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Der junge Jude · 1928-05-01 · Heft 4 (Mai 1928) · p. Seite 129

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Journal
Der junge Jude
Volume
1 (1927-1928)
Issue
Heft 4 (Mai 1928)
Date
1928-05-01
Page
Seite 129 (sequence 29)
Language
German
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wortlich zu handeln, iis ist klar, daß etwa ein Gebiet wie die Gemeindearbeit in all ihren Verzweigungen für uns als sozialistische Zionisten von großer Bedeutung ist und eine eigene Stellungnahme verlangt. Daß die Frage der Jugend-, Chaluz - und Kulturarbeit gerade von uns besonders hervorgehoben werden wird, braucht hier nicht eigens betont zu werden. Eines allerdings ist wichtig, immer wieder festzustellen: Alle Kritik und Vorschläge von Seiten der Linken haben nur dann für das Schicksal der Bewegung Bedeutung, wenn dahinter der Wille steht, die Arbeit wirklich zum Teil selbst zu übernehmen, sei es nun auf dem Gebiet der Sammlungen oder dem der Politik oder sonstwo, und so die Organisation allmählich zu durchdringen und im Sinne der Forderung der palästinensischen Arbeiterschaft der Bewegung führend voranzuschreiten. Niemand wird sich einer Illusion über die Möglichkeiten einersolchen Arbeit gegenüber dem gegenwärtigen Zustand hingeben, aber man muß diese stärkste Kraftquelle für den Zionismus und Palästina nutzbar machen. Dabei ist als Grundlage der zionistischen Wirkungsmöglichkeit festzulegen, daß nur dann eine effektive Anziehungskraft auf das nichtzionistische Judentum nach jeder Richtung hin wie auch eine Reaktivierung der zionistischen Kräfte möglich ist, wenn die zionistische Bewegung in den Mittelpunkt ihres gesamten Lebens dasjenige stellt und es anerkannt, was auch den Kern ihres palästinensischen Werkes ausmacht und für die Zukunft ausmachen wird, falls überhaupt ein nationaler Aufbau möglich sein soll: Das Werk der Arbeiterschaft mit all seinen grundlegenden Tendenzen, die von ihm unablösbar sind. Nur wenn die zionistische Bewegung sich zu diesem Werke und seinen Tendenzen voll bekennt und in ihm die entscheidende Möglichkeit der Verwirklichung erblickt, d. h. wenn die geistigen Grundlagen dieses Werkes voll rezipiert werden, hat die Bewegung überhaupt die innere Stärke und das Kraftreservoir, das zur Wirkung notwendig ist. In einem Stadium der Entwicklung, wo die Gefahr eines leer laufenden Apparates gegeben ist, muß die Bewegung derartige feste geistige Grundlagen erhalten. Für weite Schichten im Volke — soweit nämlich die soziale Frage für diese brennend ist und empfunden wird — kann im übrigen nur ein derart inhaltlich zielbestimmter Aufbaugedanke von Wirkung und persönlich verpflichtend sein. Eine andere jüdische Schicht, die als intellektuell eingestellte Gruppe im allgemeinen Leben steht und sich der Umwelt besonders stark assimiliert, daher national an sich schwer beeinflußbar ist, wird zu einem aktiven sozialistischen Zionismus ganz ähnlich stehen, wie sie zur sozialen Befreiungsbewegung überhaupt steht, d. h. es wird stets gelingen, einen Teil dieser Menschen stark zu beeinflussen, der dann allerdings für die Bewegung sehr wertvoll ist, während der Rest unerreichbar bleibt und höchstens „Sympathien" beweist. Der beeinflußte Teil wird bei dieser Art zionistischen Wirkens einen wirklichen Bruch mit der Umwelt innerlich zu vollziehen haben. — Gewiß verlangen alle diese neuen Aufgaben von den Menschen der Linken, insbesondere ihrer Jugend, gewisse, nicht immer leichte Opfer. 129

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