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Der junge Jude · 1928-11-01 · Heft 6 (November 1928) · p. Seite 190

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Journal
Der junge Jude
Volume
1 (1927-1928)
Issue
Heft 6 (November 1928)
Date
1928-11-01
Page
Seite 190 (sequence 16)
Language
German
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tragen, soll sie mit ihrem Leben und mit ihren Bedürfnissen verbunden sein. Und das Wissen soll so vermittelt werden, daß die jüdische Bildung zu einem wirksamen Bestandteil der lebendigen Persönlichkeit wird. Ist das Wissen um das Judentum eine Voraussetzung dafür, um überhaupt zu jüdischen Dingen Stellung zu nehmen, so darf dieses Wissen doch nicht gleichsam in einem Bezirk vor den Toren der Persönlichkeit seinen Platz haben, es muß vielmehr ein Teil des Lebens werden. Dabei wird sich die Schule nicht damit begnügen können, vorhandene Bedürfnisse zu befriedigen, sie wird vielmehr alles tun, um neue Bedürfnisse zu wecken. „Das Gebenwollen der Schule wird die Offensive ergreifen und das Habenwollen nicht untätig abwarten.1' Eine besondere Bedeutung kommt in diesem Zusammenhange dem Zusammenwirken der nach verschiedenen jüdischen Richtungen gespaltenen Jugendlager zu. Alle diese Gruppen haben den Wunsch, aktiv in die Gestaltung des Judentums und seiner Schicksale einzugreifen. Dazu bedarf es einer inneren Vertrautheit und Nähe zu den jüdischen Dingen, die in sehr vielen Fällen fehlt. Die Auseinandersetzung über die großen Gesichtspunkte wird ein anderes Gepräge erhalten, wenn sich Gruppen gegenüberstehen, nachdem sie sich die Voraussetzungen hierfür erarbeitet haben. Die Möglichkeit einer solchen Auseinandersetzung soll übrigens in der Schule selbst schon gegeben sein. Im Hintergrunde steht das Zukunftsbild einer jüdischen Jugend, gruppiert um ein großes Haus mit der Schule als Kernstück und intensivem gemeinsamen Leben und Leinen. Unterschiede der Ueberzeugung und jüdischen Haltung sollen dabei nicht verwischt werden. Der Aufbau. Die Schule soll, wie hervorgehoben worden ist, jüdische Bildung zu einem lebendigen Bestandteil junger jüdischer Menschen machen. Dabei wird an drei Typen jüdischer Jugendlicher gedacht: 1. soll der bisher in jüdischen Dingen gänzlich Uninform i e r t e die Grundlage einer jüdischen Bildung, und zwar in einem systematischen Aufbau erhalten. Uebersichts- und Einführungskurse, die aber nicht primitiv sein dürfen, sondern aus dem Vollen schöpfen sollen, sind hier vorgesehen. Natürlich kann der jüdische Bildungsgrad allein nicht maßgebend sein. Eine Uebersicht über die jüdische Geschichte etwa wird für 16jährige anders als für 20jährige angelegt sein müssen, selbst wenn sich beide als Anfänger auf diesem Gebiete gleichen. 2. soll der bereits in seiner jüdischen Bildung Fortgeschrittene seiner Neigung entsprechend in besonderen Arbeitsgemeinschaften sein Wissen vertiefen können. Es ist das Grundübel aller unserer Bildungsversuche, daß interessante Anfänge und Ausschnitte keine Zusammenfassung oder systematische Fortsetzung erfahren. In den Arbeitsgemeinschaften soll die Möglichkeit gegeben sein, immer tiefer in die Dinge einzudringen und sie sich im einzelnen nahezubringen. 3. Aber selbst der ausgezeichnet jüdisch Gebildete soll Veranstaltungen der Schule mit Gewinn in Anspruch nehmen können. Damit soll die Möglichkeit gegeben sein, auch solche Menschen in den Organismus der Schule einzubeziehen, die bereits viel Arbeit auf die Aneignung jüdischer Werte verwendet haben und die nun keine Stelle finden, wo ihre Bedürfnisse nach weiterer Vertiefung und Durcharbeitung befriedigt werden können. Das Hineinwachsen solcher Menschen in das Leben der Schule wird diese nach der sachlichen Seite hin entscheidend bereichern und die Kontinuierlichkeit sichern. Methode. Soll die Schule ein einheitliches Gebilde sein, dann ist es die Artder Wissensvermittlung, die in allen Stufen und Gruppen von einem einheitlichen Geiste getragen wird. Es soll weder schulmäßig, noch akademisch wissenschaftlich unterrichtet werden, sondern alles, was gelehrt und gelernt wird, soll eine von der Persönlichkeit des „Lehrers" ausstrahlende und die jüdisch-menschliche Haltung des „Schülers" erzeu- 190

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