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Der junge Jude · 1928-05-01 · Heft 4 (Mai 1928) · p. Seite 128

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Journal
Der junge Jude
Volume
1 (1927-1928)
Issue
Heft 4 (Mai 1928)
Date
1928-05-01
Page
Seite 128 (sequence 28)
Language
German
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sie auch für einen gewissen Menschenkreis berechtigt sein mag — von anderen Methoden ergänzt und zum Teil verdrängt werden müssen. Auf diesem Gebiete ist ernsthafteste Arbeit all derjenigen notwendig, die von der Linken her in verantwortliche Stellungen gelangen. Neben der Analyse der Untergründe unseres jüdischen Lebens und Handelns in Deutschland und der damit erstrebten Verdeutlichung des nationalen Zusammenhanges und Gefühls, sollte es insbesondere unternommen werden, in den nächsten Jahren denjenigen Teil des jüdischen Mittelstandes propagandistisch anzugreifen, der sich auf dem Wege einer fortschreitenden Proletarisierung befindet und dadurch einer Diskussion sozialer Probleme nicht mehr verschlossen ist. Hier wird die zionistische Bewegung als ein unzertrennlich nationales und soziales Bestreben dargestellt werden müssen, das mit der allgemeinen Umgestaltungstendenz des gesellschaftlichen und ökonomischen Lebens in der Welt aufs engste verknüpft ist. Andererseits wird eine stärkere Betonung der kulturellen Arbeit besonders auf die Jugend dieser Menschenschicht eine große Einwirkungsmöglichkeit besitzen, was wir ja aus der bisherigen Arbeit bereits zur Genüge wissen. Ganz allgemein gesagt hat diese Propaganda sich von einer gewissen blutleeren Abstraktheit fernzuhalten und muß versuchen, die irgendwie erfaßten Menschen möglichst rasch in gewisse inhaltliche Beziehungen hineinzustellen, die eine Verwurzelung im zionistischen Leben gewährleisten. Neben kultureller Arbeit u. ä. ist hier besonders die Tatsache zu erwähnen, daß der sozialistische Zionismus auch hier bereits an den Dingen der Umwelt lebhaften Anteil nimmt, da er sich als Teil einer großen Menschheitsbewegung fühlt und seine Anhänger daher überall zu Aktivität verpflichtet. Diese Aktivität, die das tägliche Leben des Menschen befruchtet und zugleich im Rahmen jüdisch-nationaler Ziele vor sich geht, kann dazu fähig sein, über das bloße Bekenntnis hinaus den geworbenen Menschen in der Bewegung zu verankern und ihn zu einem lebendigen Glied derselben zu machen. — Speziell unter dem Gesichtspunkt des bevorstehenden Delegiertentages betrachtet, muß es die Aufgabe der dortigen Vertretung des sozialistischen Zionismus sein, die Palästinaprobleme in ihrer Bedeutung ganz stark in den Vordergrund zu rücken und jeden Versuch ihrer — wenn auch nur zeitweisen — Verdrängung abzuweisen. Man wird auch nicht vor einer weitgehenden Kritik der Haltung des deutschen Zionismus zurückschrecken dürfen. Es wird Aufgabe der Linken sein, mit aller Kraft eine Neuorientierung in dieser Hinsicht durchzusetzen. Selbstverständlich darf, wie wohl zur Genüge ausgeführt, das Primat der Palästinafragen auch für uns kein Hindernis dafür sein, uns mit den in der Gegenwart so außerordentlich wichtigen Fragen der deutschzionistischen Arbeit eingehend zu beschäftigen und dazu Stellung zu nehmen. In erster Linie ist ja hier die Frage des Verhältnisses zur jüdischen Umwelt akut, wobei das Problem der zionistischen Wirkung, das heißt sowohl der geistigen Propaganda wie auch der Arbeit für die Fonds zur Diskussion stehen wird. In all diesen Fragen müssen die Vertreter der Linken fähig sein, Stellung zu nehmen und dann verant- 128

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