Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 1 (1927-1928)
- Issue
- Heft 6 (November 1928)
- Date
- 1928-11-01
- Page
- Seite 184 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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haben eine Liste aller Vortragenden aufgestellt, die etwas zu sagen haben. Wir haben uns bereits an sie zu wenden begonnen — viele boten ihre Dienste selbst an, darunter Bialik —, die meisten werden sieh dieser Arbeit freiwillig unterziehen, aber einige werden gezwungen sein, gegen Honorar zu arbeiten. Zu den folgenden Fächern wären uns Vorträge erwünscht: 1. Naturwissenschaften, 2. Sozialwissenschaften, 3. Jüdische Geschichte, 4. Weltliteratur, 5. Hebräische Literatur aller Sprachen, 6. Kunst, 7. Geographie, 8. Jüdische Volkskunde, 9. Philosophie. Wir versuchten in diesem Jahre mit verschiedenem Erfolg, Seminare einzurichten, in Jerusalem, Tel-Aviv und Haifa und — last not least — das Seminar für die arbeitende Jugend, die aus dem ganzen Lande nach dem Jugenddorf Ben-Schemen versammelt worden war. Sollten wir im künftigen Jahre diese Tätigkeit nicht fortsetzen, erweitern und vertiefen können? In diesem Jahre hatten wir einen besonders hohen künstlerischen Genuß durch die Wanderveranstaltungen der „Habimah'\ aber auch unsere eigene Bühne vernachlässigten wir nicht und unterstützten sie mit unserem letzten Gelde — freilich nur Groschen — „Ohel". Unsere Publikationstätigkeit lag in diesem Jahre beinahe brach. Ein Verlag, der dem hebräischen Leser die TJebersetzungen von Werken Kropotkins, Lasalles schenkte, dem Chaluz Chrestomathien über das Arbeiterleben darbot, die hebräische Fachliteratur durch ein Buch über Geflügelzucht bereicherte, — können wir uns dieser Tätigkeit entsagen, da sich kein anderer Träger findet? Nein! Wir wollen die Erziehung vervollkommnen und sie auf neue Grundlagen stellen! Die Zentrale Schule haben wir zu errichten beschlossen und wir werden uns durch sie ein Erziehungsinstitut für die arbeitende Jugend schaffen vom Kindesalter bis zur Zeit ihrer Selbständigkeit und Anteilnahme an dem Aufbau der sich erneuernden Nation; der arbeitenden Jugend in den Städten wollen wir die Möglichkeit fachlicher Ausbildung durch Fachkurse geben und ihre allgemeine und jüdische Bildung erweitern; jedem Lesenden und Lernenden wollen wir jedes Buch, das er braucht, in die Hand geben; wir wollen eine Wander-TJniversität gründen, die mit tausend Vorträgen im Jahre beginnt und sich noch weiter entwickeln wird und das Leben unserer arbeitenden Brüder im Lande vertiefen helfen soll; ihnen und allen Chaluzim in allen Ländern, die sich für die Aljiah vorbereiten, wollen wir die Universität auf schriftlichem Wege geben; aus dem Streben, unserem neuen Schaffen künstlerischen Ausdruck zu verleihen, wollen wir Kunst und Kunstverständnis verbreiten, Kunst in allen ihren echten Aeußei'ungen. Zur Steigerung dieses unseres Kulturwillens haben wir uns hier zu dieser Beratung versammelt. Von hier muß unser Euf an die ganze zionistische Welt ausgehen, der Euf nach Opferbereitschaft für die Hebung des kulturellen Niveaus unseres Lebens im Lande, ein Kuf zur intensiven Teilnahme an unserem neuen und originalen kulturellen Schaffen! 184