Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 1 (1927-1928)
- Issue
- Heft 6 (November 1928)
- Date
- 1928-11-01
- Page
- Seite 177 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3497353-3497354-3497360--202-3521839- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
DER JUNGE JUDE NOVEMBER 192B 1. Jahrg. Nr. 6 KISLEW 5689 i DIE ERGEBNISSE DER LETZTEN SITZUNG DES A. C. Die Sitzung des großen Aktionskomitees, die sich fast ausschließlich mit dem Bericht der „Survey-Commission" beschäftigt hat, liegt nun eine geraume Zeit hinter uns. Die ungeheure Erregung, die der Bericht in der gesamten zionistischen Bewegung ausgelöst hat, ist abgeklungen. Der Angriff derjenigen, die nach einem treffenden Wort von Franz Rosenzweig als bloß „Mitmachende" nicht den Takt besessen haben, sich von einer Einmischung in die innersten Angelegenheiten der „Machenden" zu enthalten, dieser Angriff ist abgeschlagen, und in ihrer Verteidigung sind die Grundelemente der zionistischen Bewegung: nationaler Boden, freie Wahl der Siedlungsformen, jüdische Arbeit, hebräische Sprache, verstärkte Einwanderung neu festgestellt und auch von denjenigen Menschen innerhalb der zionistischen Bewegung angenommen worden, die z. B. gegen die freie Wahl der Siedlungsformen und gegen die verstärkte jüdische Einwanderung bisher ihre Stimmen erhoben haben. Die zionistische Gefahrgemeinschaft, die sich durch den Angriff der Kommission gebildet hat, hat die Kernstücke des Aufbauwerks schützend umgeben und die Einheit der zionistischen Organisation in diesem Augenblick zeugt von dem Bestehen manchmal angezweifelter unverlierbarer zionistischer Grundelemente. Dieses Ergebnis ist zweifellos in erster Linie auf die außerordentlich scharfe Kritik zurückzuführen, die der Bericht vor allem in der Arbeiterpresse erfahren hat. Die ungeheure Erbitterung der Kritiker gerade aus dem Arbeiterlager hat auch diejenigen aufgerüttelt, die den Berieht als eine geeignete Grundlage für Verhandlungen ansehen wollten, weil sie glaubten, nur so die Erweiterung der Agency erreichen zu können. Der Schrei, der durch die Arbeiterpresse ging, weckte sie auf und zeigte ihnen, daß hier keine Diskussion über Einzelheiten am Platze wäre, kein Zurückdrängen des nichtzionistischen Gegners und Vertragskontrahenten an diesem oder jenem Punkt, sondern daß hier das All erheiligste der zionistischen Bewegung verletzt werden sollte und daß daher die erste Voraussetzung für Verhandlungen die Garantie der Unverletzlichkeit sein müßte. Und die anfangs Verhandlungsbereiten machten sich durch den Aufschrei der Arbeiterschaft stark in der Ablehnung. Und wenn dann auch im Laufe der Verhandlung des Aktionskomitees aus dem „erbärmlichen und beleidigenden Dokument", wie es hier mit Empörung von Berl Katznelson genannt worden ist, „ein Dokument von — in seinen großen Umrissen — wesentlicher Be- 177