Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 1 (1927-1928)
- Issue
- Heft 6 (November 1928)
- Date
- 1928-11-01
- Page
- Seite 188 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Wir sehen hier, daß eine doppelte Zuordnungs- und Bezugsmögliehkeit prinzipiell gegeben ist, und daß daher keine vor der anderen den Vorzug beanspruchen kann. In Wirklichkeit wird die Bezugnahme auf das eine als feststehend nur im Denken vorgenommen; in unserem Handeln und im Leben ist diese Trennung nicht vorhanden. Unsere Zugehörigkeit zur Nation ist eine gegebene Kategorie. Wir wissen, daß für viele von uns in abstracto die Möglichkeit der Entscheidung entweder für die deutsche oder für die jüdische Nation möglich ist. Wir wissen, daß wir erst dann Zionisten sind, wenn wir die jüdische Nation lieben, uns als ihr Teil fühlen und durch Erwerbung jüdischen Kulturguts zu legitimen Bürgern dieser Nation werden. Aber die Tatsache, daß unsere Zugehörigkeit zur jüdischen Nation uns individuell als Aufgabe gestellt ist, verschafft der nationalen Kategorie noch kein Primat vor der mit ihr gleichberechtigten Sozialen Kategorie des Sozialismus. Wir können hierin keine Schwächung unserer zionistischen Idee erblicken. Es liegt uns daran, gerade in diesem Punkte die ältere zionistische Generation ganz zu verstehen. Wir wollen nicht nur festgestellt wissen, daß Zionisten in Deutschland das Primat des Zionismus aufstellen, den Zionismus als den Wert konstituieren, dem alles andere zugeordnet wird. Wir möchten gern die menschlichen und gedanklichen Kräfte kennenlernen, die allgemeinen Grundsätze wissen, von denen aus man zu dieser Zuordnung kommen kann. Und zwar genügt es dabei nicht hinzuweisen auf unsere bedrohte jüdische Existenz, die den Zionismus als erste Forderung erheischt, genügt es nicht zu sagen, daß der wahre Zionist zuerst Ziemst und dann alles andere ist, weil für uns, ohne daß wir uns in einer gedanklichen Konstruktion verlieren, die Not des jüdischen Volkes, soweit sie unmittelbar durch den Zionismus überhaupt behoben werden kann, zu beheben ist durch sozialistischen Zionismus, das heißt durch denjenigen Zionismus, der zugleich mit der Erneuerung des Volkes die Erneuerung seines gesellschaftlichen Lebens erstrebt. Hierzu bedürfen wir der Wiedererlernung der Sprache unserer Umgebung, einer ständigen Auseinandersetzung in unserem Verhältnis als Einzelne zu der bisher als selbstverständlich vorausgesetzten Gemeinschaft des jüdischen Volkes und einer immer tieferen Analyse der Situation desjüdischen Volkes, die das gemeinsame Erkenntnismittel des Zionismus und des Sozialismus ist. DIE SCHULE DER JÜDISCHEN JUGEND Im Folgenden veröffentlichen wir zunächst das vom Sekretariat der Berliner Schule der Jugend zur Versendung gebrachte erste Informationsblatt, das ein umfassendes Bild über Ziel und Programm der Schule gibt Im zweiten Teil geben wir dann einem unserer Mitarbeiter das Wort zu einer Stellungnahme. Die Redaktion. Entstehung des Gedankens. Der Gedanke einer Lerngemeinschaft der jüdischen Jugend in allen ihren Teilen wurde zuerst in einem Vortrag ausgesprochen, den Rabb. Joachim. Prinz innerhalb eines Vortragszyklus der Freien Jüdischen Volkshochschule Berlin über Fragen der jüdischen Jugendbewegung hielt. Seine Argumentation, die er dann ausführlich in 188