Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 1 (1927-1928)
- Issue
- Heft 6 (November 1928)
- Date
- 1928-11-01
- Page
- Seite 178 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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deutung" geworden ist, so ist das nur der parlamentarische Ausdruck für die ausdrückliche Ablehnung des A. C., den Bericht als Grundlage für Verhandlungen anzusehen, wie es die Exekutive zuerst vorgeschlagen hatte. Und noch in einer anderen Frage — wesentlich vor allem, aber nicht allein für die zionistische Jugend- und Chaluzbewegung hat das A. C. die zionistischen Hoffnungen nicht enttäuscht: in der Alijahfrage. Der Streit um die Alijah, der auch in diesen Blättern seinen Ausdruck gefunden hat, ist für den Augenblick durch die Bewilligung von 1200 Zertifikaten abgeschlossen worden. Der Kampf für und wider neue Einwanderung, soweit er nicht von ausdrücklich arbeiterfeindlicher Tendenz aus geführt worden war, ist im wesentlichen ein Kampf zwischen verschieden starker zionistischer Gläubigkeit gewesen, wobei wir wissen, daß Gläubigkeit nicht das alleinige Kriterium zionistischer Gesinnung ist, daß Gläubigkeit, die abstrahiert von den materiellen Grundlagen, zum Zerschellen der edelsten Kräfte führt. Aber alles, was in der zionistischen Bewegung bisher geworden ist, ist geworden, ohne daß die materiellen Grundlagen ausreichend hierzu vorhanden waren. Die materielle Basis trat immer erst nachträglich hinzu, nachdem sieh zionistische Gläubigkeit zu weit nach vorn vorgewagt hatte. Wir wissen, daß, je größer das Werk wird, desto größere Verantwortung für jeden Vorstoß erforderlich ist, daß die materiellen Grundlagen sich nicht durch die Intensität des Vorstoßes allein herbeizwingen lassen, aber der Grad der Erzwingbarkeit läßt sich im Einzelnen nie vorher genau berechnen. So wissen wir, daß für unsere Chawerim, die jetzt nach Palästina gehen werden, wohl Arbeitsmögliehkeiten im Lande gegeben sind, wir wissen aber auch, daß die Alijah im gegenwärtigen Augenblick für sie und für uns ein Wagnis bleibt. Noch nie war die Einwanderung von so an das Leben gehender Bedeutung für die zionistische Jugendbewegung wie die Alijah in diesem Augenblick: drei Jahre hindurch haben wir keine Einwanderung gehabt, unsere besten Kräfte sind in dieser, jetzt zur Alijah kommenden Gruppe konzentriert, ihr Schicksal wird zu einem hohen Grade Schicksal unserer Bewegung sein. Dieses ernste Wissen darf keinen Augenblick lang von der Freude über die um ein weniges wieder geöffneten Tore Palästinas übertönt werden. Haben wir so unseren Freunden im Actions-Komitee zu danken, so haben wir in einem Punkte die Haltung der Vertreter der Arbeiterschaft nicht ganz verstehen können: das ist die Einbringung der Mißtrauenserklärung gegen Sacher und, nachdem die Exekutive daraufhin zurückgetreten war, die Aufforderung an die Executive, wieder ihr Amt fortzusetzen. Der Kamnf gegen Henry Sacher war zum Schluß nicht mehr nur Sache der Opposition; sondern auch ein großer Teil derjenigen, die anfangs von ihm die Eettung aus aller Bedrängnis erhofft hatten, sind mehr oder weniger offen durch das aufreizende Verhalten dieses Mannes zu seilen Gegnern geworden. Nun war aber von vorn herein klar, daß die Executive sich mit Sacher solidarisch erklären würde und daß die Arbeiterschaft zusammen mit den übrigen Teilen der Opposition nicht a tempo eine neue Exekutive würde bilden können. Die in ihrer Berechtigung gar nicht anzuzweifelnde Gegnerschaft gegen Sacher hätte aber nicht so weit führen dürfen, erst die Exe- 178