Mannheim
Compact Memory

Der junge Jude · 1928-05-01 · Heft 4 (Mai 1928) · p. Seite 130

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der junge Jude
Volume
1 (1927-1928)
Issue
Heft 4 (Mai 1928)
Date
1928-05-01
Page
Seite 130 (sequence 30)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3497353-3497354-3497358--145-3521824
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Eine Neubewertung der zionistischen und allgemeinen jüdischenUmwelt wird erfolgen müssen. Die geistigen und menschlichen Grundlagen des sozialistischen Zionismus sollen in ihrer Reinheit natürlich nicht angetastet werden, ja bedürfen sogar einer besonders klaren Ausprägung; aber diese Umwelt muß doch zumindest als ein Objekt des Kampfes gewertet werden, man muß in einer gemeinsamen Sprache sich verständigen und darf niemals zur Sekte werden. Man muß einsehen — und das gilt ganz besonders von der Jugend, von der gerade heute eindringlich verlangt werden muß, daß sie die Tatsachen kennenlernt und die Zusammenhänge erfaßt — daß die palästinensische Arbeiterschaft und der gesamte sozialistische Zionismus seine Ziele nur im Rahmen einer bestehenden Umwelt zu erreichen vermag, daß es daher ebenso unklug wie verantwortungslos ist, sich auf den eigenen Kreis zu beschränken und nicht den Versuch zu machen, diese Umwelt umzugestalten. Was man sich früher vielleicht leisten konnte — eine gewisse Selbstgenügsamkeit — ist im jetzigen Stadium der zionistischen Entwicklung nicht mehr angängig. MORDECHAI SCHATTNER: ZEITSCHAU Der Kampf gegen die Arbeiterkolonisation und gegen die Autonomie der palästinensischen Arbeiterschaft in der Wahl ihrer Kolonisationsformen hat in der letzten Zeit keineswegs aufgehört, sondern nur seine Form gewechselt. Man beunruhigt nicht mehr die öffentliche Meinung mit Gutachten hoher Autoritäten, in den zionistischen Versammlungen Warschaus, New-Yorks und Berlins wird nicht mehr gegen die verderbenbringende Arbeiterschaft gepredigt — dieses laute Vorgehen wäre auch unpassend nach dem offensichtlichem Versagen des ,,Mittelstandes", nach den letzten Erfolgen der Arbeiterschaft in der Beseitigung der Arbeitslosigkeit und, last not least, nachdem man sich als guter Zionist verpflichtet fühlt, das zehnjährige Jubiläum des Hechaluz mitzufeiern. Daß sich aber die innere Situation nicht geändert hat, zeigt uns aufs neue ein Artikel von Robert W e 11 s c h zum 10 jährigen Jubiläum des Hechaluz, der gerade bei der Stellung von R. W. und seiner Freunde sehr aufschlußreich ist. In diesem Artikel verteidigt Robert Weltsch u. a. den Konsolidierungsgedanken als Schaffung einer Basis für eine neue Alijah. Er betont die wirtschaftlichen Gesichtspunkte in unserer Kolonisation und erklärt es als notwendig, vorerst die bestehenden Arbeitersiedlungen zu fundieren und ihnen „eine volle Chance zu geben". — Das Schicksal der „Konsolidierung" ist bekannt. Sie diente als Parole zur Einsetzung der neuen Exekutive, die Arbeiterwirtschaften sind nicht fundiert, die volle Chance ist ihnen nicht gegeben worden. Und trotz alledem fühlt sich Robert Weltsch, wahrscheinlich im Namen der von ihm auch sonst vertretenen zionistischen Kreise, verpflichtet und berechtigt, — ohne erst das Ergebnis der Fundierung abzuwarten — zu verkünden, daß die „neue Kolonisation nicht mehr in den Formen der 3. Alijah" vor sich gehen wird, und daß 130

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.