Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 1 (1927-1928)
- Issue
- Heft 6 (November 1928)
- Date
- 1928-11-01
- Page
- Seite 179 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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cutive zu stürzen und dann durch Stimmenthaltung wieder zuzulassen, daß die Executive mit Sacher ihr Amt weiter verwalte. Wer die Executive mittelbar oder unmittelbar zu Fall bringt, muß, wenn auch noch nicht klar das Bild einer neuen Exekutive sehen, so doch mindestens wissen, daß man nicht dieselbe Leitung wiederzuwählen hat. Sacher zu beweisen, daß eine erdrückende Mehrheit gegen ihn ist, wird wirkungslos, wenn er wieder ins Amt gelassen werden muß. Aber in dem Gesamtüberblick über die Sitzung des Actions- Oomitees hat die Frage der Exekutive eine geringere Bedeutung im Verhältnis zu den übrigen Ergebnissen dieser für den Zionismus bedeutungsvollen Zusammenkunft. f)as Gefahrenmoment aus der Erweiterung der zionistischen Bewegung ist im Augenblick abgewehrt, das Nutzmoment hat sich jetzt zu erweisen. JEHUDA KAUFMANN: KULTURARBEIT DER PALÄSTINENSISCHEN ARBEITERSCHAFT Aus dem Referat bei der Eröffnung der Kulturberatung in Tel-Aviv vom 20. Elul 5688 (nach einem Bericht des „Dawar")» Die allgemein anerkannte Formel: Wiederbelebung der Nation, des Landes und der Sprache ist vollkommen inhaltslos, wenn sie nicht Hebung des menschlichen Niveaus eines jeden von uns bedeutet. Denn was war die Tragödie der Galuth, wenn nicht das Fehlen des menschlichen Inhalts trotz des Vorhandenseins der nationalen Form in der einen Periode, wenn nicht das Zusammenschrumpfen der inneren Kulturbedürfnisse, die erst das Individuum emporheben und die Nation bereichern, in einer anderen Periode, wenn nicht — wie in der letzten Zeit — die Entfernung von den Quellen originalen Lebens. Seit den Tagen der Haskalah war das Verhängnis unserer Kleinheit — das Parasitentum. Wir befanden uns im Schlepptau des Wirtschaftslebens jeder einzelnen Nation und daher riefen uns die ersten Aufklärer (Maskilim) zur „Tat" auf; aber ihr Ruf war wie eine Verspottung des Armen und erst hier, in Palästina, haben wir die rechte Formel gefunden: Arbeit! Verantwortungsübernahme auf allen Gebieten menschlicher Arbeit, Umfassung des Lebens in seiner Gesamtheit, Lossagung vom Parasitentum. Aber noch mehr als das wirtschaftlich-soziale lastete auf uns der Fluch des kulturellen Parasitentums, und zwar entweder eines wirklichen oder eines nur eingebildeten. Es schien uns, daß wir nur von herrenlosem Gute leben, daß wir uns an jedem Tische einfinden, nachdem er bereits gedeckt ist, daß wir an ihm wie Eingeschlichene sitzen, die abfallenden Brocken auflesen und heimlich lecken. Wir föhlten in unserem ganzen Schaffen Mangel an Originalität, Ursprünglichkeit, Frische. Wenn einer von uns zu Größe gelangte und Hervorragendes schuf, wußten wir nicht, ob er dies alles -aus unserer eigenen Kraft oder aus der der anderen zeugte, deren Kultur er allzeit in sich einsog. Denn so viele Sprachen 179