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Der junge Jude · 1928-11-01 · Heft 6 (November 1928) · p. Seite 198

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Journal
Der junge Jude
Volume
1 (1927-1928)
Issue
Heft 6 (November 1928)
Date
1928-11-01
Page
Seite 198 (sequence 24)
Language
German
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prasselten zwei Feuersäulen ihre Lohe in die Luft. Und in der Tiefe der Höhle drinnen war das große Feuer, das Bundesfeuer. Es war ein imposanter Eindruck, die drei Feuergarben aus der frühen Nacht hervorleuchten zu sehen. Die Höhle war groß, mehr und mehr Menschen strömten hinein. Auf einer natürlichen Estrade aus Stein, in die Felswand geschmiegt, stand unser Jüngerenlager. Georg Lubinski sprach, was ihm der Augenblick eingab. Unsere Chawerim aus Erez hielt ihre Aufgabe in Berlin zurück. Georg sprach für sie. Seine Worte fanden offenes Ohr. Weil sie sagten, was jeder empfand. Die verantwortungsvolle, schwierige Situation fand den Bund einig. Die Berliner sangen Niggunim und Schirim, die ihnen Uri aus Erez gebracht. Eabinowitz spielte die Flöte. Mit dem Mut zur Komantik, mit dem Mut zum Leben, jenseits von Organisation und Arbeit, mit dem Mut zur Anerkennung persönlichen Gefühls und Sehnsucht. Und unsere Chawerim, mit Worten abhold jeder Illusion und Komantik, wagten sich nicht zu rühren und lauschten schweigend Eabinowitz' Spiel. Und dann kamen wieder die Jüngsten, die aus dem Lager. Mit einer mimischen Darstellung. Der Erzähler sprach eine Legende von Perez, eine Geschichte um ein Mädchen und ihre Freier, von den Wegen des Gott inbrünstig Suchenden erzählte er und von der raffenden Sicherheit eines Geldmannes. * Mehr als alle Worte wirkte das Leben auf dem Bundestag. Mehr noch, die Worte waren am Anfang das sicherste Mittel, sich nicht zu verstehen. Ein scheinbar ganz einfaches Problem stand zur Diskussion. Was sollen die älteren Menschen, die nicht Chaluzim sind, im Bunde tun? Haben sie ein Becht im Bunde zu bleiben? Oder werden sie zu einer anderen Tätigkeit, zur Politik, „verurteilt"? Die Antwort schien, gerade im gegenwärtigen Augenblick, klar und gegeben zu sein: Der Bund darf niemanden loslassen, denn nirgends außerhalb des Bundes ist gleich wirksames zionistisches und sozialistisches Leben; wer den Bund verläßt, geht heute oft genug der Bewegung verloren. Und doch war diese Antwort für den Bund nicht ausreichend und überzeugend. Weil es um eine viel tiefere Sorge ging. Es war garnicht so sehr die Furcht vor den Aelteren, die den Bund in seinem Wesen verändern könnten, ihn zu inadäquaten Zielen führen könnten. Der Jungjüdische Wanderbund wird als ein ideologisch entschiedener Bund immer seinen Charakter von den Aelteren erhalten. Der Kampf und die Auseinandersetzung hatten tiefere Gründe: Die Sorge um die Richtigkeit und Sicherheit des eigenen Weges war die Grundlage dieser Auseinandersetzung. Zwei Gruppen bekämpften einander, um so die Berechtigung ihrer eigenen Existenz erweisen zu können, teilweise auch, um so die Zweifel über den eigenen Weg überwinden zu können. Der Tatbestand war der, daß trotz der unvermindert starken Betonung des Gedankens der Hachscharah das Verhältnis von Chaluzim zu Nichtehaluzim im Bunde sich zu Ungunsten der Chaluzim verschoben hat, daß der Gedanke der Hachscharah in seiner Werbekraft abgenommen hat. 198

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