Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 1 (1927-1928)
- Issue
- Heft 6 (November 1928)
- Date
- 1928-11-01
- Page
- Seite 185 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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GEORG LUBINSKI: ZIONISMUS UND SOZIALISMUS Dr. Gustav Krojanker hat in Nr. 68 der „Jüdischen Kundschau" vom 28. August 1928 in einem längeren Aufsatz zu der Einleitung Stellung genommen, die in Nr. 1 dieser Zeitschrift gegeben worden ist. Wir haben darin unsere Generation als die dritte zionistische Generation gekennzeichnet, die in dem Augenblick zum Zionismus gekommen ist, als Palästina schon als eine Wirklichkeit für diese Entscheidung mitbestimmend gewesen ist. Andererseits wurde darauf hingewiesen, daß diese Palästina zugewandte Jugend keine gemeinsame Sprache mit unserer nichtzionistischen Umgebung mehr finden könne. Wir gingen dabei von dem Zionismus, der Bejahung des nationalen Gedankens für das jüdische Volk, als einer für unseren Kreis selbstverständlichen Ueberzeugung aus. Krojanker geht gegen diese Ueberzeugung in sehr ernsten, den Weg zu einer aufrichtigen Auseinandersetzung eröffnenden Ausführungen an. Er sagt, unsere Generation hätte den Zionismus nicht hervorgebracht, sie sieht im Zionismus nur den Kähmen zur Durchsetzung sozialistischer Ziele. Er glaubt uns unseren Sozialismus, er ist aber besorgt um unsere zionistische Sicherheit. Es erscheint ihm „beängstigend, wenn unsere sozialistische Jugend, soweit sie vom Westen kommt, sich nicht immer wieder der Frage zuwendet, weshalb sie ihr Sozialismus gerade zum Zionismus führen mußte. Das ist, fährt Krojanker fort, wenn man vom Sozialismus herkommt, alles andere als selbstverständlich; es ist durchaus problematisch." Die Entscheidung zum Sozialismus zwingt keineswegs zur Entscheidung zum Zionismus, im Gegenteil: Tatsachen beweisen, daß gerade die Entscheidung zum Sozialismus oft genug vom Judentum fortführt. Deshalb steht der sozialistische Zionist wie jeder andere Zionist vor der Aufgabe, seine zionistische Entscheidung für sich zu sichern und gegenüber anderen zu begründen. Das Nationale muß auch vom Sozialisten als Wert begriffen und voll bejaht werden, jeder einzelne hat daher mit der Problematik seiner nationalen Existenz zu ringen. Daß von diesem Ringen bei uns wenig zu spüren ist, beunruhigt den Verfasser des Aufsatzes. Diese Kritik ist für uns äußerst wichtig. Zur Klarstellung muß vorweg bemerkt werden, daß der Aufsatz in Nr. 1 des „J. J." einen Teil der Kritik an unserer zionistischen Haltung selbst geübt hat, denn, wenn wir sagten, daß uns die gemeinsame Sprache mit unserer Umgebung fehlt, so richtete sich der Vorwurf gegen uns: wir sollten versuchen, diese Sprache wieder zu finden, ohne allerdings dieser Gemeinsamkeit der Sprache unsere zionistische Entschiedenheit zu opfern. Wir sagten: wenn der Arbeiterzionismus heute der aktivste Teil der zionistischen Bewegung ist, dann muß er auch in die nichtzionistische Welt Bresche schlagen. Das sehen wir selbst und dazu brauchen wir eine gemeinsame Sprache. Wesentlicher ist für uns der Hinweis Krojankers, daß uns Zionismus so zu einer Selbverständlichkeit geworden ist, daß wir ihn nicht hervorgebracht hätten. Wichtig auch die eng damit zusammenhängende Bemerkung, „daß diese Generation schon deswegen mit 185