Mannheim
Compact Memory

Der junge Jude · 1928-11-01 · Heft 6 (November 1928) · p. Seite 181

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der junge Jude
Volume
1 (1927-1928)
Issue
Heft 6 (November 1928)
Date
1928-11-01
Page
Seite 181 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
99% known words query
IRI
…/3497353-3497354-3497360--206-3521843
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

enthüllung und zur Einführung seiner besonderen Melodie in diese Wunder weit. Bei unserem Streben nach Originalität haben wir auch nicht im geringsten auf die Weltkultur verzichtet, an der wir nur das Nebensächliche ablehnen, während wir allem Wesentlichen an ihr mit ganzer Seele nachhängen. Alles Menschliche ist uns nicht fremd. Das menschliehe wissenschaftliche Denken, die menschliche gesellschaftliche Tätigkeit, das menschliche künstlerische Schaffen — all dies zieht uns an, für all dies haben wir einen offenen Sinn, nach all seinem Ausdruck sind wir durstig, um es in uns einzusaugen, uns daran zu sättigen, es zu verdauen, es uns anzupassen, in eine eigene Form zu kleiden und so das Schaffen fortzusetzen. Bei diesem Festhalten an der Weltkultur und der nationalen Kultur gelangten wir zur Umwertung von Werten, zur Schaffung neuer Werte, zur Schaffung eines neuen persönlichen Typus, eines neuen sozialen Typus, eines neuen nationalen Typus, in voller Gläubigkeit und reinen Herzens. Wir bekamen alle Schmerzen des Schaffens aus dem Leben, aus dem Denken, aus der Empfindung heraus zu spüren. Und daher ist uns nicht nur die Generation, die nach uns kommt, teuer — unsere Sorge um sie bezeugt unser Suchen auf dem Gebiet der Erziehung —, sondern auch unsere eigene Generation. Jede Generation, die ihre Erwartungen nur an die heranwachsende Schuljugend knüpft, stellt sich das Zeugnis aus, daß sie von sich selbst nichts zu erhoffen hat, und wie sollte sie also zum Erblasser ihrer Söhne werden können0? Wer die Brücke abgebrochen hat, wie sollte der ans andere Ufer gelangen? Unsere suchende Generation weiß, was sie sucht: indem sie die Kultur als Summe von Ideen, Idealen, Lebensformen, Institutionen und großen Persönlichkeiten konzipiert, strebt sie danach, alle diese Dinge zu erkennen, ihren Gehalt zu bereichern und ihre Form zu vervollkommnen. Wir haben in Bezug auf uns selbst nicht resigniert, und daher ist uns die Kulturarbeit unter den Erwachsenen so wichtig. Wenn es uns vergönnt war, die hebräische Sprache Tausenden und Abertausenden von Männern und Frauen zu schenken, so haben wir dabei das Bewußtsein, daß wir die Wiederbelebungsarbeit bei uns selbst begonnen haben und daß wir es vielen ermöglichten, an die Quelle unseres Lebens heranzukommen. Die Tätigkeit der „Waadath Hatarbuth" hinsichtlich Abendkurse erstreckte sich im Jahre 1923 auf 11 Orte mit 1500 Lernenden. So viele lernten auch im Jahre 1924; aber in den Jahren 1925, 3926 und 1927 stieg die Zahl der Lernenden auf 2000, 4000 und 3500. Im letzten Jahre ist die Zahl zurückgegangen: es lernten bei uns an 18 Punkten mit Hilfe von 34 Lehrern nur 1800 Personen. Muß man die Gründe dafür erklären? Aber einen großen Trost sehen wir darin, daß in diesem Jahre viele lernten, die wir bereits zur Kenntnis der Sprache erzogen, in die Bibel, die Agada und die Literatur eingeführt haben — in der neuen Literatur lernte man in diesem Jahre Feierberg, Mendele, Perez, Bialik und Tschernichowsky —, ebenso in die Palästinakunde und jüdische Geschichte. Tm kommenden Jahre erwarten wir eine Erneuerung der Ali j ah, und 181

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.