Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 1 (1927-1928)
- Issue
- Heft 6 (November 1928)
- Date
- 1928-11-01
- Page
- Seite 183 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3497353-3497354-3497360--208-3521845- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
die Grundelemente der hebräischen Sprache, etwas Bibel, Jüdische Geschichte und die Anfangsgründe im Rechnen, in Naturkunde und Geographie lernen. Unsere Absicht ist es, dieses Lehrprogramm noch zu vermehren, und noch Hunderte, vielleicht sogar Tausende von Schülern in die Schulen für die arbeitende Jugend einzubeziehen. Das sind diejenigen, die nach uns bauen, auf sie setzen wir unsere große Hoffnung. Wenn wir von ihnen unsere Hand abziehen und sie sich selbst überlassen, führen wir sie selbst an den Eand des Abgrundes, der Finsternis und der Verzweiflung und öffnen vor ihnen selbst den Weg zur Flucht vor uns und unseren Träumen, und Gott weiß, wie viele Netze nach ihnen von unseren Feinden ausgelegt sind, die eifersüchtig auf unsere Arbeit blicken. Bis jetzt haben wir nur über unsere Tätigkeit gesprochen, die sich auf die Anfänger und der Sprache Beraubten bezieht. Aber der größte Teil unserer Brüder hat die Schwierigkeiten der £praeherlernung bereits überwunden oder kam bereits mit großen Sprachkenntnissen hierher, und sie brauchen ein wirkliches Kulturleben, in erster Linie das Buch, dann den Vortrag und schließlich künstlerischen Genuß. Für sie gründeten wir die Zentrale Bibliothek, die im Jahre 1918 gleich nach dem Kriege entstand und heute 70.000 Bände zählt! Etwa 95 Punkte nutzuießen sie, etwa 7000 Menschen lesen sie, und wenn wir noch das Weiterleihen mithinzurechnen, werden es 10.000 Leser sein! Das ist ein kultureller Schatz, aber wenn wir das hohe Kulturniveau unserer Menschen in Betracht ziehen, wenn wir uns vor der Tatsache nicht verschließen, daß das Buch hier — außer der Zeitung — die einzige Berührung mit der weiten Welt bedeutet, wenn wir nicht vergessen, daß wenigstens eine dreimal so große Zahl unserer Menschen lesen will und kann, dann verstehen wir, wie nötig eine Erweiterung unserer Bibliothekstätigkeit ist, wie sehr v/ir verpflichtet sind, sie auszubauen, wenn wir wirklich den in allen Kolonien, Mosohawim und Kwuzoth und auch in den Städten herrschenden Hunger stillen wollen, und das ist unsere Absicht. Wir versuchten in diesem Jahre, an Dutzenden von Punkten Vorträge zu arrangieren. Die Vorträge waren verschiedener Art: über politisch-wirtschaftliche Themen, aber auch über die Haskalah- Literatur, über Geographie und Ethnographie Palästinas, aber auch über Chassidismus, Agada und Philosophie, über K. Mosche Chajirn Luzzatto und Brenner, über Buber und Gorki. Die meisten Vorträge sind freudig begrüßt worden. Aber erstens haben wir nicht alle Punkte versorgen können, und der kleine, isolierte Ort hat mehr Anspraclisrecht auf uns als der große, zweitens war die Zahl der Vorträge an jedem Ort nur klein und genügte nicht, den Durst zu stillen. Und ^drittens waren die Vorträge vereinzelt,, zufällig, und fügten sich nicht zu einem organischen Ganzen zusammen. Daher haben wir für das künftige Jahr ein Programm von tausend Vorträgen zusammengestellt, die an allen Orten, außer den Städten, in der Weise gehalten werden, daß besonders kleine Punkte je 5, mittelgroße je 10 und große je 20 Vorträge jährlich erhalten. Wir 183