Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 1 (1927-1928)
- Issue
- Heft 6 (November 1928)
- Date
- 1928-11-01
- Page
- Seite 191 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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gende oder sie tief beeinflussende Wirkung haben Diese entscheidende Forderung wird unsere Schule von den bereits existierenden kulturellen Institutionen aller Art unterscheiden. Hierzu bedarf es eines eigentümlichen Typs des Lehrers. Er muß zur Jugend lebendige Beziehungen haben und sie verstehen können. Auch sein Wissensgebiet, das er natürlich beherrschen muß, darf ihm nicht nur Stoff, sondern muß ihm eine lebendige Aufgabe bedeuten. Es gibt Menschen, die aus der Jugendbewegung kommen und dieser Aufgabe gewachsen sind, und wir sind glücklich, auch in der älteren Generation jüdischer Gelehrter eine ganze Anzahl solcher Lehrer zu finden. Der lebende Kontakt zwischen Lehrer und Schülerschaft wird noch durch einige Einrichtungen gewährleistet: 1. soll grundsätzlich keine Lehrstunde stattfinden, an die sich nicht ein lebendiges Gespräch knüpft, wie überhaupt, wo es irgendwie möglich ist, das Verhältnis zwischen dem WTissen übermittelnden Dozenten und den es empfangenden Hörern umgewandelt werden soll in eine lebendige Lerngemeinschaft unter Führung des Dozenten; 2. soll einmal wöchentlich ein freier Aussprachabend für alle Glieder der Schule gemeinsam abgehalten werden, der teils die Funktionen einer Schulgemeinde erfüllen soll (mit der Möglichkeit der Kritik und der Diskussion neuer Anregungen), zum anderen Teil der Aussprache über solche Probleme dient, die im Zusammenhang mit dem inneren Leben der Schule oder mit Ereignissen in der jüdischen Welt entstehen; 3 wird zweimal in der Woche eine Sprechstunde abgehalten, in der jeder Teilnehmer der Schule einzeln beraten werden wird. Die Einzelaussprache wird auch mithelfen, denjenigen Klarheit zu verschaffen, die noch nicht genau wissen, welche Veranstaltungen sie mit dem meisten Gewinn in Anspruch nehmen können. Freie Veranstaltungen außerhalb des LehrpTOgramms und die hoffentlich zu bewerkstelligende räumliche Verbindung mit einem allgemeinen jüdischen Jugendheim werden dazu beitragen, unsere Schule zu einem lebendigen Zentrum der jüdischen lugend zu machen. Das Programm. Der Rahmen des Lehrprogramms ist so weit als möglich gespannt. Prinzipiell steht die Schule der Behandlung aller jüdischen Fragen offen. Indessen muß stets insbesondere im Hinblick auf die Majorität derjenigen, die als Anfänger in die Schule kommen, ein Minimum geboten werden. Für die folgenden Gegenstände soll unter allen Umständen im Rahmen der Schule gesorgt werden: Hebräisch, jüdische Geschichte, Bibel, Talmud und Midrasch, jüdische Musik, Literatur, Philosophie und Gesellschaftsleben. Für den Unterricht in diesen Fächern gelten (abgesehen von den bereits dargelegten allgemeinen Grundsätzen hinsichtlich der Art der Wissensvermittlung) die folgenden Bestimmungen: Stoffgebiete. 1. Hebräisch : Entsprechend der notwendigen Stellung des Hebräischen und der hebräischen Spracherlernung innerhalb jedes lebendigen jüdischen KuiturstreDens ist das Ziel des hebräischen Unterrichts in unserer Schule die intensive Verknüpfung des Jugendlichen mit jüdischem Kulturgut und Kulturschaffen. Unterrichtsmethode: Es werden sofort vollwertige Originaltexte verwendet. Die zu Anfang notwendigerweise überwiegenden sprachlichen Erk.ärungen sollen allmählich hinter die inhaltlichen Erläuterungen zurücktreten. Die Spracherlernung erfolgt in der konzentrierten Methode, die ein gebildeter Erwachsener anwendet, um in kurzer Zeit intensiv in Geist und Sprache einer Kultur einzudringen. Aussprache: Diese Frage wird nicht prinzipiell entschieden. Beide in Betracht kommenden Hauptaussprachen (sephardisch und polnischaschkenasisch) sind gleichberechtigt. Die Zugrundelegung der einen oder der anderen ist vom Wunsche der Kursteilnehmer abhängig. 191