritt vorwärts zu schreiten wußten, ohne Klarheit zu haben, wrelche Lösung das A. C. zur Behebung seiner schwierigen Lage gefunden. In diesem Augenblicke der politischen Unklarheit konnte von uns keine neue Erkenntnis kommen. Das Gefühl dumpfer Schwere lastete auf uns, und die kritische Situation schärfte das Verantwortungsbewußtsein der Chawerim. Obwohl keiner von uns etwas zur Aenderung der Umstände in diesem Augenblick hätte beitragen können, erkannte jeder die Verpflichtung, jetzt erst recht sich einzusetzen, weil es nun umsomehr um den persönlichen Einsatz jedes Einzelnen ging. Am ersten Abend zogen wir vom Dorf zur großen Höhle hinauf, Den Berg in Serpentinen hinan. Und wer oben schon war, sah unten noch am Fuß die Beihen der Chawerim folgen. Die Zahl unserer Menschen war sehr groß. Und wenn die an der Höhle mit Singen innehielten, klangen von unten immer neue Niggunim hinauf. Als wir am Ziel anlangten, war es gerade letzte Dämmerung. Der Weg war günstig. Ein scharfer Knick des schmalen Pfades und wir standen vor der Höhle. Zur Linken und Eechten ihres Einganges 197