Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 1 (1927-1928)
- Issue
- Heft 6 (November 1928)
- Date
- 1928-11-01
- Page
- Seite 192 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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In den Arbeitsgemeinschaften und Seminaren auf der Gründlage hebräischer Textlektüre kann der Stoff allen Gebieten jüdischer Wissenschaft und Kunst, sowie jüdischen Lebens entnommen sein. Der Vortrag, beziehungsweise Meinungsaustausch bei diesen Veranstaltungen kann auf Wunsch der Teilnehmer in hebräischer Sprache erfolgen. 2. Geschichte. Ein kurzer Übersichtskurs, der mindestens zweimal im Jahre stattfindet und auf etwa sechs Doppelstunden konzentriert wird, soll mit dem Umkreis der jüdischen Geschichte, ihrem tatsachenmäßigen Verlauf bekanntmachen. Die Ereignisse werden berichtet. Dabei werden besonders jene Entwicklungsabschnitte hervorgehoben, die im Positiven oder im Negativen für die Folgezeit wirksam geworden sind. Die Darstellung erfolgt nicht ohne: 1. Vermittlung übersetzter und leicht zugänglicher Quellenschriften; 2. ständiges Zurückgreifen auf geographische Begebenheiten mit Hilfe von Karten; 3. Anschauungsmaterial, sei es durch Führungen in Sammlungen oder durch Projektion von Bildermaterial. Abgesehen von diesem Üb er Sichtskurs werden begrenzte Epochen oder Fragen der jüdischen Geschichte in kurzfristigen Kursen und Arbeitsgemeinschaften behandelt. 3. Bibel, Talmud und Midrasch. Wir sind zu der Hoffnung berechtigt, Dr. Martin Buber dafür zu gewinnen, daß er im Winter dieses Jahres eine Arbeitsgemeinschaft über ein Gebiet aus der Bibel abhält. Sie soll sich über ungefähr 14 Tage erstrecken und etwa dreimal in der Woche einen ganzen Abend in Anspruch nehmen. * Die Lektüre von Originaltexten wird zum Teil innerhalb der hebräischen Arbeitsgemeinschaft geschehen. Es sind auch kurze Einführungs- und Übersichtskurse vorgesehen; auch Arbeitsgemeinschaften unter Zugrundelegung von Übersetzungen haben Raum. . 4. Jüdische Literatur. Hier kommen zunächst Sonderveranstaltungen in Betracht. Diese sollen in einer ein- oder zweimaligen Vorlesung von je zwei Stunden bestehen. Daneben sollen nach Wunsch Arbeitsgemeinschaften von kurzer Dauer stattfinden, die sich ein begrenztes Thema zum Gegenstand nehmen. 5. Jüdische Musik. Aus diesem Stoff soll zuerst dasjenige Berücksichtigung finden, was dem Jugendlichen besonders nahesteht, seine begrenzte, zufällige Kenntnis der jüdischen Musik erweitert und außerdem tür das bündische Leben wichtig ist. Also in erster Linie das jüdische Volkslied in seinen wichtigsten, vitalsten und unbekannteren Bespielen. Die Auffassung vom Wesensgebiet der jüdischen Musik soll vom bekannteren Volkslied und von der synagogalen Musik besonders nach der Seite des alten unbekannteren orientalischen Volksliedes und der modernen jüdischen Kunstmusik erweitert werden. Die Methodik des Unterrichts stellt einen neuartigen Versuch dar: Verbindung von Unterweisung und Chor. Der systematisch geordnete Stoff wird durch das Auditorium selbst gesungen. Auch ein Orchester mit primitiven Instrumenten (zum Beispiel orientalisch-palästinischen) wird eingerichtet. Daneben erfolgt eine Einführung in die Grundlagen der Musik. 6. Philosophie. Hier haben neben Einführungen Arbeitsgemeinschaften über Quellenschriften Raum. Der Stoff wird so gewählt, daß alles beiseite gelassen wird, von dem der Dozent nicht zu sagen hat, was uns angeht. In der Gegenüberstellung des jüdischen Stoffes mit Griechentum, Arabertum, Europäertum soll das eigentlich Jüdische herausgearbeitet werden. 7. Gesell schaftsieben. Hierher gehört die umfassende Darstellung der gesellschaftlichen ökonomischen und kulturellen Bedingungen, unter denen sich das jüdische Leben in aller Welt abspielt; es gehört hier- 192